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Das Geisterschloss (1999)
- Subject: Das Geisterschloss (1999)
- From: "Frank Werner" <f.werner@netcologne.de>
- Date: 21 Jul 2000 06:21:00 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 21 Aug 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: werner 3/1138 f063239
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: T-Online
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1167
"The haunting" (USA 1999)
Produzent : Jan de Bont ("Speed 2: Cruise Control"), Marty/Martin Ewing
Regie : Jan de Bont
Buch : David Self nach dem Roman von Shirley Jackson
Darsteller: Liam Neeson ("Star Wars: Episode I", Dr. David Merrow)
Catherine Zeta-Jones ("Titanic", Theo)
Owen Wilson ("Armageddon", Luke Sannerson)
Lily Taylor ("Prêt á porter", Nell)
Bruce Dern ("Der große Gatsby", Mr. Dudley)
STORY: Eleanor Lance soll an einer Studie über Schlaflosigkeit teilnehmen. Das
kommt ihr gelegen, weil ihre netten Anverwandten gerade ihre Wohnung unterm
Gesäß wegverkauft haben und sie seit dem Tod ihrer Mutter eh nicht mehr schlafen
kann. Also meldet sie sich bei dieser Studie und verlässt Wohnung und Verwandte.
Zu ihr gesellen sich die toughe Theo (Cathrine Zeta-Jones, bald wohl Mrs.
Michael Douglas), der neugierige Luke Sannerson und der Veranstalter Dr. David
Merrow.
Doch das Haus scheint zu leben. Während des Aufenthalts in Hill House wird immer
klarer, dass Dr. Merrow eine Studie über Angst anfertigen will und die
Herrschaften dabei Versuchskaninchen spielen. Nicht Schlaflosigkeit, sondern
eine besonderes spirituelles Verhältnis qualifiziert die Gruppe.
"The haunting" ist ein Remake des Klassikers von Robert Wise von 1963. Während
das Original allerdings stark auf psychologische Furchelemente setzt, würzt Jan
de Bont seinen Film mit allerlei Computerklamauk. Obwohl während des Drehs
bereits die Original Soundelemente abgespielt wurden, um den Schauspielern echte
Furcht einzuflößen, erreicht der Film das Original nicht mal auf halber Strecke.
Es fehlen komplette klassische Szenen (Tote Ex-Bewohnerin in der Dachluke,
Kalter "Spot" in der Diele) oder sie wurden umgeschrieben (Sich bewegende
Treppe). Da auf diese Weise nur ein Mini-Spannungsbogen aufgebaut werden kann,
ist de Bont auch auf animierte Fensteraugen angewiesen, um dem Haus überhaupt
Leben einzuhauchen. Ein wenig mehr Gefühl für die Story hätte dem Film gut
getan. Die Autorin kann sich schließlich nicht mehr wehren (Shirley Jackson
starb 1965).
Was bei Robert Wise feinfühlig bedrohlich inszeniert wird, wird bei de Bont mit
Computergrafik wahrlich tot gemalt. De Bont setzt auf (Er)Schreckeffekte, auf
Lautmalerei, auf das bewährte strapazierte aus dem Grab springende Skelett, auf
fliegende Messer und rollende Betten. Die Musik klingt orgelig wie eine Satire
auf den Titel von "Tales from the crypt" und unterstützt den Zuschauer in
keinster Weise.
Liam Neeson als "Dr. Montague" (Originalname) ist deutlich unterfordert und
watschelt selbst dann teilnahmslos wie ein nasser Sack als er von der
Springbrunnenfigur völlig voraussehbar in den Brunnen gezogen wird. Catherine
Zeta-Jones wirkt als Theodora (Originalname) in der ganzen Story deplaziert,
obwohl sie in Shirley Jacksons Buch den Fels in der Brandung darstellt, der
Eleanor (Originalname) mit ihrer Lebenserfahrung ein Vorbild ist.
Es ist diese Subtilität, die dem 99er Film fehlt: Eleanor liegt im Bett und wir
hören sie sich selber Mut zusprechen. Im Dunkeln drückt jemand ihre Hand, aber
als das Licht an geht, steht Theodoras Bett meterweit entfernt...es gibt Filme,
die sind selbst nach 30 Jahren nicht zu toppen.
Mit dem "Geisterschloss '99" sollte wahrscheinlich wieder einmal ein guter Film
(und ein noch besseres Buch) zu einem Kommerzerfolg verwurstet werden. Ohne
Computer wäre dieser Film ein wohl Billigsplatter geworden. Auf "Haunting II"
von Jan de Bont warten wir wohl besser nicht.
Ich habe das "Geisterschloss '99" jedenfalls zum Anlass genommen, das Original
von 1963 in meinem Topten der besten Filme aller Zeiten aufzunehmen. Derzeit
könnte er wieder im Fernsehen auftauchen (Bescheuerter Titel: "Bis das Blut
gefriert"). Auf meine Anfrage hin will sich der WDR eine Ausstrahlung in diesem
Sommer überlegen.
Frank Werner
--
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