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Kritik: Ein heißer Coup
- Subject: Kritik: Ein heißer Coup
- From: Thomas Schlömer [FS] <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 1 Aug 2000 07:42:53 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Fri, 01 Sep 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 98/1155 f193594
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1184
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Ein heißer Coup
"Schätzchen, was ich hier spiele, ist zwar gehirntot, aber nicht
gehirnambutiert"
Inhalt
Der berüchtigte Bankräuber Henry Manning (Paul Newman) plant seinen Ausbruch
aus dem Knast: er simuliert einen Schlaganfall und wird scheinbar
lethargisch im Rollstuhl sitzend, in ein Pflegeheim abgeschoben. Doch die
junge Krankenschwester Carol (Linda Fiorentino) lässt sich nicht eine
Sekunde täuschen. Gelangweilt von ihrem Leben und ihrer Ehe "weckt" sie
Henry aus seinem vorgetäuschten Dämmerzustand und überredet ihn zu einem
Überfall auf einem Geldtransporter. Die Beute: 2 Millionen Dollar! Der
Risikofaktor: Carols eifersüchtiger Ehemann Wayne.
Meinung Flemming (fs) 6/10
Kurzkommentar
Hollywood-Altgestein Paul Newman macht aus dem seichtesten Filmchen noch
gepflegte Unterhaltung, kann zusammen mit Linda Fiorentino jedoch nur
bedingt die Schwächen dieser belanglos unzeitgemäßen Gangsterfabel
wettmachen. Regisseur Marek Kanievska bleibt zwischen Thriller und Humor in
einem bald vergessenen, nur Stereotype abbildenden Konstrukt hängen.
Kritik
Paul Newman ist mit seinen 74 Jahren schon vor langer Zeit zur Legende
erklärt worden und einer der letzten "Großen" im Filmbusiness, das er selbst
mitgeprägte. Schon längst hätte er sich in Ruhe zurücklehnen und die
Gewissheit seines eigenen Denkmals genießen können, aber Newman legt nach,
und das erwartungsgemäß mit einem genügsamen, altersangemessenen Auftritt,
der sich zudem noch symbolhaft und vielleicht zynisch gibt: die Rolle im
Rollstuhl. Während die gleichaltrigen Heiminsassinnen als demente
Regressionsbeispiele eingeführt werden, mimt Newman das gelähmte Selbst samt
Schlaganfall (der ihn realiter bald selbst treffen könnte) bloß und steht
nicht nur geistig in voller Blüte. Das hat was von Sarkasmus. Und wieso sich
Newman von Produzent Ridley ("1492") und Sohn Tony Scott für ein derart
flaches Drehbuch einspannen ließ, ist wohl nur damit zu erklären, dass er
der Vergangenheit zugewandt ist und Lust hatte, in einer so antiquiert
schematischen Gangstergeschichte auf seine alten Tage noch einmal den
charmant-gewitzten Gauner raushängen zu lassen. Glücklicherweise, oder
besser: natürlich funktioniert es mit der für Newman so typischen
Souveränität.
Von der ist in der ersten Phase des Films allerdings nichts zu sehen, denn
zu "bestaunen" ist der große alte Mann allein bei apathischen
Schweigeübungen im Rollstuhl. Aber womöglich ist es ja Schauspielkunst, eine
invariable Gesichtslähmung zu mimen. Immerhin leistet Linda Fiorentino als
gerissene Altenpflegerin schon jetzt einen sehr guten Part und hält das
Interesse gerade noch wach, bis Newman in einer bezeichnenden Szene die
Deckhülle des Halbtoten abstreift, dem Wasser wie dem Jungbrunnen entsteigt,
das eingefrorene Gesicht aufgibt und den spaßigen Dialog einleitet. Neu in
den nun entwickelten Geschehnissen um einen rentenreifen Profigangster und
seine dilettantischen Lakaien ist allein die einen Schlaganfall
vortäuschende Tarnmasche. Das Vorhaben und die Durchführung des
Raubüberfalls ist Newmans Alter gemäß so unspektakulär, unspannend und
voraussagbar lahm umgesetzt, dass das bahnbrechend langsame Erzähltempo
schon gar nicht mehr schockieren kann - genügsam und abgelebt eben.
Nein, könnte "Ein heißer Coup" nicht auf seine auserlesenen Darsteller
zurückgreifen, er würde sofort in der Namenlosigkeit versinken. Denn
trotzdem Newman bis auf seine markige Präsenz nicht viel zeigt, reißt er
schon etliches raus, was der britische Regisseur Marek Kanievska ungeschickt
zwischen Thriller und Komödie in den Sand setzt. Insgesamt sehr positiv
macht sich Linda Fiorentino, die den Film deutlich kontrolliert und auch
Dermot Mulroney als ihr Ehemann spielt leidenschaftslos, aber irgendwie ins
Konzept passend. Obwohl Spannung und besonderer Witz dem holzschnittartigen
Script geopfert werden, macht die hervorragend funktionierende
Darsteller-Chemie somit noch einen Reiz, aber bestimmt keinen "heißen Coup"
aus.
Fazit
Zeitwidrige, farblose Gaunerfabel mit starkem Ensemble
Ein heißer Coup
Originaltitel Where the Money is
Starttermin 20.07.2000
Genre Thriller/Komödie
Daten USA 2000, 88 Min., FSK 6
Regie Marek Kanievska
Drehbuch / Vorlage E. Max Frye
Darsteller Paul Newman, Linda Fiorentino, Dermot Mulroney u.a.
Trailer -