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Kritik: Being John Malkovich
- Subject: Kritik: Being John Malkovich
- From: "Claus Schlamadinger" <a9804531@unet.univie.ac.at>
- Date: 11 May 2000 07:28:09 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Sun, 11 Jun 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schlamadinger 25/1030 f016084
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Vienna University, Austria
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1060
Hallo!
Vor der Kritik ein bisschen Werbung: (fast wie im Kino - genauso lästig aber
hoffentlich genauso wirksam)
Diese und über bislang 50 andere Kritiken könnt ihr unter
http://beam.to/filmkritik nachlesen. Diese HP ist allerdings nicht nur ein
Archiv von Filmkritiken sondern lädt auch ein, als Besucher der Page selbst
tätig zu werden. Neben dem obligatorischen Gästebuch und E-Mail Link könnt
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auf meine Kritiken verfassen. Und wollt ihr die Filmkritiken frei Haus in
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Goodie wird versucht, am Ende des Jahres, den Film des Jahres zu wählen.
Hier wird um kräftige Mithilfe der Pagebesucher gebeten, da der Autor der
Page ja unmöglich jeden Kinofilm kennen kann..........
Soda, Schluss mit der Werbung, ab zur Kritik:
Hallo!
Being John Malkovich, USA 1999
Genre: Komödie
Laufzeit: 112 Minuten
Regie: Spike Jonze
Darsteller: John Cusack (John Schwartz), Cameron Diaz (Lotte Schwartz),
Catherine Keener (Maxine), John Malkovich (John Malkovich), Orson Bean (Dr.
Lester)
Wertung in der Internet-Movie-Database (www.imdb.com): 8,7
Wer schon immer mehr über den Schauspieler John Malkovich wissen wollte, dem
wird auch dieser Film nicht weiterhelfen können. Aber man sieht doch einen
Malkovich der sich gehörig selbst aufs Korn nimmt und so für Vergnügen im
Kino sorgt. Aber Vorsicht: Der Film ist sicher nicht jedermanns Sache.
Worum gehts?
Der arbeitslose Puppenspieler John Schwartz nimmt einen Gelegenheitsjob in
einem Büro an. Als er eines Tages einen Akt hinter einem Bürokasten verliert
und diesen beiseite schiebt, entdeckt er einen sagenhaften Tunnel. Dieser
Tunnel führt direkt in das Bewusstsein des Schauspielers John Malkovich.
Schnell wittert er und seine Arbeitskollegin Maxine das schnelle Geld und
für 200 Dollar erlangt man Eintritt in den Jahrmarkt der Kuriositäten.
Erleben sie Malkovich in der Dusche, beim Frühstück und beim Sex - sei aber
vorsichtig, dass er dich in seinem Bewusstsein nicht wahr nimmt.......
Ich meine:
"Being John Malkovich" ist wohl einer der seltsamsten Filme, die ich je
gesehen habe. Noch zwei Tage danach hat mich dieser Film beschäftigt und ich
überlege noch immer, was genau ich von diesem Film jetzt halten soll. Er war
teilweise zum Brüllen komisch, dann aber widerum langweilig. Phasenweise
interessant umgesetzt, dann wiederum einfach nur krank. Diese Mixtur wurde
zwar über weite Strecken relativ gut gemischt, doch es kommt doch nicht nur
einmal vor, dass der Film eigentlich nur noch vollends absurd anmutet.
Der tollen Atmosphäre zuträglich waren die kafkaesk anmutenden Büroräume, in
welchen sich der Tunnel befindet. Die Firma befindet sich im
siebeneinhalbten Stock eines Wolkenkratzers und die Decke beginnt schon bei
1,60 m. Dazu kommt eine schwerhörige Sekretärin und ein Chef, der sich,
klarsprechend, für seinen Sprachfehler entschuldigt. Dazu kommt noch ein
äußerst seltsam anmutender Aufnahmetest ("Welcher Buchstabe im Alphabet
kommt zuerst?").
Solange der Tunnel noch nicht entdeckt ist, ist der Film äußerst
unterhaltsam. Wie die Akteure in gebückter Haltung durch die Gänge
schreiten - da kann man sich ein Lachen kaum verkneifen. Doch plötzlich, mit
dem Auftauchen des Tunnels, sackt der Unterhaltungswert des Films aus
unerklärlicherweise ab und beginnt sich zu ziehen. Das ist sehr schade, ist
der Tunnel in das Bewusstsein von John Malkovich wohl eine der originellsten
Ideen der Filmgeschichte.
Als dann noch Craigs Ehefrau Lotti Gefallen an diesem Wahnsinnstrip findet,
verkommt der Film endgültig zur Pharse, die sich erst wieder auflöst, als
Malkovich entdeckt, was für ein Schindluder mit seinem Körper betrieben
wird. Malkovich selbst sorgt dann auch für die mmn beste Szene des Films,
als er selbst durch den Tunnel in sein eigenes Bewusstsein eindringt. Aber
nicht nur diese Szene ist ein Traum. Als Craig den Namen von Maxine errät,
als der Schimpanse den Durchbruch in seiner Psychotherapie erlebt, die
Puppensequenzen und die Sexszenen - für Unterhaltung ist gesorgt.
Einmal wer anders sein - wer wünscht sich das nicht. Die Idee klingt
verlockend, kann aber auch zu unvorhersehbaren Konsequenzen führen. Was tut
man, wenn man nach dieser Erfahrung mit seinem Körper nicht mehr zufrieden
ist und man aus dem anderen nicht mehr hinaus will? Was ist, wenn man an
sich selbst etwas entdeckt, was man in seiner eigenen Haut wohl nie gefunden
hätte? Sämtliche Akteure fällt diese Möglichkeit, in ein anderes Bewusstsein
eindringen zu können, schließlich auf den Kopf. Ein Happyend gibts
eigentlich nur für den Schimpansen, alle anderen kann man eigentlich nur
bemitleiden.
In "Being John Malkovich" greift man vorwiegend auf die zweite Garnitur in
Hollywood zurück, wobei man dazu sagen muss, dass sich Cameron Diaz
eindeutig auf dem aufsteigenden Ast befindet. Dieser Film dürfte ihr
allerdings nicht den entscheidenden Schub nach ganz oben verabreichen. Erst
beim zweiten oder dritten Hinschauen erkennt man die Diaz und sie sieht mit
dieser Frisur recht süß aus, doch leider ist ihr Charakter ziemlich matt und
nichtssagend.
John Cusack mutiert in diesem Film vom Antihelden, der nach dem äußeren
Erscheinungsbild Anleihen an der Performance von Brent Spiner in "ID 4"
nimmt, zum unsympathischen Charakter. Cusack hat ein herrliches Mienenspiel,
deshalb kann er in der Rolle des Puppenspielers gefallen.
Herrlich fies und richtig unsympathisch spielt Catherine Keener, welche mit
Menschen wie mit Puppen spielt. Und schließlich ein ganz großes Lob an John
Malkovich, der mit diesem Film tief in seine (imaginäre?) Psyche blicken
lässt. Da erfährt man Dinge, welche man eigentlich gar nicht so genau wissen
will. Schön, wenn ein Schauspieler so über sich selbst herziehen kann.
Ebenfalls ein kurzes Stelldichein geben sich dann noch Charlie Sheen, Sean
Penn und Brad Pitt.
Fazit: Empfehlen kann man diesen Film eigentlich nicht - entweder man mag
ihn oder man kann überhaupt nichts mit ihm anfangen. Eine tolle Idee wurde
hier recht brav umgesetzt und Cineasten werden ihn eher zu schätzen wissen,
als gelegentliche Kinogeher. Nur eine Warnung: Nach diesem Film sieht man
John Malkovich und seine Karriere aus einem völlig anderen Blickwinkel.
Malkovich Malkovich Malkovich Malkovich: 7/10.
Schladi
(c) Claus Schlamadinger
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