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Kritik: Romeo must die
- Subject: Kritik: Romeo must die
- From: Thomas Schlömer [FS] <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 9 Jun 2000 06:58:12 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 10 Jul 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 66/1065 f148930
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
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Romeo must die
"Das .... war ein Fehler"
Inhalt
Als sein Bruder im rivalisierenden Kampf zweier mächtiger Familien brutal
ermordet wird, beschließt Han Sing (Jet Li) kurzerhand aus seiner
Gefangenschaft in Hong Kong auszubrechen, den Mord des Bruders aufzuklären
und zu rächen. In den USA gerät er nun ins Spannungsverhältnis der beiden
Anführer, Chu Sing (Han's Vater) und Isaak O'Day (Delroy Lindo) bzw. der
chinesichen und afro-amerikanischen kriminellen Organisationen. Als mehr und
mehr klar wird, daß ein großer Schlag bevorsteht, kooperiert Han mit O'Day's
Tochter Tricia (Aaliyah) und lernt sie nicht nur als Partner der
Gerechtigkeit schätzen ...
Übersicht
Thomas: Überzeichnetes Martial-Arts in solidem Action-Ambiente 6/10
Wolfgang: Durch technische Mätzchen etwas entwertetes, aber dennoch
sehenswertes Wu-Shu-Spektakel 8/10
Meinung Thomas (ts) 6/10
Kurzkommentar
Andrzej Bartkowiak's Regiedebüt "Romeo must die" leidet an vielen
Kleinigkeiten, die so manchem den Film komplett versauen könnten.
"Matrix"-Produzent Joel Silver hatte eindeutig zu sehr seine Finger im
Spiel. Die Fähigkeiten Jet Li's werden ebenso verfälscht wie die klassische
Romeo und Julia-Geschichte. Drückt man allerdings ein Auge zu, so bleiben
dem vernachlässigten Actionfreund noch genügend Argumente, die einen
Kinobesuch rechtfertigen.
Kritik
In der hoffnungsvollen Erwartung eines reinrassigen Actionfilms betritt man
das Kino, nur um sich dann von vielen Kleinigkeiten den Spaß verderben zu
lassen. "Romeo must die" bietet kurzweilige Action, teils spektakuläre
Stunts und sympathische Darsteller. Dazu eine erstaunlich solide
Hintergrundstory und fertig ist der stumpfe, aber spaßige Actionabend - der
Film hätte so wunderbar den Durst nach coolem Actiongeschehen stillen
können.
Doch was bitte schön haben sich Kameramann und Debütregisseur Andrzej
Bartkowiak sowie Produzent Joel Silver dabei gedacht, die Kung-Fu Kämpfe
computerunterstützt zu "verbessern" !?
Was im großen Vorbild "Matrix" dank des Science-Fiction Ambiente wegweisend,
atemberaubend und vor allem passend wirkte, ist in "Romeo must die" absolut
deplaziert und teilweise lächerlich. Slow-Motions, wo keine hingehören,
physikalisch vollkommen überzeichnete Bewegungen und unausgereifte
Schußszenen lassen das Geschehen so unglaubwürdig wirken, daß selbst der
hartgesottenste Kung-Fu Fan sich die Haare rauft. Wie man es richtig macht,
hat Regisseur-Idol John Woo doch eigentlich schon häufig genug gezeigt.
Erinnernd man sich zudem an Jet Li's pfeilschnelle Aktionen aus "Lethal
Weapon 4" zurück, so wirkt es umso unglaublicher, daß die Produzenten
jeglichen Staunfaktor durch die Computernachbearbeitung zunichte gemacht
haben. Jackie Chan ist doch gerade wegen seiner realistischen Schnelligkeit
so beliebt - auch Jet Li hätte das, um Eindruck zu schinden, wirklich nicht
nötig gehabt.
Aber nein, "Matrix" war wegen seiner Coolness so erfolgreich, daß Joel
Silver um jeden Preis Parallelen in "Romeo must die" einbauen mußte. So
etwas nennt man "verschlimmbessern" ...
Nichtsdestotrotz sollten Actionfans durchaus einen Blick riskieren. Das
Genre kämpft zur Zeit eh mit einem quantitativen Tief - außer "Mission
Impossible 2" ist auf absehbare Zeit kein vergleichbarer Film in Sicht. Die
übertriebene Darstellung kommt letztlich doch eher selten zum Einsatz,
manche Kameratricks (allen voran die Röntgenperspektive) sind durchaus
gelungen, lockere Sprüche gibt's auch ein oder zwei und teils kommt auch
geringfügig Spannung auf.
Die Story ist für reine Hong Kong-Action gar erstaunlich reif. Das liegt
allerdings nicht an den (sehr) losen Parallelen zur klassischen Romeo und
Julia Erzählung, sondern viel mehr an der lockeren Erzählweise - bis zu
einem guten Drittel des Films blickte man jedenfalls noch nicht durch die
ganzen Zusammenhänge und das ist sicherlicher mehr, als man in diesem Genre
sonst aufgetischt bekommt. Trotzdem darf der Handlungsaspekt natürlich nicht
überbewertet werden - das ganze soll schließlich nur das Martial Arts-Gehaue
möglichst stilvoll verknüpfen. Und warum nicht eines bewährten Konzepts
bedienen, wenn es die Ansprüche mehr als ausreichend erfüllt !?
Vergißt man also den dauernden Hip-Hop, die stereotypen Elemente, die
übertrieben dargestellte Vater-Tochter Beziehung und sieht man über die
lächerlichen CGI-Verschlimmbesserungen hinweg, so kann man sich doch noch
recht kurzweilig unterhalten - als Actionfreund wohlgemerkt.
Fazit
Überzeichnetes Martial-Arts in solidem Action-Ambiente
Meinung Wolfgang (wr) 8/10
Kurzkommentar
Wie Thomas bereits bemerkte, sind es viele Kleinigkeiten, die dem Film
schaden - bedauerlicherweise, denn die Grundkonstruktion ist sehr solide.
Kritik
Der Titel lässt erwarten, dass der gute alte Shakespeare mal wieder zum
Einsatz kommt. Und der Name Jet Li macht es unwahrscheinlich, dass es sich
um eine klassische, oder Branagh-ähnliche Inszenierung handeln würde. Was an
sich eher ein Verdienst denn ein Mangel wäre, denkt man beispielsweise an
Baz Luhrmanns geniale "Romeo und Julia"-Adaption.
Doch die Bande zum Original sind nur sehr lose geknüpft, eigentlich wurden
nur die Elemente der rivalisierenden Familien und der eigentlich verbotenen
Liebe wieder aufgegriffen, und auch das wenig originalgetreu. Ist es
ursprünglich ein tiefer, elementarer Hass, der die Familien trennt, so
rationalisiert "Romeo must die" das ganze auf die Ebene gegenläufiger
geschäftlicher Interessen hinab. Und auch die mühsame Annäherung von Romeo
und Julia ist wenig ausgeprägt - der schlagkräftige Held nimmt sich, was er
möchte. Vom Happy-End mal ganz zu schweigen.
Geradezu ein Fortschritt im Hinblick auf Shakesspeare ist die Story. Die
fällt nämlich erstaunlich differenziert aus, stellt nicht nur zwei böse
Parteien gegeneinander, sondern fügt überaus geschickt noch eine dritte
Partei hinzu (wer, sei hier nicht verraten), des weiteren thematisiert
(natürlich immer im Rahmen eines Actionfilms) der Film die soziale und
ökonomische Stellung der Einwanderergruppen in Amerika. Und auch die Fronten
sind längst nicht so klar, wie man das von Schwarzenegger & Co. gewohnt
ist - die wahre Enthüllung, wer die eigentlichen Bösen sind, hebt sich der
Film für den Schluss auf - sie lassen sich vorher allenfalls erahnen.
Den größten Mangel hat Thomas bereits angesprochen: Die völlge Unnötigkeit
der computerunterstützen Kampfszenen. Auch wenn ein Film immer inszeniert
ist, Jet Li hätte als fünfmaliger Wu-Shu-Weltmeister die Szenen locker
allein getragen, und das hätte zu ihrer Faszination stark beigetragen, weiss
man doch seit "Matrix", dass selbst Weicheier wie Keanu Reeves dank Computer
zu Actionhelden mutieren können. So bleibt immer das latente Gefühl der
Unglaubwürdigkeit, und das schadet einem Film, der letztlich von seinen
Kampfszenen lebt. Die sind eigentlich nämlich richtig Klasse. In Anlehnung
an Jackie Chan präsentiert Jet Li nicht nur stumpfes Bösewicht-Verprügeln,
sondern liefert auch einige humoristische, nicht jedoch alberne Einlagen
(Football-Spiel, Wasserflasche). Hätte man nicht ständig die Befürchtung,
das alles wäre nur durch heimlich gespannte Fäden und und reichlich
Computernachbearbeitung möglich, so stünden die Münder vor Staunen den
ganzen Film lang offen. Mich persönlich haben auch die Röntgenszenen sehr
gestört - hier hat man sich wohl bei "Fight Club" bedient, um dem Film einen
möglichst hippen Look zu verleihen, was er gar nicht nötig hat.
Doch trotz all der kleinen Nachteile bleibt für mich letzlich ein
Actionfilm, der seiner Genrebezichnung mehr als würdig ist, und zudem eine
Story bietet, die das Ansehen durchaus interessant macht, und der durch
seinen lockeren Bezug auf Shakesspeare die action-typische Härte gekonnt
ironisiert. Sieht man von den technischen Patzern mal ab, bleibt ein für
Actionfreunde sehr empfehlenswerter Film.
Fazit
Durch technische Mätzchen etwas entwertetes, aber dennoch sehenswertes
Wu-Shu-Spektakel
Romeo must die
Originaltitel Romeo must die
Starttermin 08.06.2000
Genre Action
Daten USA, 115min, FSK 16
Regie Andrzej Bartkowiak
Drehbuch / Vorlage Mitchell Kapner, Eric Bernt
Darsteller Jet Li, Aaliyah, Isaiah Washington, Russell Wong, DMX, Delroy
Lindo uva.
Trailer Offizielle Site, diverse Formate