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Kritik: Mission Impossible 2



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Mission: Impossible 2

"This isn´t mission difficult, this is mission impossible"

Inhalt
Die gesamte Welt ist bedroht: ein tödliches Virus ist entwickelt worden, das
zusammen mit seinem Antiserum eine mächtige Waffe darstellt. Ex-Agent und
Oberschurke Sean Ambrose (Dougray Scott) hat mit dem Virus gar Böses vor,
wovon ihn Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) zusammen mit der Diebin Nyah
Hall (Thandie Newton) und Computergenie Luther Stickell (Ving Rhames)
abhalten soll.


Übersicht
Flemming: Vorschriftsgemäß reaktionäres Schablonensequel 6/10
Thomas: Routiniertes Actionspektakel in gezwungener Coolness  7/10


Meinung Flemming (fs) 6/10

Kurzkommentar
Das Sequel zum Welthit "Mission: Impossible" kommt trotz der Regie des
Gewaltvirtuosen John Woo über eine einfallslos kalkulierte "Mission: volle
Kassen" nicht hinaus. Der platte Plot ist viel zu gewichtet, die stylische
Actionchoreographie ist zu routiniert, um Maßstäbe nach der "Matrix" setzen
zu können. Gleichwohl ein spaßiger Aufguß.

Kritik
Als "Mission: Impossible" - so der Titel einer TV-Serie der späten 60er und
frühen 70er Jahre - vor vier Jahren seine Überführung auf die große Leinwand
erlebte, wurde ein Traum von Tom Cruise lebendig, der die Kassen stärker als
erwartet füllte und kurzerhand zum weltweiten Sommerhit 1996 wurde. Cruise
war mit der Idee an Regisseur Brian DePalma ("Mission to Mars")
herangetreten, der dann ein respektables Spionageabenteuer vorlegte, das
aber entgegen dem TV-Original die Figur des Superagenten Ethan Hunt derart
in den Vordergrund spielte, dass Hunt auf die Erkundung seines Namens
genauso gut hätte mit "Bond, James Bond" antworten können. Analogien waren
da, charakterisierte sich "Mission: Impossible" doch ebenso wie Bond durch
romantische und abenteuerliche Elemente sowie technoiden Ramsch.
Der eigentliche Spannungsgehalt war nüchtern betrachtet aber eher gering,
der Popcornstreifen blieb nur durch sein dickes Absahnen an der Kinokasse
und eine furiose Einbruchssequenz in Erinnerung. Ein müder, actionhemmender
Plot unterband, dass "Mission: Impossible" den Anspruch einer Adrenalinpumpe
einlösen konnte. Egal, der Erfolg war überwältigend und ein Sequel somit so
sicher wie das Amen in der Kirche. Vier Jahre ließen sich die Produzenten
Tom Cruise und Paula Wagner Zeit, alles größer, lauter und besser als im
"Original" zu denken - für´s ausgeschlachtete Millennium solltes es so
richtig knallen, und nun ist die ganze Welt in Gefahr. Und auf wen konnte
die Wahl des Feuerwerksdirigenten nur fallen? Richtig, auf Honkong-Emigrant,
Action-Allvater und Dynamit-Gott John Woo ("A better tomorrow", "The
Killer"). Ihm ist das Paradoxon zu verdanken, dass hyperbrutale Ballerei,
Tanz, stilisierter Tod und Ballett im gleichen Assoziationsfeld auftauchen.
Surrealistische Slow Motion ist seine stylische Grundlage. Musste sich der
brilliante Gewaltchoreograph in seinem U.S. Debüt "Hard Target" noch mit
Kult-Trasher Jean-Claude Van Damme herumschlagen, war er mit "Broken Arrow"
1994 treffsicherer und landete seinen ersten Hit. Jedoch erst "Face/Off" mit
John Travolta und Nicolas Cage trug uneingeschränkt Woos Handschrift und
kombinierte hollywoodsche Großproduktion mit bis dahin ungekannter
Ballerästhetik.

Und nun, genau vier Jahre später soll zur gleichen Zeit die Kasse noch
voller werden, John Woo sich in "M:I 2" so richtig austoben und der "Matrix"
zeigen, was Coolness heißt. Und so fängt auch alles auf "Wow"-Effekt
getrimmt an: Cruise, hier mehr Stuntman als Darsteller, klettert und baumelt
in einer atemberaubenden Eröffnung an einem großen Stein, er verliert den
Halt, dem Zuschauer stockt der Atem, und doch erreicht Agent Hunt die obere
Plattform - wieso? Na, um sich seine Cyberbrille mit dem Top-Secret-Auftrag
im Display vom Hubschrauber per Torpedo vor die Füße schießen zu lassen!
Alles klar? - "M:I 2" macht zu Beginn berechtigte Hoffnung auf einen
wahnsinnig abgefahrenen, witzigen Achterbahnritt, der sich erst gar nicht
die Mühe macht, einen überflüssigen Plot vorzuheucheln. Und doch, er tut es,
enttäuscht und kommt damit in der ersten Stunde fast komplett zum
Stillstand, als ob die konfusen Handlungselemente des ersten Teils keine
Lehre gewesen wären. Der Plot um einen Killervirus und dessen Gegenmittel,
die in die Hände des garstigen, nach sooo viel Kohle strebenden Buben
fallen, ist so hanebüchern platt und minimal, dass er hervorragenden Anlass
geboten hätte, fehlenden Inhalt mit stilsicherem Kawumm zu egalisieren.

Aber nein, in der ersten Stunde darf man sich hauptsächlich fragen, wann den
die spannende "Mission" beginnt und wieso sich Anthony Hopkins mit einer
unsäglich peinliche Rolle begnügen muss. Zwar nutzt Woo die
agentenobligatorischen Autoverfolgungsjagd zur Einführung des weiblichen
Parts und zur Demonstration seiner wahnwitzigen Optik, aber sonst passiert
für einen Streifen, der sich wohl selber als Dynamit verstehen und
Messlatten höher legen will, über die Hälfte schlichtweg zu wenig. Aber
Latexmasken gibt es viele. Auch schauspielerisch herrscht Flaute, wenngleich
die Chemie zwischen Tom Cruise und Thandie Newton wirklich stimmt. Letztere
bleibt aber bloß das notwendige Püppchen. Brendan Gleeson ("Der General")
wird in seinen Möglichkeiten nicht weniger als Hopkins beschnitten, was ja
alles irrelevant wäre, da Darstellervermögen und Plot eh nur die Wartezeit
auf die nächste Actionssequenz füllen sollten.

Dann geht es auch irgendwann tatsächlich los, es gibt wieder eine
bemerkenswerte Einbruchszene, herzliches Geballer und kernige Explosionen -
aber alles mit dem Touch heruntergespulter Blockbusterroutine: handwerklich
begnadet, aber mehr eben nicht. Hans Zimmers Musik klingt in Kernszenen
zudem genauso wie in "Gladiator", was den Fließbandeindruck nur verstärkt.
Es scheint, als wäre John Woos virtuose Optik unter der Last der
Großproduktion erstickt, denn in nur wenigen Momenten wird seine
unverwechselbare Stilistik sichtbar. Die seltene Prügelakrobatik ist
zweifellos sehr gut, nur "sehr gut" reicht für einen Woo und potentiellen
"Matrix"-Topper aber eben nicht. Das will nun nicht heißen, dass "M:I-2"
schlecht ist. Gerade das an ein mittelalterliches Ritterturnier erinnernde
Motorradduell ist ein echtes Highlight, köstlich spaßig und der
unwiderlegbare Beweis dafür, dass es hier die ganze Zeit nur als Selbstzweck
hätte knallen müssen. "M:I-2" funktioniert letztlich doch minimal besser als
Teil eins, aber schließend dennoch eine Bitte: Möge Geheimagent Ethan Hunt
ruhen, in Rente geschickt werden und "M:I-3" bleibe uns erspart. Bereits
nach Teil zwei heißt es: "Mission: Abgenutzt".

Fazit
Vorschriftsgemäß reaktionäres Schablonensequel


Meinung Thomas (ts) 7/10

Kurzkommentar
Trotz teils furioser Actionszenen in bester Woo-Manier bleibt ein Gefühl der
Enttäuschung bei "MI:2" doch zurück. Wären die Charaktere wirklich nur etwas
ausgefeilter gewesen - Mission Impossible 2 hätte gleich doppelt so viel
Spaß gemacht. So bleibt grandioses Actionkino mit einem Beziehungsplot, der
trotz der hübschen Darsteller eher Kopfschmerzen verursacht. Schade, um die
vergebene Chance...

Kritik
In Ermangelung an knallig-stumpfen Actionbrummern sollte jeder
Actionfetischist eigentlich sehnsüchtig auf "Mission Impossible 2" gewartet
haben. Das Agentenambiente der Serie "Cobra: Übernehmen Sie" mit all seinem
technischen Schnickschnack, Tom Cruise als fähiger Actionheld, dazu die
begnadete Regie John Woo's und nicht zuletzt die modernisierte Titelmusik
verstärkten den Eindruck eines mächtig coolen Streifens. Da wären Story und
Charakterentwicklung eigentlich vollkommen gleichgültig gewesen - hauptsache
es kracht gut.

Die beschriebenen Erwartungen erfüllt "MI:2" dann auch größtenteils - und
trotzdem bleibt ein Gefühl der Enttäuschung zurück: der Storyhintergrund von
"MI:2" ist einfach zu dünn. Und gerade das wird dem Film in der ersten
Stunde besonders zum Verhängnis, da er sich viel zu sehr auf die ach so
romantische Liebesbeziehung zwischen Ethan Hunt und Nyah Hall konzentriert.
Besonders störend ist die Charakterzeichnung: man erfährt nichts, aber auch
gar nichts Näheres über Ethan Hunt, Nyah Hall oder den Bösewicht Sean
Ambrose. Noch nicht mal ein kurzer Abschnitt über deren Vergangenheit, um
die Motivation der Beteiligten wenigstens einigermaßen zu erklären. Dagegen
wirken Woo's Vorgängerfilm "Face/Off" und auch Bruckheimer Konkurrent "The
Rock" wie die reinste Charakterstudie.
Woher beispielsweise kommt Nyah ? Was hat sie vorher gemacht ? Warum wurde
sie nie gejagt, wenn sie doch die beste Diebin ist ? Was ist in ihrer
Beziehung zu Sean passiert ? Warum ist sie zerbrochen ? Oder Dougray Scott's
Charakter: er ist Ex-IMF'ler. Was ist damals passiert ? Warum ist er
ausgestiegen ? Wieso ist er plötzlich einer der "Bösen" ?

Man erwartet ja keine zehnminütige Aufklärung über deren komplette
Kindheitsgeschichte - nur mal ein Nebensatz hier und da und der Film böte
viel weniger Anlaß zur Kritik.
Klar, "MI:2" soll nichts anderes als ein wummerndes Actionspektakel werden,
aber dann hätte man die erste Stunde des Films einmal gründlich überdenken
sollen und sich vielleicht etwas mehr auf die atmosphäre- und spaßfördernden
Dinge konzentrieren sollen. Die Organisation IMF bietet so viel Potential
für eine passende Agentenumgebung - James Bond hätte alt ausgesehen.
Stattdessen wird Einzelgänger Tom Cruise in allen Variationen präsentiert -
der Gedanke der Selbstbeweihräucherung drängt sich auf. Oder was mit den
Nebencharakteren, die einem als Zuschauer normalerweise besonders ans Herz
wachsen ? Hugh Stamp ist lediglich ein unwichtiger Pilot und Ving Rhames als
bekannter Computerexperte kommt viel zu wenig zum Zug. Wo ist sein
sympathisch-ironisches Grinsen, wo seine lockeren Sprüche ? Irgendwie steht
er teilweise vollkommen neben sich und wirkt unbeteiligt und gelangweilt.

Glücklicherweise gibt es ja noch Regisseur John Woo - seines Zeichens mit
begnadetem Talent für Ballerorgien gesegnet. In wenigen Szenen zu Beginn
(Autojagd) und besonders zum Ende des Films blitzt doch eindeutig sein
Können auf. Da erledigt Tom Cruise in schönen Slow-Mo Aufnahmen diverse
Gegner, läßt in perfekt choreographierten Kung-Fu Kampfszenen auch den
"Matrix"-verwöhnten Zuschauer aufhorchen und bietet eine
Motorrad-Verfolgungsjagd, die an Intensität ihresgleichen sucht. Dabei hat
Hauptprotagonist Cruise genug Charisma, um sowohl als Extrem-Urlauber als
auch als Götteragent zu überzeugen. Wenn er für meinen Geschmack auch etwas
zu oft in zähneknirschenden Zeitlupenaufnahmen zu sehen ist, so ist sein
Gesamtauftreten von bloßer Lächerlichkeit doch meilenweit entfernt (etwas
weniger forcierte Coolness hätte trotzdem nicht geschadet).
Gepaart mit den schicken Sets (z.B. beim Einbruch) und den durchweg schön
arrangierten Bildern hätte aus "MI:2" noch deutlich mehr werden können. Die
Probleme bei der Produktion sieht man dem Film im Endergebnis leider
deutlich an. Das Studio wollte eher den stumpfsinnigen Fließbandblockbuster
ohne große Risiken, während John Woo seinen Stil durchziehen wollte und wohl
einen reinrassigen Ballerfilm draus gemacht hätte - mit allem was dazu
gehört: gebrochene Charaktere, verbitterte Stimmung, wahrscheinlich sogar
düstere Atmosphäre. Ein besseres Skript als dieses hätte sich sicherlich
gefunden.

Insgesamt bleibt also nicht mehr als ein durchschnittlicher Blockbuster.
Dafür, daß in letzter Zeit viel zu selten Pistolenkugeln über die Leinwänden
geflogen sind (noch dazu so gekonnt), gibts einen kleinen Bonuspunkt. Und
die letzte dreiviertel Stunde entschädigt für den unbefriedigenden Beginn
doch zumindest insoweit, als daß der Actiondurst erstmal wieder gestillt
ist. Schade nur, daß John Woo sich nicht so richtig austoben durfte...

Fazit
Routiniertes Actionspektakel in gezwungener Coolness


Mission: Impossible 2
Originaltitel Mission: Impossible 2
Starttermin 06.07.2000
Genre Action
Daten USA 1999, 120 Min., FSK 12
Regie John Woo
Drehbuch / Vorlage Ronald D. More/ Bruce Geller
Darsteller Tom Cruise, Dougray Scott, Thandie Newton, Ving Rhames u.a.
Trailer diverse Größen, offizielle Site