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Kritik: Galaxy Quest
- Subject: Kritik: Galaxy Quest
- From: "Claus Schlamadinger" <a9804531@unet.univie.ac.at>
- Date: 5 May 2000 07:08:42 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 05 Jun 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schlamadinger 22/1018 f064761
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Vienna University, Austria
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1048
Galaxy Quest, USA 1999
Genre: SF-Komödie
Laufzeit: 102 Minuten
Regie: Dean Parisot
Darsteller: Tim Allen (Jason Nesmith), Sigourney Weaver (Gwen de Marco),
Alan Rickman (Alexander Dane), Tony Shaloub (Fred Kwan), Daryl Mitchell
(Tommy Webber), Sam Rockwell (Crewmitglied Nr. 6), Enrico Colantoni
(Mathesar)
Wertung in der Internet-Movie-Database (www.imdb.com): 7,7
Star Trek-Fans werden begeistert sein, alle anderen Kinobesucher ebenfalls.
Mit "Galaxy Quest" schuf Dreamworks ein kleines Meisterwerk und schießt in
dieser SF-Komödie ein Feuerwerk an zündenden Gags ab, welche für feuchte
Augen sorgen.
Worum geht's?
1982 begeisterte die Serie "Galaxy Quest" Millionen von Fans und auch fast
20 Jahre später ist diese Serie noch in aller Munde. Werden die Stars von
einst noch auf zahlreichen Conventions gehuldigt, so haben die Stars von
einst die Serie zu hassen gelernt. Dies ändert sich allerdings, als auf
einer Convention auf einmal echte Außerirdische auftauchen und sie um Hilfe
gegen den Tyrannen Sarris bitten. Zuerst glaubt man nur einen Job anzunehmen
und man nur ein bisschen SF spielen muss, doch als man bemerkt, dass das
alles bittere Realität ist, ist es zu spät. Die Schauspieler müssen ein
Raumschiff führen und den Bösewicht besiegen....
Ich meine:
Bis dato habe ich "Galaxy Quest" dreimal gesehen (einmal im Original) und
mir gefällt der Film immer besser. Dieser Film ist ein Filmjuwel welches man
nicht alle Tage findet. Obwohl er kräftig Anleihen an Star Trek nimmt, und
dessen Kult auch gehörig durch den Kakao zieht, können sich auch
Non-Trekkers diesen Film ruhig ansehen - sie werden es nicht bereuen.
"Galaxy Quest" persifliert Star Trek nicht nach der Holzhammermethode, wie
man es noch von Mel Brooks "Space Balls" in Erinnerung hat (der Star Wars
kräftig aufs Korn genommen hat). Es sind die feinen Anspielungen, welche
einem zum Schmunzeln bringen. So werden Non-Trekkers zwar einigen Gags nicht
folgen können, dies sollte aber trotzdem dem Filmgenuss keinen Abbruch tun.
Commander Taggart ist eine 1:1-Kopie von James T. Kirk, Dr. Lazarus nimmt
Anleihen an Mr. Spock und Lt. Laredo ist eine Mischung aus Wesley Crusher
und Geordie La Forge. "Eigenständige" Personen sind Tech Seargant Chen, den
aber auch absolut nichts aus der Ruhe bringen kann, und Lt. Twany Madison
deren einzige Aufgabe es ist, dem Computer nachzuplappern und als optischer
Aufputz zu dienen.
Ein Juwel an Bord der neuen "Galaxy Quest" ist Crewmitglied Nummer 6. Dieser
durfte anno dazumal in Folge 81 der Serie mitspielen und starb den
Serientod - nur um aufzuzeigen, dass die Lage ernst ist. Dieses Ereignis
verfolgt ihn jetzt fortwährend im aktuellen Abenteuer. Wer, wenn nicht jenes
Crewmitglied ohne Nachnamen, sollte denn sonst auf dem Planeten sterben auf
dem man die so wichtige Ressourcen einsammelt.
So souverän die Schauspieler in der Fernsehserie "Galaxy Quest" agieren,
desto konträrer agieren sie im Real Life. Einzig Jason Nesmith ist stolz in
diese Serie mitgewirkt zu haben. Allen anderen ist diese Serie verhasst, war
sie doch der Höhepunkt ihrer schauspielerischen Laufbahn. Besonders der zum
"Sir" geadelte Alexander Dane hadert mit seinem Schicksal.
Die Aliens, welche man sieht, sind sehr gut durchdacht. Die Thermianer
fallen zwar eher ins Reich der Comic-Welt, dafür sind die Rasse von Sarris
(Name?) und die kleinen grünnen Männchen auf dem Planeten um so gelungener.
Schade bei der
dt. Synchro: Sprechen im Original alle Thermianer in einer melodischen Art
und Weise, beschränkt sich das auf deutsch nur auf Anführer Mathesar.
Die Weltraumsequenzen und die Special-Effects könnten durchaus auch in einem
ernsten SF-Film begeistern.Die Sequenzen im Mienenfeld war sehr gut in Szene
gesetzt. Bei den Planetenszenen nahm man allerdings wieder Anleihen an Star
Trek. Der Planet präsentierte sich staubtrocken und nur handlungsrelevante
Kulisse wurde verwendet.
"Galaxy Quest" beschäftigt sich auch mit dem Fankult rund um Kultserien und
präsendiert Charaktere, welche die "Galaxy Quest" bis auf die letzte
Schraube kennen und die Episoden im Schlaf nacherzählen können. Man sollte
meinen, dieses Wissen sei vergeudetes Wissen - doch weit verfehlt ;-) Auf
der Convention präsentiert man eine Vielzahl an Freaks deren Leben sich voll
und ganz auf die Serie ausrichtet. Drei "Klingonen" am Pissoir - dass muss
man gesehen haben. Man scheut auch nicht, sich in die Uniformen seiner
Helden zu zwängen, auch wenn man nur mehr sehr schwer reinpasst. "Galaxy
Quest" zieht diesen Fankult also gehörig durch den Kakao ohne jedoch
verletzend zu wirken. Sicher werden sich einiger Trekkers im Film
wieder erkennen, doch werden sie sich eher darüber amüsieren als beleidigt
zu sein.
Was auf deutsch auffiel: Einige Gags kamen auf Englisch besser (it turned
inside out - and explode) und Sitcom-Seher müssen einen mittelschweren
Kulturschock verkraften. Ist man Tim Allens Synchronstimme aus "Hör mal wer
da hämmert" schon so gewohnt, spricht er auf einmal mit der Synchrostimme
von Nicolas Cage. Dies fiel Gott sei Dank nur anfangs, und später ob der
wahnwitzigen Handlung gar nicht weiter auf.
Jeder einzelne Schauspieler holte definitiv das letzte aus seiner Rolle
raus. Hervorheben kann man hier nur Tim Allen und Alan Rickman. Erfreulich
für Allen, dass er endlich einmal in einer großen und vor allem
erfolgreichen Produktion mitspielen durfte.
Fazit: Diesen Film muss man einfach gesehen haben, auch wenn man
normalerweise Science-Fiction nicht viel abgewinnen kann. Wer nicht
zumindest einmal vor Lachen feuchte Augen bekommt, bei dem möchte ich mich
für diese euphorische Kritik entschuldigen, aber ich kann mir nicht
vorstellen, dass jemand bei diesem Film ernst bleiben kann.
Persönliche Bewertung des Films: 10/10.
Grüße,
Schladi
(c) Claus Schlamadinger
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