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Kritik: Art of War
- Subject: Kritik: Art of War
- From: Thomas Schlömer \(FS\) <thomas.schloemer@filmspiegel.de>
- Date: 18 Nov 2000 10:07:56 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Tue, 19 Dec 2000 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schloemer 153/1393 f010098
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: businessnews.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1408
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Art of War
"Keine Fallschirme, keine Maschinengewehre diesmal?"
"Nur ein Spaziergang im Park."
"He, das ist New York, da kann ein Spaziergang im Park tödlich sein."
Inhalt
Neil Shaw (Wesley Snipes) ist Agent des Geheimdienstes der Vereinten
Nationen - und muss odrt die Drecksarbeit lösen. Als kurz vor Unterzeichnung
eines handelsabkommens mit China der chinesische Botschafter in den USA
getötet wird, ruft das Shaw auf den Plan. Der Schlüssel zur Lösung ist die
Dolmetscherin des Botschaftes, Julia (Marie Matiko), doch viel Zeit, um den
Fall zu lösen, hat Shaw nicht. Sowohl FBI als auch die Triaden sind hinter
ihm her. Und wer die eigentlichen Feinde sind, wird zunehmend unklarer...
Meinung Wolfgang (wr) 6/10
Kurzkommentar
Nette Idee, gescheitert vor allem an handwerklichen Mängeln. Das Drehbuch
ist zu wirr, die Inszenierung ebenfalls. Etwas mehr Geradlinigkeit und
grössere Übersichtlichkeit hätten dem Film sehr geholfen. Auch Action-mässig
hätte mehr drin sein müssen, denn die Sparanleihen an "Matrix" sind doch zu
mickrig. Ansonsten aber ganz unterhaltsam.
Kritik
Ein Geheimdienst der UNO, dessen Agenten mit vergleichsweise dreckigen
Mitteln die Interessen der Weltgemeinschaft durchsetzen, scheint zwar ein
recht abwegiger Gedanke, aber für einen Action-Agenten-Film reicht es
allemal. Und China ist ja momentan schwer in Mode, nicht erst seit dem
vorletzten James-Bond-Abenteuer "Der Morgen stirbt nie". Auch die Grundidee
reicht für einen Snipes-Film durchaus aus. Im Hintergrund: Um ein
Wirtschaftsabkommen zu verhindern töten verschiedene Interessengruppen
jeden, der ihnen dabei im Weg steht - was Shaw zu verhindern sucht. Im
Vordergrund: Dabei wird Shaw leider von so ziemlich allen verfolgt, nicht
nur von den Bösen, auch vom FBI. Also muss die Welt (oder zumindest das
Handelsabkommen) eben im Alleingang, bzw. mit einer hübschen Frau an der
Seite gerettet werden.
So weit, so nett - nur leider lieferte Wayne Beach, der auch schon für den
Snipes-Film "Mord im Weissen Haus" die Vorlage schrieb, ein reichlich
konfuses Drehbuch ab. Dass über die Hälfte des Filmes verschwommen bleibt,
wer eigentlich was will, könnte man ja noch als spannungssteigernde
Raffinesse verstehen. Das aber auch die Handlungen von Shaw reichlich wirr
erscheinen und irgendwie nicht klar wird, warum er nun gerade tut, was er
tut, auch im Nachhinein nicht, erweist sich schon als schwererer Fehler.
Teilweise wird Snipes regelrecht an den Ort des Geschehens geschrieben. Wenn
die nächste Szene aus optischen Gründen in der Küche eines China-Lokals
stattfinden muss, dann geht eben Shaw in das entsprechende Etablissement -
warum, ist weniger wichtig. Vielleicht würden sich einige Nebel beim zweiten
Sehen des Filmes lichten (etwa die Sache mit den Telefonnummern - wer das
verstanden hat, möge sich bei mir melden), aber eigentlich muss man den Film
kein zweites Mal sehen.
Die Inszenierung des eher unbekannten Regisseurs Christian Duguay
(Screamers) steht dem Drehbuch in nichts nach: In dem Versuch, ein hohes
Tempo zu erzielen, gehen Fotographie und Schnitt sehr oft viel zu schnell
über wichtige Details hinweg, oftmals bleibt unklar, was nun eigentlich mit
dieser oder jener Sequenz bewirkt werden sollte. Da aber nicht jeder in
dieser Geschichte stets das ist, was er zu sein vorgibt, wäre es hilfreich,
dem Zuschauer hier mehr Orientierung zu bieten.
Warum nun heisst der Film nun "Art of War", obwohl kein wirklicher Krieg
darin vorkommt (und weshalb traute man sich nicht, den Titel zu
übersetzen?)?. Namensgebend ist hier einer der Klassiker der
Militärliteratur, "Die Kunst des Krieges" von Sun-Tse, einem chinesischen
General. Und auf eben jenes Buch beruft sich der Film, zumindest pro forma.
In Wirklichkeit aber ist "Art of War" letzlich auch nur ein Flickwerk der
üblichen Versatzstücke, geklaut aus allen anderen Action-Filmen, mit wenig
Mut zu eigenen Ideen. Auch an Selbstironie lässt es der Film fehlen, so
antwortet etwa Shaw auf den Vorwurf des Machoismus und vermeintlich
heroischen Einzelgängertums nur mit einem mürrischen Gesprächsabbruch - hier
wäre viel mehr drin gewesen, wäre das Skript sauberer ausgearbeitet. Apropos
sauber ausgearbeitet: An den üblichen logischen Fehlern mangelt es natürlich
ebenfalls nicht, müßig, diese alle aufzuzählen.
Da können dann auch Snipes und die recht ansehnliche Marie Matiko nichts
mehr retten - Snipes agiert auswechselbar, Matiko allzu unterkühlt. Allein
Maury Chaykin als etwas schusseliger FBI-Ermittler hat die Sympathien auf
seiner Seite. Was aber aus "Art of War" leider auch keinen guten Film macht.
Fazit
Allzu auswechselbare Action mit konfuser Story
Art of War
Originaltitel Art of War
Starttermin 16.11.2000
Genre Action
Daten USA, 117 Minuten
Regie Christian Duguay
Drehbuch Wayne Beach
Darsteller Wesley Snipes, Marie Matiko, Anne Archer, Michael Biehn
Trailer auf offizieller Seite