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Kritik: Crazy
- Subject: Kritik: Crazy
- From: Thomas Schlömer [FS] <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 9 Jun 2000 06:58:17 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 10 Jul 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 67/1066 f037222
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
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Crazy
"Hier tun sie alles für dich. Nur glücklich sein musst du selber."
Inhalt
Der 16-jährige Benjamin (Robert Stadtlober) ist halbseitig gelähmt und dazu
noch schlecht in Mathematik. Damit er trotzdem Abitur machen kann, schickt
man ihn von einer Schule zur anderen, bis er schließlich als der "Neue" auf
einem Internat an einem See landet.
Und dort spielt sich dann alles ab, was unter Heranwachsenden so üblich ist.
Freundschaften, Streit, Liebe und das Entdecken der eigenen Sexualität.
Problematisch wird es erst, als er sich in dasselbe Mädchen wie sein Freund
verliebt.
Meinung Yvonne (yf) 4/10
Kurzkommentar
Relativ platte Gags, die jedoch nicht einer gewissen Komik entbehren.
Allerdings hat der Film weder Tiefe noch eine wirkliche Handlung. Probleme
werden angedeutet, aber nicht vertieft, geschweige denn, gelöst. Die
Charaktere sind glaubwürdig, aber man lernt sie nicht wirklich kennen.
Kritik
Bei "Crazy" handelt es sich um eine deutsche Produktion, die überwiegend mit
unbekannter Besetzung gedreht wurde. Er beschreibt das typische
Internatsleben von jungen Leuten in einem gemischten Internat.
"Crazy" strotzt nur so vor plumpem Humor. Beispielsweise veranstalten die
fünf befreundeten Jungen einen Wettbewerb: Ein Keks wird auf einen Baumstamm
gelegt und alle fünf onanieren mit heruntergelassenen Hosen. Wer den Keks am
Ende nicht trifft, muss ihn essen... Erstaunlich ist hierbei vor allem, wie
viele Details wirklich gezeigt werden.
Auch mit dem Anblick von halb oder gar nicht bekleideten Frauen wird hier
sehr freizügig umgegangen und zwar auf eine Weise, die Frauen als nichts
anderes darstellt, als bloße Sexualobjekte, wie z. B. beim Besuch eines
Striplokals, beim Blättern in diversen Zeitschriften oder beim Zeigen
bestimmter Tagträume.
Möglich, dass eine solche Sichtweise von Frauen der tatsächlichen Sichtweise
eines 16-jährigen Jungen entspricht, trotzdem empfinde ich persönlich diese
Darstellung als äußerst schlecht gelungen.
In diesem Internat werden diverse Probleme angesprochen. Der übermütige und
allseits beliebte Janosch mit der "seltsamen Art von Humor", ein Junge, der
unbedingt mit seiner selbstgegründeten Band auftreten will, ein
Übergewichtiger, von allen nur "Kugel" genannt und Troy, der seit Wochen
kein Wort mehr gesprochen hat. Außerdem ein Mädchen, dass in einen "coolen"
älteren Jungen verliebt ist. Nach und nach erfährt man, was mit den Leuten
los ist, aber der Film zeigt nur kurz alle Probleme, löst jedoch kein
einziges.
Ansonsten ist er gespickt mit dem, was das Leben junger Menschen ausmacht:
Schule, Lehrer, Freunde, Trends und vor allem: Sex.
Den ganzen Film über wartet der Zuschauer verzweifelt darauf, dass
irgendetwas passiert. Problematiken werden schließlich genug angesprochen
und auch im Film gibt es immer wieder Szenen, die den Zuschauer ein
bestimmtes Ereignis gewissermaßen vorausahnen lassen. Aber auch hier wird
man enttäuscht: Eigentlich passiert den ganzen Film über gar nichts. Er
wirkt, als hätte man sich willkürlich einige Tage in einem Internat
herausgesucht und einfach mal die Kamera hereingehalten.
Für jemanden, der Tiefe erwartet ist der Film enttäuschend, weil er nicht
wirklich in die Tiefe geht, aber stellenweise immer wieder verspricht, es zu
tun. Für jemanden, der einfach nur lachen will werden aber in diesem Film zu
viele echte Probleme angesprochen.
Das Einzige, was wirklich rundum stimmt, ist die Filmmusik. Die passt immer
zur Situation und ist einfach nur gut. Schnelle Klänge wechseln ab mit
langsamen, melancholischen Liedern, und wenn dazu dann noch der Internatssee
in Nebelschwaden gehüllt wird, kann man den Trübsinn, der die beiden Freunde
in diesem Moment befallen hat, beinahe mit den Händen greifen.
Fazit
Recht enttäuschender Film, der trotzdem einige wenige sehenswerte Momente
bietet
Crazy
Originaltitel Crazy
Starttermin 08.06.2000
Genre Jugenddrama
Daten Deutschland
Regie Hans-Christian Schmid
Drehbuch / Vorlage Michael Gutmann, nach einem Buch von Benjamin Lebert
Darsteller Robert Stadlober, Tom Schilling, Julia Hummer, ...
Trailer Offizielle Seite, Quicktime