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Kritik: Gladiator (2000)



Gladiator (2000)
Dreamworks

Regie: Riddle Scott
Musik: Hans Zimmer et al.

Darsteller:
Russel Crowe
Richard Harris
Joaquin Phoenix


Die Handlung ist relativ simpel:
Tribun (wie kommt übrigens ein Tribun dazu, eine ganze Armee
zu befehligen??) Maximus wird Opfer einer Intrige des
Caesarensohnes Commodus, letzterer meuchelt dabei auch noch
gleich seinen eigenen Vater Marcus Aurelius. Anstatt sich
umbringen zu lassen, flüchtet Maximus nach Hause, findet
seine Familie ermordet und sein Landgut zerstört vor, gerät
in die Mühlen der Sklaverei, wird erfolgreicher Galdiator
und besiegt am Ende als Liebling der Massen seinen Rivalen
Commodus...

So übersichtlich ist die Handlung damit gestaltet, dass nach
spästestens dreißig Minuten jedem Zuschauer klar ist, wie es
weiter (und vor allem AUS-) gehen wird. Wer noch dazu weiß,
dass Commodus römischer Caesar war, wird noch dazu um das
Vergnügen der Intriege am Anfang gebracht, da auch deren
Ende dann schon offensichtlich ist. Für geschichtlich
Bewanderte ist einiges im Film sowieso nicht
nachvollziehbar: Die oben bereits erwähnte Aufwertung des
Tribuns zum Legionskommandeur (der Titel "Legatus" wäre
passender gewesen), der Name der Caesarentochter (Aurelia
statt Lucilla hätte weniger Verwirrung bedeutet), aber
wenigstens stimmte ihre Familiengeschichte halbwegs, und
schließlich die ungelöste Frage, ob das Gut des Maximus
tatsächlich in Spanien lag und wie er von der Donau so rasch
dorthin bzw. dann nach Nordafrika (oder in den Nahen Osten?)
kommt... Aber vielleicht war ich da auch schon nicht mehr
konzentriert genug zum Lesen und vor allem Zuordnen der
wenigen Untertitel. Geht man davon aus, dass Maximus
römischer Bürger war, dürfte das auch für seine Familie
gegolten haben - womit der Hinweis auf die Kreuzigung
ebenfalls Schwachsinn war: Römische Bürger durften nicht
gekreuzigt werden - aber wenigstens waren die geschneiderten
Togen nicht ganz so verkehrt wie in anderen
Historienschinken. Und das Commodus für Gladiatoren und
deren Welt etwas übrig hatte, stimmte wenigstens auch (er
ist tatsächlich selbst im Zirkus aufgetreten).

Aber genausowenig, wie der Film an historischen
Ungenauigkeiten (auch Ben Hur strotzte von ihnen!) zugrunde
ging, konnten ihn die grandiosen Schlacht- und Kampfszenen
retten. Zwar waren letztere interessant realistisch und
kameratechnisch fasznierend und innovativ umgesetzt, das aus
den heutigen Trümmern wiederauferstandene Colosseum war ein
Augenschmaus, aber das alles konnte leider nicht vertuschen,
dass mindestens in der letzten Stunde nichts weltbewegend
Neues mehr passierte: Das Motiv "Gladiator besiegt mit den
Massen hinter sich den Imperator" wurde bis zum Erbrechen
ausgewalzt, die Sich-Liebenden konnten sich nie wirklich
entscheiden, ob sie sich nun lieben oder nicht, so dass am
Ende auch da keine wirkliche Tragödie draus wurde, die den
Zuschauer hätte berühren können. Und dass das römische
Imperium nach Commodus' Tod (der übrigens "eigentlich" halb
vergiftet, halb erwürgt wurde) nicht wieder eine Republik
wurde, sondern steilen Pfaden, die abwärts führten, als
Kaiserreich folgte, dürfte auch jedem noch bekannt sein.

Besonders enttäuschend empfand ich dieses Mal auch die
Filmmusik von Hans Zimmer: Da haben wir schon
Interessanteres (The Prince of Egypt oder The Lion King) und
auch dem Action-Genre Angemesseneres (The Rock oder Crimson
Tide) von ihm gehört - nur im Zuge der "Orientszenen" fand
er zu seiner komponisatorischen Größe zurück. Hoffen wir,
dass er bei MI:2 zu alter Form zurückfindet!

Alles in allem wurde hier reichlich Potential verschenkt:
Nur mit - immerhin grandiosen - Gemetzelszenen gewinnt man
nicht die Gunst der Zuschauer, zu einem
"Monumentalfilm-Klassiker" gehört (leider) mehr. Schade für
Dreamworks, die mit der Zeichentrickversion der "Zehn
Gebote" gezeigt hatten, wie soetwas umsetzbar ist! Dort
wartete ich nach eineinhalb Stunden sehnsüchtig auf eine
Fortsetzung, hier fing ich an, gelangweilt und genervt auf
die Uhr zu schauen.

Fazit: Ben-Hur-Fans werden eher enttäuscht aus dem Kinosaal
gehen, wer aber antike Action erleben will, ist hier genau
richtig. Aber Potential zum "Zweit-Besuch" hat der Film nun
wirklich nicht!

just my 2 cents

jael brämer


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bramers@uni-muenster.de