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Kritik: Ein Königreich für ein Lama



>                 "Ein Königreich für ein Lama"
>               "Residenz" Bückeburg (07.03.2001)


Oha, ist es schon wirklich fast einen Monat her, daß ich einen Film im
Kino gesehen habe?! Nur so ist jedenfalls der "Schmacht" zu erklären,
der mich trotz fortgeschrittener Stunde und vorheriger ausgedehnter
Spätschicht noch ins ferne Bückeburg zog. Die beiden vorherigen Sneaks
habe ich guten Gewissens verpaßt, da weder "Ey Mann, wo ist mein Auto"
noch die Wiederaufführung von "Der Exorzist" auf meinem
Pflichtprogramm standen. Und für heute abend war etwas "richtig Gutes"
angekündigt ... na denn! 

>                         Zum Inhalt ... 

König Kuzco (im Original gesprochen von David Spade / Synchro "Bully"
;-) ist uneingeschränkter Herrscher in seinem südamerikanischen Reich.
Sein Regieren dreht sich nicht in erster Linie um das Wohl des Volkes,
sondern um sein persönliches Wohlergehen. Da fliegt schon mal ein
alter Mann aus dem Palastfenster, weil er den "Groove" des Königs
gestört hat. Man kann wohl zu Recht behaupten, daß Kuzco ein
regelrechter Kotzbrocken ist. 

Ihm zur Seite steht die nicht weniger unsymphatische Beraterin Yzma
(Eartha Kitt), die von Kuzco jedoch wenig geliebt wird und so bei der
erstbesten Gelegenheit ihres Berateramtes enthoben wird. Aus Rache
will sie ihn mit Hilfe ihres tumben Freundes Kronk umbringen, schafft
es dummerweise jedoch nur, eine Verwandlung in ein Lama
herbeizuführen. Der nun gänzlich unköniglich bepelzte Kuzco findet
sich alsbald in Gesellschaft des herzensguten Bauern Pacha (John
Goodman) wieder, der ihm helfen soll, wieder König zu werden. Doch
warum sollte Pacha diesem ausgemachten Widerling einen Gefallen tun? 

>                             Hmm ... 

Oh je, Walt Disney ... ich hasse singende Kaffeetassen und naseweise
Tannenbäume. Und dann wird mir das auch noch in einer Spätvorstellung
vorgesetzt. Das kann ja nichts werden. Aber Kino ist Kino und so blieb
ich ruhig sitzen ;-) Tatsächlich fielen mir sofort zwei Dinge auf:
"Ein Königreich für ein Lama" hebt sich fast schon wohltuend von den
immer photoralistischer werdenden Produktionen á la "A Bugs Life",
"AntZ" oder gar zuletzt "Dinosaurier" ab. 

Die Figuren und die Landschafft sind minimialistisch zweidimensional
gestaltet, so daß ich ab und an sogar dachte, es sieht "billig" aus.
Das zweite war, daß der Titelsong ziemlich ketzerisch mit "hier kommt
der Titel-Song-Fuzzy" angekündigt wurde. Sehr gerne hätte ich nun Tom
Jones gehört, aber aus irgendeinem unerklärlichen Grund, muß bei
Zeichentrickfilmen der Sing-Sang ja immer kaputtsynchronisiert werden.
Nebenbei: Wer kommt auf den Gedanken aus dem wundervollen Titel "The
Emperor's New Groove" diese blöde deutsche Übersetzung zu verbrechen?
Wie dem auch sei ... bis zu den End-Credits war Ruhe mit Singen!
<Applaus> 

Die restliche Geschichte ist schnell (sowohl inhaltlich als auch der
tatsächlich Laufzeit nach) erzählt und verläuft und endet
disneytypisch. Zwischendrin sind einige Späße, die für die jüngsten im
Publikum nicht unbedingt witzig waren. Ich fand die "Fahrstuhlmusik"
(Girl from Ipanema) während des Dinners jedenfalls äußerst gelungen
und auch ein käferfressender Affe, der gar nichts mit der Handlung zu
tun hat - worauf explizit hingewiesen wird, machte mich schmunzeln. 

Äh, das war's dann aber auch schon. Ansonsten ist "Ein Königreich für
ein Lama" eher herkömmliche Zeichentrick-Hausmannskost ohne besondere
Höhen und Tiefen. Gesehen, geschmunzelt und vergessen. Keiner der
Charactere wird dem Zuschauer lange im Gedächtnis bleiben ... außer in
ein paar Monaten, wenn man die Figuren bei McDonalds in der Juniortüte
finden wird.
Andreas
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There's always a bigger fish                letztes Update: 09.03.2001