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Kritik: "Late Show" (1999)
- Subject: Kritik: "Late Show" (1999)
- From: "Frank Werner" <f.werner@netcologne.de>
- Date: 6 Aug 2000 08:48:38 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Wed, 06 Sep 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: werner 4/1166 f083571
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: nr-do2.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1195
"Late Show" (1999)
Produzent...: Helmut Dietl ("Rossini")
Regie.......: Helmut Dietl
Buch........: Helmut Dietl, Christoph Müller ("Der Skorpion")
Darsteller:
Harald Schmidt (Conny Schiffer), Thomas Gottschalk (Hannes Engel), Veronika
Ferres ("Rossini", Maria Keller), Dieter Pfaff ("Kommissar Sperling", Mick
Meyer), Jasmin Tabatabai ("Bandits", Carla Sperling).
STORY: Conny Schiffer (glänzend: Harald Schmidt) ist mit den Nerven am Ende.
Der Chef des Kölner Privatsenders Tele-C sieht seine einzige halbwegs
erfolgreiche "Mick-Meyer-Show" (glänzend: Dieter Pfaff) quoten- und
qualitätsmäßig untergehen. Auch seine Assistentin Carla Sperling (glänzend:
Jasmin Tabatabai) weiß keinen Rat mehr und beendet die Sexbeziehung zu ihrem
Chef. Auf der Fahrt nach Hause hört Schiffer zufällig die Sendung des
Radiostars Hannes Engel (glänzend: Thomas Gottschalk) als ihm die Idee zur
neuen Sendung kommt: Aus Radio mach Fernsehen und Quote.
Hannes Engel ist von der Idee wenig begeistert, lässt sich aber
breitschlagen, als Schiffer dafür verspricht, seine schauspielerisch
gescheiterte Freundin Maria Keller (glänzend: Veronica Ferres) wieder ins
Geschäft zu bringen. Die wiederum glaubt, dass Hannes von der Branche
gefressen wird. Hannes wehrt sich jedoch tapfer gegen jegliche Verdrehung -
bis die Talkshow ein großer Erfolg wird. Als schließlich noch Bilder eines
verrückten weiblichen Fans (glänzend: Sabine Orléans) aus der Nachbarstadt
auftauchen, nimmt das Unheil seinen Lauf...
KRITIK: Der deutsche Film, so soll Volker Schlöndorff ("Homo Faber") gesagt
haben, zeige nichts mehr über deutsche Befindlichkeiten und deutsche
Menschen. Und deshalb habe er keine Zukunft. Wer "Late Show" kennt, weiß
dass das nicht ganz stimmig ist. Zwar handelt es sich hier auch
unvermeidlich um eine Komödie, jedoch zeigt allein die Darstellerriege
(merkwürdigerweise *ohne* Katja Riemann und Til Schweiger!), dass man dem
Stoff zur Zwerchfell-Massage auch Tiefsinniges entlocken kann. Außerdem läßt
sich filmische Vergangenheit durch die Gastdarsteller Ernst H. Hilbich ("Die
Anrheiner"), Gaby Dohm ("Die Schwarzwaldklinik") und nicht zuletzt Huub
Stapel ("Flodder - eine Familie zum Knutschen") zitieren.
Die Drehorte meiner Heimatstadt sind auch geschickt gewählt. Sowohl das
Parkhaus des Kölner Kinozentrums "Cinedom" als auch die WDR Arkaden, ein
bekanntes Gestüt hier in Overath und nicht zuletzt die Originalkulissen der
"Harald Schmidt Show" im Kölner Capitol schaffen Neues in bekanntem Umfeld.
Auch Helmut Zerlett ("Harald-Schmidt-Show", "The Unknown Cases") gehört
dazu.
Überhaupt hatte Kameramann Gernot Roll ("Der Laden") ein gutes Auge für das
Licht. Ein Großteil der Filmwirkung geht von der Beleuchtung aus. Vom Ton
läßt sich das leider nicht sagen. Wenn Conny Schiffer die Nachfolgerin von
Carla Sperling zusammenpfeift, ist vor lauter Hall kaum ein Wort zu
verstehen. Hier hätte das Werk nochmal in die Post-Production gehen müssen.
Dem Kenner deutscher Fernsehverhältnisse dürfte so manche andere Absurdität
allerdings als völlig normal vorkommen: wenn "Einzelfälle" im Fernsehen
unter den Talkshows ausgetauscht werden, wenn die Presse frei Erfundenes
berichtet und Ehen und Karrieren zerstört, wenn sexuelle Abnormitäten als
Unterhaltung präsentiert werden oder wenn sofort nach einem Schlafmittel
auch mal Kokain als Wachmacher verabreicht wird. Gelegentlich bleibt einem
das Lachen einfach im Halse stecken.
Eigentlich hatte ich mir den Film ja nur angesehen, um festzustellen, ob
Thomas Gottschalk seine Rolle wirklich so gut spielt, wie in den Medien
behauptet. Ich sah einen gute Gottschalk, der zehn "Supernasen"-Filme wett
gemacht hat. Und ich sah einen Film, der einen würdigen Platz in der Liste
der besten deutschen Filme verdient.
Leider war er zu wenig amerikansch und daher wohl kein Publikumsrenner. Um
Geld zu verdienen muss es wohl stets der 99. Aufguß des "bewegten Mannes"
sein. Schade, eigentlich! Es gibt viel zu erzählen aus diesem Land...
Frank Werner
--
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