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Kritik: Keine halbe Sachen
- Subject: Kritik: Keine halbe Sachen
- From: "Claus Schlamadinger" <a9804531@unet.univie.ac.at>
- Date: 28 Apr 2000 07:01:43 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 29 May 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schlamadinger 20/1013 f194203
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Vienna University, Austria
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1043
Hallo!
Keine halben Sachen 26.04.2000 / Apollo
Action-Bruce ist wieder da. Nur dieses Mal killt er auf die lustige Tour.
Leider vergaß man dabei, dass eine Action-Komödie von sich behauptet, lustig
zu sein. Dies ist hier jedoch nur relativ selten der Fall, und wenn, dann
nur, wenn Matthew Perry in das Geschehen eingreift. Agieren die restlichen
Darsteller eher farblos, so ist "Keine halben Sachen" eine
One-Man-Show für Perry.
Worum gehts?
Nicholas Oseransky (Matthew Perry) bekommt einen neuen Nachbarn. Dummerweise
ist dies gerade der Auftragskiller Jimmy "Die Tulpe" Tudeski (Bruce Willis)
der sich vor seinem ehemaligen Auftraggeber - der ungarischen Mafia -
versteckt. Oseranskys Frau Sophie (Rosanna Arquette) wittert gleich das
große Geld und schickt Nicholas nach Chicago um Jimmy zu verpfeifen. Gleich
in Chicago trifft Nicholas auf Frankie (Michael Clarke Duncan) der ihn mehr
oder weniger sanft zu Yanni Gogolack (Kevin Pollack) - den Kopf der
ungarischen Mafia - führt. Jimmy soll aus dem Weg geräumt werden und
Nicholas soll dabei helfen. Doch nicht nur Jimmys Leben ist bedroht. Wer ist
Freund und wer ist Feind? Das ist hier die Frage........
Ich meine:
Vielleicht habe ich von diesem Film einfach zu viel erwartet - das ist
durchaus möglich. "Keine halben Sachen" dauert zwar nur ca. 100 Minuten, hat
aber Längen, welche man maximal einem 150 Minuten-Film verzeihen kann. Rund
30 Minuten müssen vergehen, bis ein bisschen Leben in die Handlung gehaucht
wird.
War der Film bis dahin eher seicht, wandelt sich die Komödie nach und nach
in eine schwarze, makabere Komödie. Plötzlich will jeder jeden umbringen,
und die meisten setzen ihr Vorhaben auch in die Tat um. Man konnte sich
eigentlich nur bei zwei Akteuren sicher sein, dass sie überleben. Alle
anderen waren permanent der Gefahr des Filmtods ausgesetzt. Dennoch ist die
Handlung matt und geht nur sehr langsam voran. Dabei war diese Handlung
gerade dazu prädistiniert, eine gelungene Komödie zu drehen. Warum man dann
derart ins Makabere wechselte ist mir ein Rätsel.
Zum deutschen Titel des Films (Original: The whole 19th yards) ist
anzumerken, dass es gerade solche Titel sind, die mich extrem ärgern. Wie
rechtfertigt man einen Titel? Ganz einfach: Ein Akteur sagt schlicht und
einfach: "Jimmy macht da keine halben Sachen", und schon haben wir den
deutschen Titel.
Das Ende des Films ist dann leider ebenfalls nicht gerade rühmlich. Es war
so leicht zu durchschauen, wie es denn jetzt enden würde. So etwas hat man
schon in etlichen Filmen zuvor gesehen. Leider wurde aber speziell die
entscheidende Szene in anderen Filmen um ein vielfaches besser umgesetzt.
Hier hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass man Jimmy erklären lässt, was
er gleich machen wird.
Bis hierher liegt meine Bewertung noch klar im Minus. Warum dieser Film aber
dennoch eine ziemlich gute Bewertung ergattern konnte, liegt einzig und
alleine an Matthew Perry. Der Friends-Star entwickelt sich sukzessive vom
Fernseh- zum Hollywoodstar. Mit dieser Leistung spielt er alle anderen
Akteure - inklusive Bruce Willis - klar an die Wand.
Kam Oz ins Bild herrschte gute Stimmung und man konnte sicher sein, dass man
gleich laut loslachen muss. Egal ob Oz im Wäschekorb, Oz mit Lampe, Oz mit
Glastür oder Oz im Auto - Perry verkörpert Oz einfach traumhaft und nahm
dabei fast schon slapstickartige Züge an. Es ist einfach herrlich mit
anzusehen, wenn er seine "Warum ich?"-Miene aufsetzt.
Bruce Willis agierte anfangs des Films sympathisch - nahezu wíe ein
Teddybär. Doch nach und nach verlor er bei mir die Sympathien. Ted als Teddy
war nett - Ted als Killer fast durchgehend unsympathisch. Für Michael Clarke
Duncan gilt hier genau dasselbe. Die beiden spielen ihre Rollen zwar ganz
gut, aber aus einer seichten Rolle, kann man scheinbar nicht mehr rausholen.
Die weibliche Besetzung des Films wirkte durchwegs amateurhaft. Konnte
Amanda Peet noch damit punkten, wenigstens als optischer Aufputz zu dienen,
gibt es für Natasha Henstridge und Rosanna Arquette keine Ausrede. Arquette
zeigte besonderen Mut zur Hässlichkeit und auch ihre schauspielerischen
Qualitäten beschränkten sich auf schrilles Geplärr. Natasha Henstridge
wiederum beschränkte sich auf einen einzigen Gesichtsausdruck. Egal ob ihr
Leben bedroht wird oder sie gerade fröhlich ist - sie hat immer die gleiche
Miene aufgesetzt.
Fazit: Eine recht gute Idee wurde sehr matt umgesetzt. Einziger Lichtblick
war Matthew Perry, der den Film vor einer ziemlich schlechten Bewertung
bewahrt hat. Könnte man diesen Film sonst wirklich niemanden empfehlen, so
gibt es dank Perry doch noch respektable:
Persönliche Bewertung des Films: 6/10.
Grüße,
Claus
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