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Kritik: Haunted Hill
- Subject: Kritik: Haunted Hill
- From: "Thomas Schlömer [FS]" <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 28 Apr 2000 07:01:34 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 29 May 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 57/1006 f080214
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1036
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Haunted Hill
"Evil loves to party"
Inhalt
Was kann wohl der steinreiche und leicht schräge Besitzer mehrer
Vergnügungsparks mit Schwerpunkt "Terror und Angst" - Steven B. Price
(Geoffrey Rush) - seiner attraktiven, von ihm aber nicht sonderlich
begeisterten Frau - Evelyn Price (Famke Janssen) - zum Geburtstag schenken ?
Eine Feier im passenden Ambiente scheint angemessen. Price organisiert also
in einer einsam an einer Klippe gelegenen, ehemaligen Psychatrie eine Feier
mit einigen wenigen geladenen Gäste. Jeder der Gäste soll am Morgen nach der
Party 1.000.000 Dollar erhalten - vorausgesetzt er lebt dann noch !
Natürlich hat sich Price dies als Gag ausgedacht und das Haus entsprechend
präpariert und mit Tricks aus seinem Vergnügungsparkfundus gespikt. Doch
spätestens als völlig andere Gäste als gedacht erscheinen keimt ein erster
Verdacht, der sich nach dem Verriegeln des Hauses bestätigen: Irgendetwas
ist in dem Haus ... oder ist *es* das Haus ?
Übersicht
Andreas: Insgesamt eher enttäuschend 4/10
Wolfgang: Ziemlich gruselig, aber auch ziemlich brutal 8/10
Meinung Andreas (ae) 4/10
Kurzkommentar
Ich kenne das Original nicht und werde es mir sehr wahrscheinlich auch nicht
ansehen, aber es kann nur besser sein als dieses Remake ... und wenn man
auch den Nostalgiefaktor heranziehen muß. Passable 30 Anfangsminuten retten
den Film nicht über die volle Distanz, die folgenden zwei Drittel sind
einfach zu beliebig und unspannend.
Kritik
44 Jahre nachdem William Castle diesen Film bereits mit dem großartigen
Vincent Price (!) in der Hauptrolle auf die Leinwand gebracht hat, machte
sich ein weiterer William - nämlich Malone - daran, den Gruselschocker
erneut zu verfilmen.
Zunächst war ich wirklich "gegruselt" bis "unangenehm berührt". Ich finde es
einfach schrecklich, Szenen zu sehen, die so tatsächlich passieren
*könnten*. Wie der verrückte Psychiater 1938 in dem alten "House On Haunted
Hill" die Experimente an seinen Patienten durchführt, ist sehr genüßlich
inszeniert. Also zugenähte Augen oder bei vollem Bewußtsein operierte
Menschen finde ich schockierend, wohingegen mich ein Kopf der nur aus einem
Mund besteht, völlig kaltläßt. Und das ist auch das Problem des Films.
Die ersten 30 bis 40 Minuten waren durchaus passabel, weil alles theoretisch
möglich war - die Grundkonstellation "verwunschenes Haus" mal akzeptiert.
Steven B. Price wird in seinem Vergnügungspark vorgestellt und ich mit
meiner Höhenangst konnte den Nervenkitzel der ersten Achterbahnszene sehr
gut nachvollziehen. Auch das Schleichen durch die dunklen Gänge des alten
Spukhauses waren durchaus kribbelnd, vor allen Dingen mit der effektvollen
Tonkulisse, die wirklich hervorragend gelungen ist.
Kurze Einblendungen der Geschehnisse des Jahres '38 sorgten für kleine
Zucker. Doch dann begann sich die Geschichte zu dehnen. Es ist nunmal nicht
mehr als ein 10-kleine-Negerlein-Spiel und wenn die dann auch noch der Reihe
nach dem selben Schema folgend gemeuchelt werden (sogar recht vorhersehbar),
dann fehlt der Thrill. Auch plötzlich wieder auferstandene Totgeglaubte
reißen heutzutage niemanden mehr zu Schreckensschreien hin.
Danach begann dann der Teil, den ich bei eigentlich keinem Horror- und
Gruselfilm leiden kann (weswegen ich mich wohl auch nicht als einen Fan
dieses Genre bezeichnen kann): *das Böse* wurde wieder mal zu Rate gezogen,
als überhaupt nichts schreckliches mehr in dem Haus zu finden war.
Blöderweise war *das Böse* einfach nur ein Schatten, der sich durch den
Boden, die Decke, die Wände und was weiß ich zog und filmtechnisch auch noch
mies aussah. Nun begann eine kurze und nicht nachzuvollziehende Hatz durch's
Haus, welche von einem absolut unbefriedigenden Ende gekrönt war.
Fazit
Insgesamt eher enttäuschend
Meinung Wolfgang (wr) 8/10
Kurzkommentar
"The House on Haunted Hill" ist ein B-Film mit A-Klasse-Grusel,
A-Klasse-Effekten und mindestens einem A-Klasse Schauspieler. Insofern hat
der Film dem Original einiges voraus, auch wenn er an allgemeiner
EInfallslosigkeit leidet.
Kritik
Gleich vorweg: Die aktuelle Neuauflage des Originals ist durchaus nicht
schlechter, allerdings hat er nur noch wenig mit dem Film von 1956 zu tun.
Jan de Bonts "The Haunting" war da schon deutlich näher am Original,
wenngleich dieser Film nicht den für heutige, abgehärtete Kinogänger nötigen
Gruselfaktor erreichte. Das Original übrigens auch nicht: Ausser Vincent
Price hat der Film nicht viel zu bieten, knarzende Türen und wankende
Wendeltreppen sind noch das gruseligste, und die Story war damals zwar
(zwangsläufig) innovativer, aber dennoch nicht gerade von übersürhender
Genialität.
Auch das Ur-Vorbild, Edgar Allan Poes "The Fall of the House of Usher",
welches zum ersten Mal die Idee der verwunschenen Hauses auf den Punkt
bringt, hat seine Verdienste auf anderem Gebiet: Es ist Vorreiter auf dem
Gebiet der (romantischen) Schauerliteratur, hat eher literaturhistorische
Verdienste.
Dergleichen strebt nun die aktuelle Neuverfilmung keineswegs an: Sie will
gar nicht besonders innovativ sein, einen Meilenstein zu setzen war weit
entfernt jeder Intention des Autors, und Wegbereiter eines neuen Genres ist
der Film schon gar nicht. Vielmehr versucht der Film das altbekannte Schema
(hier nun kann Agatha Christie mit "10 kleine Negerlein" als literarisches
Vorbild gelten) des Gruselschockers umzusetzen: Eine Gruppe Personen gerät
in eine Horror-Situation, und wird nach und nach dezimiert.
Vor diesem Hintergund gesehen genügt der Film seinem Anspruch durchaus.
Viele Gruseleffekte sind zwar vorhersehbar, aber irgendwie sind sie das
letztlich bei allen Gruselfilmen - wer in eine Geisterbahn einsteigt, weiss
ja auch genau, das hinter der nächsten Ecke ein Monster lauert, und
erschrickt sich trotzdem. Der Vorwurf, die Schock-Stellen wären
vorhersehbar, ist zwar zum Teil wahr, aber insofern nicht gerechtfertigt,
als dieses Problem per se unumgänglich ist.
Auffallend ist der ziemlich hohe Gore-Faktor, für einen 'normalen'
Hollywood-Film geht es reichlich derbe zu Werke, nicht nur Blut und
Körperteile in handlichen Portionen sind Standarddekoration, nein, die
entsprechenden Szenen sind auch über die Maßen brutal ausgefallen, der Film
nimmt keine Rücksicht. Und: Während beispielsweise bei "Sleepy Hollow" das
Grauen durch den ironischen Unterton deutlich aufgelockert wird, setzt "The
House on Haunting Hill" noch einen in entgegengesetzter Richtung drauf: Das
Szenario des irren Doktors, der an Geistesgestörten unmenschliche
Experimente durchführt, ist durch seine reale Existenz beispielsweise in der
deutschen Vergangenheit weit unangenehmer als ein konventiuonelles
High-School-Schlitzer-Szenario. Insofern ist der Film nur was für wirklich
starke Nerven, die die Verschmelzung des möglichen realen Grauens mit dem
fiktiven auch ertragen. Auch die teilweise rauschhaft-albtraumhaft
aneinander geschnittenen Bilder (besonders in Szenen mit der
Reizüberflutungsmaschine) tragen dazu bei, das der Film ein tiefsitzendes
Unbehagen auslöst.
Ein kleiner Leckerbissen für Kenner ist der Film hinsichtlich seiner
Besetzung: Geoffrey Rush spielt wunderbar maliziös, seine Ausstrahlung ist
ähnlich stark wie in seiner Meisterrolle des David Helfgott in "Shine",
wobei natürlich angemerkt werden muss, dass die Rolle des Steven Price
weitaus weniger Tiefgang besitzt und zudem richtig fies ist -insofern kaum
vergleichbar. Aber dennoch, Geoffrey Rush hilft diesem Film aus der Ecke des
Video-Releases heraus. Hinzu kommt ein eher kurzer Auftritt von Jeffrey
Combs - StarTrek-Fans als Weyoun und Brunt aus DS9 bekannt. Weniger bekannt,
zumindest bei uns: Chris Kattan, Comedy-Star aus "Saturday Night Live", der
nach seiner Dumpfbacken-Rolle in "A Night at the Roxbury" hier eine
erstaunlich gekonnte Leistung abgibt. Und zu guter Letzt gibt sich Peter
Graves die Ehre - als Peter Graves.
B-Film, A-Film, schlechter Film, guter Film? "The House on Haunted Hill"
wirkt zwar ein wenig trashig, aber er hat auch seine guten Seiten: Gegenüber
dem Original besitzt er deutlich mehr Pep, nervenstarken Kino-Gängern bietet
er souveränes, (leicht) überdurchschnittliches Gruseln, vorallem aber
verfügt er über einige wirklich gemeine Szenen (Achterbahn), und einen
wunderbaren (wenn auch nicht voll ausgelasteten ) Geoffrey Rush. An
Minuspunkten ist der Großteil der restlichen Darstellerriege zu nennen, die
über Kanonenfutter-Nivau nicht hinauskommt, das ziemlich derbe Drehbuch, und
die ausgelutschte Grundkonstruktion.
Fazit
Ziemlich gruselig, aber auch ziemlich brutal
Haunted Hill
Originaltitel House on Haunted Hill
Starttermin 27.04.2000
Genre Horror
Daten USA, 96min, FSK 18 (?)
Regie William Malone
Drehbuch / Vorlage Robb White, Dick Beebe
Darsteller Geoffrey Rush, Famke Janssen, Taye Diggs, Ali Larter, uva.
Trailer Offizielle Site, Diverse Formate