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Kritik: Galaxy Quest
- Subject: Kritik: Galaxy Quest
- From: Thomas Schlömer [FS] <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 15 Apr 2000 08:10:00 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Tue, 16 May 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 54/985 f064761
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
Galaxy Quest
"Niemals aufgeben, niemals kapitulieren"
Inhalt
Vier Jahre lang hat die Crew der NSEA "Protector" in der 1970er-Serie
"Galaxy Quest" gefährliche Missionen bestanden, dann wurde die Produktion
eingestellt. Zwanzig Jahre später tragen Jason Nesmith (Tim Allen), Gwen
DeMarco (Sigourney Weaver), Sir Alexander Dane (Alan Rickman), Fred Kwan
(Tony Shaloub) und Guy Fleegman (Sam Rockwell) ihre Kostüme nur noch, um auf
Sci-Fi-Conventions für die immer noch große Fangemeinde Auogramme und
Interviews zu geben. Doch kommen einige Fans von sehr weit her. Sie
entpuppen sich als Aliens und entführen das gesamte Schauspielensemble in
der Annahme, die von ihnen gespielten Rollen und die TV-Serie seien keine
Fiktion, sondern "historische Dokumente". Es ist nun also an den
Schauspielern, ein Raumschiff zu fliegen und den Kampf gegen garstige Aliens
aufzunehmen - nur wie?
Übersicht
Flemming: Entschlusslose Weltraum-Satire mit nur vielversprechender
Grundidee 6/10
Thomas: Gute, aber unspektakuläre Unterhaltung, solide in Szene gesetzt 6/10
Meinung Flemming (fs) 6/10
Kurzkommentar
Durch unverbrauchten Ansatz und gutes Schauspiel macht "Galaxy Quest"
streckenweise durchaus Spaß, langweilt alles in Allem jedoch durch
Unbeständigkeit. Konsequent überzeugen kann er weder als Trekkie-Karikatur
noch als Sci-Fi-Parodie und verschenkt Potential vor allem dadurch, dass
sich Elemente abgeschmackter Weltraumaction vereinzelt ernst statt comichaft
überzeichnet verstehen.
Kritik
Science-Fiction hat im Kino der letzten Jahre ein gigantisches Revival
erfahren und sich als publikumswirksames Genre schon vor "Star Wars: Episode
1" wiederherstellen können. Unabhängig von diesem Trend wird seit
Jahrzehnten der Kult um die "Star Trek"-Serien über den passiv Begeisterten
hinaus vom harten Kern der Fangemeinde in sogenannten "Conventions",
Treffen, auf denen in Spezialgarderobe über die Grenzen der heutigen Physik
hinausdiskutiert wird, regelrecht gelebt und zelebriert. Nicht nur liegt die
Befürchtung nahe, dass so mach einer schon zu tief ins Trekke-Universum
eintauchte, um noch zu vergegenwärtigen, dass es einst bloß der Glotze
entsprang, vielmehr tritt auf jenen "Conventions" auch stereotype,
überstrapazierte Medieninszenierung zutage.
An diesem Punkt beginnt der augenzwinkernde Ansatz von Drehbuchschreiber
David Howard, der "gelebten" Sci-Fi-Kult und den Kleinzwist der alternden
"Galaxy Quest"-Crew zurückhaltend satirisch beschreibt. Der Gedanke, eine
"Convention" samt ihrer Eigenarten bitterböse ins Lächerliche zu
übertreiben, hätte einigen sicher gefallen, doch serviert bekommen wir die
vermittelnde, die seichte Tour, um ja kein Ethos zu kränken. Regisseur Dean
Parisot, bisher in erster Linie für das Fernsehen produzierend, zeigt die in
diesem Fall zweifelhafte Stärke, immer schön bodenständig zu bleiben -
gewagtere Parodie ist eben unterhaltsamer, was nun nicht heißen will, dass
sich "Galaxy Quest" schon von Beginn an als Schlaftablette entpuppt. Nein,
gerade die Umsetzung des brillianten Erzählmoments, die Serien-Crew von
Außerirdischen in der irrigen Annahme entführen zu lassen, sie hätten
Superhelden vor sich, sorgt zusammen mit Grobmotorik und Ausdruck der
Extraterrestrischen für etliche Lacher. Die bisher nur gespielte Realität
wird zur wirklichen und birgt reichlich Orientierungsschwierigkeiten. Doch
scheint es, als ob mit dem obligatorischen "Hochbeamen" gleichsam das
Planungskonzept des Streifens in den berühmten unendlichen Weiten des
Weltraums verloren geht.
"Galaxy Quest" hat über seine harmlose, zu wenig schrille Natur hinaus vor
allem ein Problem: Die Verwechselungsgeschichte und das Bewähren einer
Pseudo-Raumcrew hätte die optimale Grundlage für enddebilen, aber
kurzweiligen Weltraumklamauk geboten. Doch Regisseur Parisot wusste mit
seinem Drehbuchschreiber wohl nicht recht, welche Richtung nun einzuschlagen
sei: entweder Persiflage ODER solides Weltraumabenteuer. Dass beides vereint
nur bedingt funktioniert, zeigt der absinkende Lachfaktor, aber in erster
Linie das Abdriften in eine noch nicht mal serientaugliche
Spannungsdramaturgie. Witz reibungslos funktionierend mit fesselnder
Handlung zu paaren, ist ohne Frage schwer, und daran scheitert "Galaxy
Quest". Sich gegen niederträchtige, reptiliengleiche Bösewichter zur Wehr zu
setzen, ist in etwa so aufregend neu wie die erste "Star Trek"-Folge. So
verpufft der innovative Ausgangspunkt in flacher Spannungskurve sowie
flachem Wortwitz und macht den Film weniger packend als so manche real
existente Serienfolge. Aus dem Anspruch einer stringent durchdachten Satire
auf typisierende Sci-Fi-Muster wird eine ideenlose, formelhafte
Wiederhohlung dergleichen. Die Special-Effects sind gehobener Standard,
fallen aber nicht positiv aus dem Rahmen - vom Mitwirken des Effektgurus
Stan Winston ist nicht viel zu spüren, auch das Setdesign bleibt unbemerkt.
Die einhundert Filmminuten entpuppen sich zunehmend als leicht
durchwachsener Trip mit zähem Nachgeschmack.
Allerdings ist der mimische Einsatz durchweg solide und macht die
galaktische Farce somit doch noch sehenswert. Paradekomiker Tim Allen lässt
den an der Superheldenrolle Gefallen findenden Commander Peter Quincy
Taggert vorbildlich zur Geltung kommen und auch die anderen spielen
entspannt auf. Das Interessanteste an Sigourney Weaver scheint derweil ihre
blonde Frisur. Am Ende kaufen die auf der "Convention" Anwesenden das Reale
als Show ab und der Zuschauer bleibt darüber im Unklaren, worin nun
eigentlich das Ziel dieser seichten Synthese lag. Einige Anspielungen auf
bekannte Genremomente sind durchaus geglückt, aber das ist nicht genug, um
den programmatischen Titel entweder mit humoristischem Schwachsinn oder
bissig überspitzter Karikatur zu füllen.
Fazit
Entschlusslose Weltraum-Satire mit nur vielversprechender Grundidee
Meinung Thomas (ts) 6/10
Kurzkommentar
"Galaxy Quest" bietet dem Zuschauer das, was er erwartet: eine gelunge
Science-Fiction Komödie auf Basis des Trekkie-Wahns. Leider kommt auch nicht
mehr rüber : alles wirkt etwas hausbacken, nett eben. Etwas mehr Biss hätte
der Crew um Tim Allen sicherlich nicht geschadet, aber einen netten abend
genießt man mit "Galaxy Quest" allemal.
Kritik
Was erwartet man von "Galaxy Quest" ? Wohl hauptsächlich eine gelunge
Science-Fiction Komödie mit einem Einschlag in Richtung Persiflage/Parodie.
Und in dieser Hinsicht wird der geneigte Kinogängeran denn auch befriedigt.
Sicherlich zünden nicht alle Gags, aber es wird doch größtenteils gekonnte
Komödienstimmung rübergebracht. Was ich "Galaxy Quest" außerdem hoch
anrechne : der Film verliert sich nicht in dämliche Albernheiten. Trotzdem
die freundlichen, naiven Außerirdischen natürlich ein hirnrissiges Verhalten
aufweisen, so wirkt ihr Geschehen doch immer gelungen überspitzt und - im
Rahmen des Genres - nachvollziehbar. Zudem geben sich sowohl Schauspieler,
als auch Story und Special Effects solide bis gut und erfüllen die
Anforderungen einer witzigen Science-Fiction Komödie vollkommen.
Warum es dann keine höhere Wertung gibt ? Nun, der eine Grund ist sicherlich
die Wahl des Genres, der andere die von Flemming angesprochenen
Schwachpunkte. Fans solcher Parodien oder auch Fans von Tim Allen im
Allgemeinen mögen es mir verzeihen : der ganze Film bringt es nun mal
genrebedingt nicht zu mehr als netter bis guter Unterhaltung - ein
kurzweiliger Kinoabend, an dem man Spaß haben kann. Aber eben nichts
außergewöhnlich Memorables; nichts das in Erinnerung bleiben wird. "Galaxy
Quest" ist einer der
an-der-Kasse-bezahlen-ins-Kino-gehen-und-einen-netten-Abend-verbringen
Filme. Von daher hat er auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung, er wird
Fans erfreuen und alle anderen werden sich auch nicht über die bezahlte
Kinokarte ärgern. Nette Unterhaltung halt ...
Der zweite Grund sind wie gesagt die wenigen echten Schwachpunkte des Films.
Zum einen parodiert er zu wenig für eine echte Parodie, zum anderen wirkt er
nicht konsequent auf eine Komödie getrimmt. Der Böse ist wirklich böse, die
Guten wirklich gut. In dieser Beziehung wird nichts durch den Kakao gezogen
und so bleibt der äußere Rahmen doch der altbekannte aus Hollywood. Schade
eigentlich, denn etwas mehr Biss hätte da wirklich nicht geschadet.
Wäre die Gagdichte etwas höher, die Anspielungen etwas zahlreicher und die
Struktur nicht so komödientypisch, hätte "Galaxy Quest" evtl. das Potential
zu einem Komödienkult à la "Spaceballs" gehabt. So bleibt leider nur die
gute, aber unspektakuläre Unterhaltung für zwischendurch...
Fazit
Gute, aber unspektakuläre Unterhaltung, solide in Szene gesetzt
Galaxy Quest
Originaltitel Galaxy Quest
Starttermin 13.04.2000
Genre Sci-Fi/Komödie
Daten USA 1999, 104 Min., FSK 12
Regie Dean Parisot
Drehbuch / Vorlage David Howard
Darsteller Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman u.a.
Trailer -