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Kritik: eXistenZ
- Subject: Kritik: eXistenZ
- From: Stephan Heidemann <poc@online.de>
- Date: 10 May 2000 05:57:27 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Sat, 10 Jun 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: heidemann 16/1027 f046714
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1057
eXistenZ
USA 1999
Regie: David Cronenberg
Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Jude Law, Ian Holm,
Don McKellar, Willem Dafoe
eXistenZ ist der Name eines brandneuen Adventure Games, mit dessen Vorstellung
vor einer erlesenen Schar Spiele-Jünger, bei der auch Allegra Geller, die das
Spiel entwickelt hat, persönlich anwesend ist, der Film beginnt. Was zunächst
wie eine "normale" Game Convention wirkt, entwickelt sich schnell zu einer
verstörenden Horrorvision... das fängt schon an mit den obszönen Gameports
aus lebendem Gewebe, die durch ein Loch in der Wirbelsäule direkt am zentralen
Nervensystem des Spielers andocken. Kaum hat das Spiel begonnen, werden nicht
nur die Protagonisten, sondern auch der Zuschauer in ein undurchschaubares
Labyrinth der Realitäten geschleudert. Allegra und ihr Zufallsgefährte Ted
durchleben eine Reihe haarsträubender und irrationaler Abenteuer, bis sie in
der "wirklichen" Welt wieder zu sich kommen... und der Film nimmt eine
unerwartete Wendung.
Virtual Reality goes Biomechanics. Biomechanics go Boom. David Cronenberg hat
eine ebenso intelligente wie ätzende Satire auf die schöne neue Multimedia-Welt
gemacht, welche mit brutaler Deutlichkeit zeigt, wie leicht das Vertrauen in
die Wirklichkeit - und damit die Wirklichkeit selbst - erschüttert werden kann.
Die Betreiber und Propheten dieser ultra-technisierten Gesellschaft denunziert
er als Verbrecher oder Gamejunkies; Allegra's Verhalten ist ganz klar das
einer Süchtigen, ihr blasses und zerbrechlich wirkendes Äusseres verstärkt
diesen Eindruck noch. Selbst innerhalb des Spieles verbindet sie sich mit einem
weiteren Gameport; Sätze und Handlungen, die ihr vom Spiel aufgezwungen werden,
nimmt sie klaglos hin.
Cronenbergs bester Film bisher... faszinierend, tiefschürfend und spannend.
Mit krassen visuellen Stilmitteln wie stets bei ihm ("das neue Fleisch" auch
hier), doch mit einer starken, vielschichtigen Story, die konsequent entwickelt
und tadellos umgesetzt wurde. Ausserdem mit ausgezeichneten Schauspielern,
allen voran Jennifer Jason Leigh als Allegra Geller.
Unbedingt sehenswert.
------- Url der Kritik: http://www.palace-of-conception.de
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------- Stephan Heidemann
------- E-mail poc@online.de
------- http://www.palace-of-conception.de
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