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Kritik: Erin Brockovich
- Subject: Kritik: Erin Brockovich
- From: "Claus Schlamadinger" <a9804531@unet.univie.ac.at>
- Date: 6 May 2000 07:38:14 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Tue, 06 Jun 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schlamadinger 24/1025 f053132
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Vienna University, Austria
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1055
Erin Brockovich, USA 2000
Genre: Drama
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Julia Roberts (Erin Brockovich), Albert Finney (Ed Masry), Aaron
Eckhart (George)
Wertung in der Internet-Movie-Database (www.imdb.com): 7,9
Für einen der ersten Höhepunkte des Jahres sorgt Julia Roberts mit diesem
Film, der auf wahren Begebenheiten beruht. Konnte sie im Vorjahr mit "The
Runaway Bride" und "Notting Hill" noch in zwei hinreißenden Komödien
begeistern, so zeigt sie auch in "Erin Brockovich", dass sie zurecht eine
der bestbezahltesten Schauspieler in Hollywood ist.
Worum gehts?
Erin Brockovich hats nicht leicht im Leben: zweimal geschieden, drei Kinder
und keinen Job. Nach einem Autounfall und den daran anschließenden Prozess
kommen auch noch 17.000 Dollar Schulden hinzu. Einziges Glück in dieser
Misere: Im Nachbarhaus zieht George ein, der sich bereit erklärt, kostenlos
auf ihre Kinder aufzupassen während sie auf Jobsuche ist. Wenn man
allerdings für keinen Job geeignet ist, gibts nur eines zu tun: Man schafft
sich einen Job und zwar bei Anwalt Ed Masry, der sie beim
Schadensersatzprozess vertreten hat. Schon bald bekommt sie scheinbar
normale Dokumente auf den Tisch, welche sich aber bei näherer Betrachtung
als äußerst brisant herausstellen. Erin beginnt auf eigene Faust zu
recherchieren und stößt auf einen Umweltskandal ungeahnten Ausmaßes....
Ich meine:
Großes Kompliment an Julia Roberts. So eine schauspielerische Leistung hätte
ich ihr wahrlich nicht zugetraut. Sie spielte die Rolle der Erin Brockovich
so, als ob sie ihre eigenes Leben verfilmt hätte. Da war nichts gekünstelt
und nichts gespielt - an Roberts Mimik erkennt man, dass sie voll und ganz
hinter diesem Film und der Thematik steht.
Kompliment auch an die reale Erin Brockovich, die es zugelassen hat, den
Charakter so zu gestalten, wie sie wirklich ist. Nicht jeder würde es
erlauben, dass man in einem Film als ein (anfangs) kleines Flittchen
dargestellt wird (höflich formuliert). Brockovich wirkt übrigens auch in
diesem Film mit: Als Kellnerin serviert sie Erins Kinder zwei Cheeseburger.
Witzigerweise steht auf ihrem Namensschild "Julia".
Brockovich soziale und humane Ader kann man nur bewundern. Keinen Job und
drei Kinder - trotzdem lässt sie sich auf ein anfangs wenig gewinnbringendes
Wagnis ein. Geld spielte für sie anfangs keine Rolle - ihr ging dieser Fall
wirklich nahe und sie wollte die Gerechtigkeit unbedingt siegen sehen.
Brockovich wurde dadurch belohnt, dass sie sich nach diesem Fall keine
Sorgen mehr über finanzielle Angelegenheiten machen muss - sie hat für ihr
Leben ausgesorgt.
Der Film dauert 130 Minuten und man möchte keine einzelne Sekunde davon
missen. Schade eigentlich, dass man dem Zuschauer die Gerichtsverhandlung
nicht gezeigt hat. Und mitten im Film steht auf einmal "Neun Monate später".
Da hätte man ruhig noch 10 - 20 Minuten rausholen können.
Einen einzigen kleinen Patzer habe ich dann doch noch zu bemängeln. In einer
Szene nimmt Erin eine Wasserprobe aus einer Giftlacke, in einer anderen
fischt sie einen toten Frosch aus einem Teich. Es wäre der Realität
zuträglicher gewesen, hätte sie für diese Aktionen Handschuhe benutzt.
Sonst gibt es aber durchwegs nur sehr gute Szenen. Die Szene im Büro mit den
drei Anwälten des Konzerns und jene, in der
Masry Erin auf den Arm nimmt, waren einfach wunderschön zum anschauen. Am
beeindruckensten aber war jene Szene, in der George ihr am Telefon erzählt,
dass ihr jüngstes Kind sein erstes Wort gesagt hat. Erin musste im Auto
weinen, wäre sie doch bei diesem großen Moment im Leben einer Mutter gerne
dabeigewesen.
Die Schauspieler harmonieren allesamt sehr gut miteinander. Insbesondere
Roberts und Finney geben ein kongeniales Duo ab. Normalerweise soll so ein
Film wie dieser für sich alleine stehen, aber hier könnte ich mir durchaus
einen zweiten Teil vorstellen.
Fazit: "Erin Brockovich" ist ein Drama der Spitzenklasse und zieht am
gleichzeitig angelaufenen "The Insider" spielend vorbei.
Roberts setzt mit diesem Film einen neuen Meilenstein in ihrer Karriere und
kein Kinobesucher sollte dieses sehr gut inszenierte Drama verpassen.
Persönliche Bewertung des Films: 10/10.
Grüße,
Schladi
(c) Claus Schlamadinger
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