[Subject Prev][Subject Next][Thread Prev][Thread Next][Subject Index][Thread Index]

Kritik: Der 200 Jahre Mann



Hallo!

Der 200 Jahre Mann 20.04.00 / Auge Gottes

Basierend auf einer Kurzgeschichte von Isaac Asimov drehte Regisseur Chris
Columbus ("Während du schliefst") den "200 Jahre Mann". Dabei rausgekommen
ist ein recht netter Film für zwischendurch, der für seine Maske
eine Oscarnominierung einheimste.

Worum gehts?

Wir schreiben das Jahr 2005. Mr. Martin (Sam Neill) will seine Familie
überraschen und kauft einen Haushaltsroboter (Robin Williams) der sich von
nun an um den (nona) Haushalt kümmern soll. Doch schon bald bemerkt man,
dass man hier ein einzigartiges Modell dieser Androidenserie erstanden hat,
denn Andrew (so wird er getauft) entwickelt Individualidät und Kreativität.
Speziell mit der jüngsten Tochter (Embeth Davidtz) der Martins verbindet ihm
bald eine innige Freundschaft, welche er auch noch mit ihren Nachkommen
hegt. Doch Andrew ist unglücklich: Alle die ihm etwas bedeuten müssen
sterben und er hat nicht einmal die Möglichkeit seine Trauer auszudrücken.
Deshalb sieht er nur eine Möglichkeit: Er möchte ein Mensch werden - um
jeden Preis.

Ich meine:

Im Jahr 2005 also haben wir alle unseren eigenen Haussklaven - Android
genannt. Die Frage die sich dabei stellt: Wollen wir das eigentlich? Einen
menschlich gebauten Roboter Tag und Nacht um sich haben und für einen
schuften lassen? Man fühlt sich unwohl, was auch im Film anfangs gut
eingefangen wird. Nun ja, bis 2005 dürfte sich diese Fiktion nicht ganz
ausgehen, sie scheint aber unausweichlich.

Aber mit der Evolution sinkt auch die Hemmschwelle und es steigt der
Fortschritt. Im "200 Jahre Mann" vergehen Jahre im Minutentakt und so kann
man die gesellschaftlichen Veränderungen sehr gut beobachten. Schaut es 2005
noch aus wie heute, so fliegen 50 Jahre später die Autos schon durch die
Luft und ein Zimmer im Krankenhaus sieht aus, als hätte man sich der
Requisiten aus einer Star-Trek-Folge bedient. Ob das Krankenbett der Zukunft
allerdings bequemer sein soll als ein herkömmliches, wage ich zu bezweifeln.

Sieht man von diesem interessanten Einblick in die Zukunft ab, so hätte ich
mir doch gewünscht, dass sich die Handlung auf eine menschliche Lebensspanne
begrenzt. Der Ansatz, dass Andrew sämtliche Personen die er mag überleben
wird ist zwar durchaus gelungen, hätte man aber durchaus auch in einem
Zeitraum von ca. 50 Jahren bewältigen können. Es wäre doch wirklich ein
nettes Ende gewesen, wenn der "Vater" von Andrew (Sam Neill) sehen hätte
können, das er sein Lebensziel erreicht hat.

131 Minuten dauert der "200 Jahre Mann" und ist dafür um rund eine halbe
Stunde zu lange. Anstatt eines kurzen aber prägnanten Ende überstrapaziert
man es und dehnt es viel zu lange.

Was wirklich absolute Klasse in diesem Film war, waren die Special-Effects.
Highlight war die Szene in der Rupert Burns (Oliver Platt) den Kopf von
Robin Williams auf den Körper setzte. Aber auch wie dieser in Andrews Bauch
und Hirn Änderungen vornimmt schaut ziemlich beeindruckend aus.

Robin Williams hat leider schon lange keinen Hit mehr produziert und dies
schafft er auch mit dem "200 Jahre Mann" nicht. Er spielt den Andrew Martin
aber dennoch recht überzeugend. Außerdem halte ich die Mimik von Willams in
Szenen in welchen er Trauer empfindet oder weint für derart gelungen und gut
gespielt, sodass einem als Zuschauer mitunter auch Tränen in die Augen
schießen können.
Besser als Williams hat mir aber Sam Neill gefallen, der auf Anhieb
sympathisch wirkt und Andrew lehrt was es heißt "Mensch" zu sein.

Fazit: Der "200 Jahre Mann" ist kein "Muss" für Kinofreaks, aber wenn einmal
nichts anderes läuft, so kann man dem Film doch eine Chance geben. Er ist
recht unterhaltsam, aber doch etwas zu lange.

Persönliche Bewertung des Films: 6/10.

Grüße,

Claus

P.S.: Ein Witz aus Andrews Repertoir: Der menschliche Körper muss von einem
Beamten konstruiert worden sein. Wer sonst hätte die Müllkippe gleich neben
dem Unterhaltungssektor angesiedelt. ;-)
--
_____________________________________

SCHLADIS FILMPAGE
Die HP für den versierten Kinobesucher

Filmkritiken & mehr unter:
http://beam.to/filmkritik