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Kritik: American Beauty (1999)



"American Beauty" (USA 1999)

Produzent..: Alan Ball, Bruce Cohen, Dan Jinks, Steven Spielberg
Regie......: Sam Mendes
Darsteller.: Kevin Spacey ("L.A. Confidential", Lester Burnham)
             Annete Bening ("Mars Attacks", Carolyn Burnham)
             Thora Birch ("Das Kartell", Jane Burnham)
             Wes Bentley ("Menschenskind", Ricky Fitts)
             Mena Suvari ("American Pie", Angela Hayes)
             Chris Cooper ("Me, myself & Irene", Col. Frank Fitts)

FSK ab 16 (wegen rüder Sprache und Nacktheit)

STORY: Lester Burnham lebt mit seiner Frau Carolyn und seiner Tochter Jane
in einer Siedlung irgendwo in einem Vorort in den USA. Hinter den sauberen
Kulissen sieht es allerdings düster aus: Carolyn hat als Maklerin keinen
Erfolg, Jane hat sich von ihren Eltern entfremdet und Lester selbst merkt so
langsam, dass er in seinem eigenen Leben keine Rolle mehr spielt.

Das ändert sich, als er Angela Hayes, die Freundin seiner Tochter bei einer
(durch Paula Abdul choreografierten) Tanznummer als Cheerleader sieht und
sich schlagartig in sie verliebt. Durch dieses Gefühl aufgewühlt, findet er
endlich die Kraft, seine Mittelmäßigkeit zu durchbrechen. Er trainiert, um
Angela zu imponieren, raucht mit dem Sohn des neuen Nachbarn Marihuana,
tauscht seinen Toyota Camry gegen einen Sportwagen ein, gibt seiner ewig
meckernden Frau Widerworte und versucht endlich, die Probleme seiner Tochter
zu ergründen. Die so ausgelöste Konfrontation mit der Gesellschaft führt
schließlich zu seiner Ermordung.

KRITIK: Der besondere Verdienst von A. B. liegt in der Demaskierung
kleinbürgerlicher amerikanischer (?) Normalität. Jede Figur scheint dabei
eine Facette der Gesellschaft zu verkörpern.

"Yuppie" Carolyn ("Ich werde Erfolg haben") ist zur erfolgssüchtigen
Materialistin verkommen. Im Geschäftsleben gibt sie sich hart und
selbstbewusst. Aber der Versuch Lesters, das Sexualleben wieder zu beleben,
scheitert kläglich an ihrer Kleinbürgerlichkeit.

Der militärisch zackige Nachbar ("Colonel Fitts, US Marinecorps")
verdächtigt seinen Sohn der Homosexualität und des Dorgenkonsums und
vertreibt ihn dadurch aus dem Haus. Was ihn wirklich zu dauernden Kontrollen
bewegt, wird erst später deutlich: Homophobie - die Angst, sein Sohn könnte
homosexuell sein wie er selbst.

Auch Angela Hayes ("Nichts ist schlimmer als langweilig zu sein"),
verwöhntes Gör mit BMW-Cabrio und angeblich riesiger sexueller Erfahrung
entpuppt sich als Jungfrau, lebt in einem Gebäude aus Lügen und Angeberei,
um sich interessant zu machen.

So bleibt nur Ricky Fitts, den alle wegen seiner Leidenschaft zu filmen für
einen "Psycho" halten, als einziger wahrer aufrechter Charakter mit
Doppelleben. Als Beobachter, der als einziger einen Sinn für die Details des
Lebens hat.

Lesters Tochter Jane, auf der Suche nach Wahrhaftigkeit in dieser
Zombie-Siedlung, fühlt sich denn auch zu ihm hingezogen und brennt mit ihm
nach New York durch, als Ricky durch seinen Vater wieder mal durch das
Zimmer geprügelt wird.

Lester schließlich, wird, resümierend über einem alten Familienfoto
sinnierend ("Mir geht es wirklich gut"), von hinten (!) erschossen. Die
Gesellschaft tötet ihre Revoluzzer (John F. Kennedy, Martin Luther King),
wenn sie wirklich neue Ideen haben, die das bestehende in Frage stellen -
und immer dann, wenn sie sich am wenigsten wehren können.

Das erste Mal hörte ich von "American Beauty", als ich mir die Frage
stellte, welcher Film wohl in der IMDB den ersten Platz einnehmen würde.
Damals (Frühjahr 1999) war A. B. gerade angelaufen und belegte den ersten
Platz (vor dem "Paten"). Ich fand das vermessen. Mittlerweile hat sich das
geändert und der "Pate" steht wieder auf dem ersten Platz.

A. B. ist ziemlich unamerikanisch. Gesellschaftskritische entlarvende Themen
standen wohl in den Siebzigern und Achtzigern im Mittelpunkt ("Network",
"China Syndrome", "Thelma und Louise"). A. B. lässt wieder hoffen, dass da
etwas Neues kommen könnte, dass dieses Thema nicht in all den "Stirb
langsam"s und "007"s untergeht.

A. B. ist sehenswert. Der Film wirkt auf Video wesentlich stärker als im
Kino. Vielleicht, weil er ein Kammerspiel ist. Vielleicht, weil sich mancher
zuhause nur umzusehen braucht, um Parallelen zu finden.

Frank Werner
--
www.linkkontor.de