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Kritik: Lost Highway
- Subject: Kritik: Lost Highway
- From: Stephan Heidemann <poc@online.de>
- Date: 10 May 2000 05:57:29 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Sat, 10 Jun 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: heidemann 17/1028 f102818
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1058
Lost Highway
USA 1997
Regie: David Lynch
Darsteller: Bill Pullman, Patricia Arquette, John Roselius,
Louis Eppolito, Robert Blake
Ein Film, der irgendwie durchgerutscht ist... der exzentrische Regisseur hat
hier wiederum ein vertracktes, äusserst schwer verdauliches Werk abgeliefert,
das den Zuschauer auf eine harte Probe stellt. Vor allem die ersten 20 Minuten
sind mehr als zäh, man wähnt sich in einem Stück von Harold Pinter oder
Samuel Beckett.
Der Musiker Fred Madison leidet unter Bewusstseinsstörungen, entfremdet sich
immer mehr von seiner Frau Renee. Ein Videoband wird ihm von Unbekannt
zugespielt, darauf zu sehen: Fred ermordet Renee. Wenig später sitzt er in
der Todeszelle, von zusammenhanglosen Erinnerungsfetzen gequält. Unversehens
und rätselhafterweise verwandelt er sich in den jugendlichen Automechaniker
Pete Dayton und wird - da er ja nicht mehr Madison ist - entlassen.
Pete seinerseits, von seiner anderen Identität durchdrungen, verwickelt sich
in eine Amour Fou mit Gangsterbraut Alice, ein Alter Ego von Renee. Das Ganze
nimmt ein blutiges Ende: zwei weitere Menschen werden getötet, bevor Fred
wieder er selbst ist und in einer Art Zeitschleife wieder am Anfang anlangt;
sich selbst den kryptischen Hinweis gibt, mit dem der Film begann, um dann
eine Flucht ins Ungewisse anzutreten. Bei dieser verqueren Geschichte hält
ein angsteinflössender Mystery Man die Fäden (und die Videokamera) in der
Hand...
Die bedrohliche Atmosphäre eines Alptraums, kombiniert mit existenzialistischer
Ausweglosigkeit (die Menschen sind ihren Begierden ausgeliefert); Interieurs
und deren Ausleuchtung als eigene Kunstform, fast ein Film im Film; Dialoge wie
im Theater, irreal und distanziert; Symbole und Gleichnisse, der Mystery Man
eine Allegorie des Schicksals? Es gibt jede Menge Raum für Interpretationen.
Ein kühner Versuch - radikal, psychedelisch, surrealistisch, dabei aber viel
zu langatmig und kaum nachvollziehbar. Eben typisch Lynch, obwohl man sagen
muss, Lost Highway ist vom Gesamteindruck her seine reifste Arbeit...
vielleicht der Film, nach dem er die ganze Zeit gesucht hat.
------- Url der Kritik: http://www.palace-of-conception.de
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------- Stephan Heidemann
------- E-mail poc@online.de
------- http://www.palace-of-conception.de
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