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Kritik: Grey Owl



Grey Owl

"They call me Grey Owl; he who flies by night"

Inhalt
Erzählt wird der (wahre) Lebensweg des Engländers Archiebald Belaney (Pierce
Brosnan), der sich als junger Mann seinen Kindheitstraum verwirklicht hat :
als Indiander in der Wildnis zu leben. Seine (gebildeten) englischen Wurzeln
kann er jedoch nicht komplett hinter sich lassen, schreibt er doch
regelmäßig einen Artikel in einer lokalen Zeitung. Als "Raubtier, das
schreiben kann" werden schließlich einige reichere Engländer auf ihn
aufmerksam, motivieren ihn ein Buch zu schreiben und überreden ihn sogar,
als indianischer Unterhalter mit nach England zu kommen. Dort jedoch wird er
zum Sprachrohr für die bedürftigen Indianer und erreicht immense Beliebtheit
in aller Welt ...


Meinung Thomas (ts) 4/10

Kurzkommentar
Schauen Sie sich das obige Filmplakat an, denken Sie kurz nach, und schon
wissen Sie, ob es sich lohnt, diesen Film zu besuchen. Jeder, der Brosnan
als schlagfertigen Helden kennt (und liebt), sollte einen großen Bogen um
"Grey Owl" machen. Mindestens so grau wie die die Pierce'sche Eule ist
nämlich auch das Filmgeschehen. Die Inszenierung wird der weiterhin
lobenswerten Grundthematik nämlich leider nicht gerecht.

Kritik
Meine Güte, wer war denn für das Casting dieses Indianer-Dramas zuständig !
Bei allem Bemühen Brosnans, einen Imagewandel vom actionreichen Weltenretter
Bond zum redegewandten Weltenverbesserer Archie zu vollziehen. Seine Gestik
und Mimik, überhaupt sein ganzes Charisma, wirken noch deplazierter als es
das obige Filmplakat erahnen läßt. Nene, so sehr ich Pierce Brosnan als
schlagfertigen Actionhelden oder geschickten Finanzguru ("Thomas Crown")
auch schätze, hier überschreitet seine Rolle eindeutig sein Charakterfach.
Die restlichen Charaktere hingegen bleiben unauffällig bis solide, was
angesichts des Filmschwerpunktes natürlich auch kein Kunststück ist.
Allenfalls Annie Galiepeau als einseifende Lebensgefährtin hebt sich etwas
hervor, kommt aus ihrer depressiven Stimmung aber nie heraus.

Was weiterhin auffällt ist die dramaturgische Schwäche des Films. Die
Spannungskurve ist im Prinzip gar keine, sondern stagniert von Anfang bis
Ende auf der Nulllinie. Offenbar wußte man mit dem wahren Hintergrund des
Geschehens nicht viel anzufangen - es passiert schlicht zu wenig. Trotzdem
sind die Dialoge meist gelungen scharf und knackig formuliert - in dieser
Hinsicht leistet sich das Drehbuch immerhin keine Patzer. Wohl aber im
Grundkonstrukt : zunächst ist Archie nie und nimmer dazu zu bewegen, seine
Lebensweise in einem Buch festzuhalten; drei gefallene Sätze, aber keinen
trifftigen Grund, später hat er sich plötzlich anders überlegt. Ebenso geht
es bei der Aufforderung mit nach England zu kommen und vor Leuten
aufzutreten, vor sich. Erst "Niemals !", dann "och, ich komm doch mit" - da
bleibt die Glaubwürdigkeit gaaanz leicht auf der Strecke.

Der Aufruf zur Erhaltung von Tier- und Pflanzenwelt sowie des Lebensraumes
der nativen Bewohner kommt leider etwas betagt und rückständig vor. Leider
deswegen, als daß diese berechtigten und wichtigen Forderungen mittlerweile
im gewissenlosen Sitzfleisch der menschlichen Vernunft hängen geblieben sind
und nicht mehr akut wirken. War z.B. vor einigen Jahren die Rodung der
tropischen Regenwälder und die Ausrottung bestimmter Tierarten vor allem in
jüngeren Schulklassen wichtiges Bestandteil zur Erziehung eines Gefühls für
seine Lebensumgebung bzw. seinen Planeten (auch wenn sich das jetzt etwas zu
dick aufgetragen anhört), so mußte die weiterhin aktuelle Thematik neueren
(meist genauso essentiellen) Themen weichen.
Insofern ist die Verhaltenskritik des Films als positiv zu bewerten, wenn
auch "Grey Owl" sicherlich nicht verhindern wird, daß mancheiner seine
McDonald's Packung an der nächsten Ampel aus dem Fenster wirft. Dazu fehlt
des dem Film einfach an Intensität und Emotionalität.

Von Regisseur Attenborough konnte man definitiv mehr erwarten. Irgendwie hat
man die ganze Zeit den Eindruck, daß diese Geschichte nur verfilmt werden
mußte, weil es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Im Gegensatz zur
"wahren" Konkurrenz "Erin Brockovich" und "Hurricane" mangelt es "Grey Owl"
allerdings viel zu sehr an interessantem Stoff und packenderer Inszenierung.

Die meisten dürfte "Grey Owl" deswegen wohl weniger interessieren. Auch eine
einfache Empfehlung als Video- oder DVD-Verleih fällt mir schwer, ist das
Geschehen doch meist träge und langatmig. Einzig und allein
Landschaftsfanatiker, Indianer-Fans oder verliebte Pärchen, die sich einen
ruhigen Filmabend gönnen wollen, könnten der Thematik der grauen Eule etwas
abgewinnen.


Fazit
Konservativer Aufruf zum Umweltschutz mit totaler Fehlbesetzung


Grey Owl
Originaltitel Grey Owl
Starttermin 13.04.2000
Genre Drama / Abenteuer
Daten Canada, 117min, FSK 12
Regie Richard Attenborough
Drehbuch / Vorlage William Nicholson
Darsteller Pierce Brosnan, Annie Galipeau, Nathaniel Arcand, Vlasta Vrana,
uvm.
Trailer Quicktime MOV (7,5MB), offizielle Site