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Kritik: Aufgelegt




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Aufgelegt


"Manchmal ist es nötig, die Verbindung zu kappen"


Inhalt
Vater Lou (Walter Matthau), der an Gedächtnisschwund leidet und vor Jahren
von seiner Frau verlassen wurde, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Da er
für dein Leben gern telefoniert, ruft er ständig seine Lieblingstocher Eve
(Meg Ryan) an. Als ob diese noch nicht genug Hektik zu verkraften hätte,
wird sie ständig mit Telefonanrufen ihrer beiden Schwestern Georgia (Diane
Keaton) und Maddy (Lisa Kudrow) bombardiert. Die drei unterschiedlichen
Schwestern waren sich nie Feind, standen bisher aber in erster Linie per
Telefon in Kontakt. Nun sehen sie sich der Herausforderung gegenüber,
zusammen für ihren Vater zu sorgen.


Meinung Flemming (fs) 2/10

Kurzkommentar
Obwohl sie ihre Sache gut macht, hat sich Meg Ryan mit diesem planlosen
Filmchen, das zu Recht sofort dem Vergessen anheim fallen wird, keinen
Gefallen getan. Eine nennenswerte Plotentwicklung gibt es nicht, dafür aber
zuhauf Reissbrettfiguren, gesättigte Langeweile und nerviges
Telefongequassel. Beispielhaft überflüssig.

Kritik
Haben Sie etwa kein Handy? Wenn nicht, wird "Aufgelegt", der von der Theorie
der Zerstörung sozialer Umfelder durch den Telefon- und Erreichbarkeitswahn
lebt, den besten Grund abgeben, sich keines zu kaufen. Wenn doch, sollte der
Film Sie dazu bringen, eben öfter mal aufzulegen und Beziehungen auf die
altmodische, aber menschliche Art pflegen - oder Sie nehmen den Streifen
einfach nicht ernst. Und das will er auch.
Vor zwei Jahren hatte sich Drehbuchautorin Delia Ephron in "E-Mail für Dich"
dem elektronischen Brief als neue, anonyme Kommunikationsform angenommen und
in ihren Bedingungen eine Love-Story mit Tom Hanks und Meg Ryan erzählt.
Jetzt nimmt Ephron das Handy als Beziehungskiller aufs Korn, aber nicht
zwischen Männlein und Weiblein, sondern zwischen drei Schwestern. Meg Ryan
ist wieder dabei und sie ist eigentlich auch das Einzige, was dieses
konzeptlose Etwas vor dem Totalabsturz bewahrt. Schade, hat doch nicht nur
sie Potential. Auch Lisa Kudrow und Diane Keaton sind fähige
Darstellerinnen, bleiben aber ziemlich schemenhaft. Letztere wohl deswegen,
weil sie nicht nur mitspielt, sondern gleich noch Regie führen wollte, was
aber wohl etwas zu viel der Ambition war.

Ist schon die Essenz des Drehbuchs - drei nur durchs Telefon in Kontakt
stehende Frauen vereinen sich über dem dahinsiechenden Vater - nicht
sonderlich ergiebig, so zeigt sich das Ergebnis von Keatons Regiearbeit als
reinförmige Trivialität. Vielleicht hätte ein Drama daraus werden können,
aber "Aufgelegt" macht nur den nervigen Fehler, irgendwo zwischen banalen
"Feel-Good"-Kino und hilfloser Komödie hängenzubleiben. Ständig stellt sich
die Frage, in welche Richtung der Streifen eigentlich will, eine
nennenswerte Dramaturgie gibt es nämlich nicht. Dauernd bimmeln die
nervtötenden Telefone, Meg Ryan artikuliert und gestikuliert in
Handyakrobatik in der Gegend herum, was die Rolle von Lisa Kudrow soll,
steht in den Sternen, Walter Matthau kann einem in der Rolle des
verschimmelten Alters eigentlich nur leid tun und die Rolle von Diane Keaton
ist absolut minimal und blass.

Die Dialoge sind nicht weniger hohl als der undurchsichtige Plot, dessen
roter Faden, wenn überhaupt vorhanden, in der oberflächlich skizzierten
Beziehung zwischen den von Ryan und Matthau gespielten Charakteren zu finden
ist. Die psychologische Motivation der Einzelnen wird einfach unter den
Tisch gekehrt, nicht aber Meg Ryan, um die herum das nichtssagende Filmchen
sich aufbaut. Ihren platten Charakter trägt sie blendend und ist das
einzige, doch schwache Argument für diesen Streifen. Ihr Talent hätte sie
hierfür nicht verschwenden müssen. Denn bis es zum Begreifen kommt, dass ja
das böse Mobilfunknetz die familiäre Sphäre zerstört hat, fragt man sich,
was schlimmer ist: die in Form gegossene Konzeptlosigkeit und Ödnis oder die
immerwährende Telefonbimmelei. So bleibt von "Aufgelegt", der weder bewegend
, witzig, originell, sondern einfach nur redundant ist, nur eines, nämlich
nichts. Und nicht vergessen: bei Filmende die Handys wieder einschalten.

Fazit
Viel Gebimmel um Nichts


Aufgelegt
Originaltitel Hanging up
Starttermin 18.05.2000
Genre Komödie/Drama
Daten USA 1999, 94 Min., FSK 6
Regie Diane Keaton
Drehbuch / Vorlage Delia Ephron
Darsteller Meg Ryan, Diane Keaton, Lisa Kudrow, Walter Matthau
Trailer auf offizieller Homepage