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Kritik: Erin Brockovich (2000)



Erin Brockovich

Original-URL: http://www.zelluloid.de/heinz/filme99/erin.htm
Archiv-URL: http://www.zelluloid.de/heinz/imho.htm
Rating: 85%

Drama/ Gericht, USA, 2000, 130 Min., 
Originaltitel: Erin Brockovich, 
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, 
Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Veanne Cox, 
Scotty Leavenworth, Conchata Ferrell 

Erin Brockovich, alleinerziehende Mutter dreier kleiner Kinder, hat es
nun wirklich nicht leicht: sie ist nicht mehr die Jüngste, hat aber 
keine Ausbildung und Berufserfahrung vorzuweisen, weshalb niemand ihr 
einen Job geben will. Trotzdem schafft sie es über Umwege, eine 
Arbeitsstelle in einem Anwaltsbüro zu ergattern, und bringt dort einen
der größten Prozesse der amerikanischen Rechtsgeschichte ins Rollen. 

Ob das alles nur an ihrem großen Mundwerk liegt? Auf jeden Fall hat 
Erin Brockovich (Julia Roberts) einige Probleme: ihr Ex-Mann hat sie 
sitzen lassen; wahrscheinlich waren ihre ständigen spitzen Sprüche 
nicht mehr zu ertragen, und nun steht sie mit ihren drei kleinen 
Kindern ganz alleine da. Und wer stellt schon eine nicht mehr ganz so 
junge Frau ohne Lehre und Berufserfahrung ein? Wie es aussieht, 
niemand, und obwohl sie sich wirklich redlich bemüht, hat die 
ehemalige Schönheitskönigin bald nur noch 19 Dollar auf der Bank.
    Ein unverschuldeter Autounfall, bei dem sie sich verletzt hat, 
scheint in dieser Situation wie ein Silberstreif am Horizont, und auch
ihr Anwalt Ed Masry (Albert Finney) ist der Ansicht, daß man den Fall 
eigentlich nur gewinnen kann, aber wieder kommt Erin ihr Mundwerk in 
die Quere: sie beschimpft ihren Gegner vor Gericht, und verliert daher
den Fall, weil ein solches Benehmen bei den Geschworenen nicht eben 
den besten Eindruck hinterläßt.
    Immerhin hat sie einen neuen Babysitter, denn George (Aaron 
Eckhart), der neue Nachbar drängt sich geradezu auf, die Kinder zu 
hüten, obwohl ihm als gestandenem Harleyfahrer das eigentlich weniger 
zuzutrauen scheint. Und auch eine Arbeitsstelle hat sie bald gefunden,
und zwar ausgerechnet bei dem Anwalt, der in ihren Augen den Fall 
gründlich verbockt hat. Ob aus Schuldgefühl oder aus Angst vor 
weiteren Attacken aus dem frechen Mundwerk Erins angetrieben gibt er 
ihr einen kleinen Job in seinem Archiv, wo sie bald auf einen 
interessanten Fall stößt, der ohne sie wohl unentdeckt geblieben wäre:
bei einem Kaufangebot einer großen Gasfirma findet Erin Unterlagen, 
die ihr nicht so ganz sauber erscheinen. Irgendwie scheinen die 
Menschen, die in der Nähe der Fabrik wohnen, sehr viel öfter unter 
schweren Erkrankungen zu leiden als der Durchschnitt, und tatsächlich 
findet sie bald heraus, daß das Grundwasser rund um das Fabrikgelände 
mit giftigen Chemikalien verseucht ist. 

Es ist wirklich erfrischend, dieser Erin Brockovich zuzusehen, deren 
Geschichte auf wahren Tatsachen beruhen soll. Auch wenn, oder gerade 
weil sie sich recht einfach und immer wieder auch in einem sehr rauhen
Ton mit ihrer Umgebung unterhält, hat sie doch ein größeres 
Gerechtigkeitsempfinden als die meisten anderen Menschen, sogar mehr 
als viele Anwälte. Zwischen Erin und ihrem Arbeitgeber entwickelt sich
eine richtig schöne Haßliebe, und die beiden Rollen sind sowohl von 
der Story her betrachtet als auch schauspielerisch herausragend: 
exzellent gezeichnet und von Julia Roberts und Albert Finney klasse 
gespielt.
    Trotz der gut ausgearbeiteten Story bleibt es am Ende doch Julia 
Roberts alleine, die sich in diesem Film profilieren kann, denn anders
als in ihren letzten Filmen spielt sie hier endlich mal wieder eine 
ganz normale Frau, so wie damals in "Pretty Woman", und es hängt auch 
ganz alleine an ihr, ob die Zuschauer die Rolle, die sie verkörpert, 
lieben oder nicht. Gerade bei dieser rauhen Erin Brockovich könnte das
nämlich auch ganz schnell daneben gehen, aber sie schafft es, die 
Sympathien zu ernten, die dieser Frau zustehen - man muß sich nur die 
Zeit nehmen, sie richtig kennenzulernen, auch als Zuschauer.

heinz
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Alexander Werner Jachmann aka. Heinz

e-mail:  www@jachmann.de
URL: http://www.jachmann.de/