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Kritik: 15 Minuten Ruhm (2001)






Ich finde ja an jedem Film irgendwie noch was gutes. Auch "15 minutes"
(der deutsche Zuschauer wird wie immer für etwas minderbemittelt
gehalten und das "Ruhm" noch im Titel ergänzt) hat seine guten Seiten.
Einen formidablen Soundtrack, eine nette Idee und hervorragende
schauspielerische Einzelleistungen, womit ich ausdrücklich nicht die
Hauptdarsteller meine. Der Rest sollte eigentlich Schweigen sein, aber
das wäre ja keine richtige Kritik.

Nun denn, also im einzelnen. Die Story basiert auf einer netten Idee,
killen, um berühmt zu werden und sich an den Filmrechten dumm und
dämlichen verdienen, nicht schlecht, nicht schlecht. Wundert mich eh,
wieso da noch keiner drauf gekommen ist. In Amerika kann das
vielleicht wirklich funktionieren, O.J. hat das ja vorgemacht (diese
Parallele habe ich allerdings jetzt aus der Cinema-Kritik geklaut).
Daraus kann man sicher einen hervorragenden Film bauen, keine Frage.
John Herzfeld kann das leider nicht. Das Drehbuch ersäuft in
Harmlosigkeit und viel zu vielen Szenen, wo die Logik dem Effekt
geopfert wurde. Dazu abschließend mehr. Weil inhaltlich, gibt es dann
vorher auch eine Spoiler-Warnung.

Robert DeNiro spielt seit 15 Jahren nur noch Rollen, für die er sich
nicht anstrengen muss. Seinen "Flemming" kurbelt er routiniert und
ohne Herzblut runter, dank seinem naturgegebenen Charisma funktioniert
das auch ganz gut. Aber wenn man die Fratze, die er in jedem Film
zieht, wenn er Alkohol trinkt, das fünfte Mal gesehen hat, ist das
schon nicht mehr sonderlich aufregend. Edward Burns sieht aus wie
Richard Gere vor vierzig Jahren und stolpert sich untalentiert und
unsympathisch durch eine Rolle, die man so stereotyp schon lange nicht
mehr gesehen hat und muss generell als Totalausfall verbucht werden.
Hat sicher noch eine großartige Karriere vor sich, der Mann. Der Rest
der Crew ist aber ansehnlich - Avery Brooks beweist, dass er den
harten "Hawk"-Typen immer noch lässig hinrotzen kann und bleibt in
angenehmer Erinnerung, Kelsey Grammer ist so gut wie lange nicht mehr
und macht endlich mal wieder etwas anderes außer die Frasier-Kuh zu
melken. Der eigentliche Star des Films ist Karel Roden - ein
renommierter tschechischer Charakterdarsteller, den man für seine
Mimik und glaubhaften Wutausbrüche ob seiner schauspielerischen
Leistung so bewundert, dass man ihm fast wünscht, sein Plan würde
aufgehen. Sehr beeindruckend und alleine schon fast den Besuch des
Films wert. Kim Cattrall ist übrigens in einer kleinen Rolle auch mal
wieder zu sehen. Bleibt nicht im Gedächtnis, aber ich hatte schon
angenommen, die wäre gestorben, ohne dass ich es gemerkt hätte.

Die Bilder sind routiniert, und New York eine atemberaubende Kulisse.
Da kann man nichts falsch machen. Zusammen mit dem erwähnten tollen
Soundtrack (unter anderem Maxim und Skin) ergibt das eine glatte und
angenehm anzuschauende Oberfläche, auf originelle visuelle Einfälle
wartet man allerdings leider vergebens. Herzfeld ist Routinier, kein
Künstler. Kommt schließlich vom Fernsehen, da kann man nicht viel
erwarten. Die Videokamera-Szenen nerven allerdings, nicht zuletzt
wegen ihrem inflationären Gebrauch. Die FX gehen durch die Bank in
Ordnung und sind eines "Actionthrillers" würdig.

Bis hierhin also alles in Ordnung. Aber das Drehbuch, meine Güte. Wer
den Film noch sehen will, sollte jetzt aufhören zu lesen (SPOILER!).

Die Idee ist ja nun ganz gut, wird aber nur oberflächlich und
halbherzig umgesetzt. Während andere Regisseure (vor allem wohl Oliver
Stone, der für Natural Born Killers prinzipiell schon dieselbe Idee
hatte) daraus wohl ein bitterböses, zynisches Feuerwerk gemacht
hätten, geht Herzfeld den Weg des glatten Thrillers. Das kann
natürlich zwangsläufig nur an der Oberfläche bleiben, aber so platt
hätte das auch nicht sein müssen. Der Plot twistet hin und her, ohne
wirklich zu berühren. Mir ist unverständlich, wieso fast alle Kritiker
bisher den Film spannend nennen - er ist es nicht. Zu wenig empfindet
man für die Akteure, zu vorhersehbar läuft alles ab. Die einzige echte
Überraschung (die ich dann für die unverbesserlichen Weiterleser hier
doch lieber nicht spoilern möchte) tangiert nicht wirklich, eigentlich
ist es auch dank des differenzierten Spiels von Karel Roden gar nicht
möglich, ihn und seinen tumben Kumpel wirklich zu hassen. Das ist ein
klassischer Bumerang - wie sowas trotzdem funktioniert, hat Kevin
Spacey in Se7en gezeigt. Überhaupt hat sich Herzfeld schamlos bei
Finchers grandiosem Film bedient, das Ende ist in leicht abgewandelter
und wesentlich unglaubwürdigerer Variation direkt gestohlen, natürlich
ohne diese Liga auch nur annähernd zu erreichen. 

Vor den Augen des keineswegs gespannten Zuschauers entfaltet sich also
ein Film, der ganz offensichtlich am Reißbrett konstruiert wurde. Was
sich als Drehbuch vielleicht noch einigermaßen las, funktioniert im
Film dann überhaupt mehr. Da haben auch die logischen Fehler (Am
besten die Szene mit der präparierten Wohnung - während die in Flammen
aufgeht, stehen die beiden "Osteuropäer" auf dem Dach des Hauses
nebenan und schauen zu. Wie lange haben die da gewartet? Drei Tage?)
einen wesentlichen Anteil, aber natürlich auch das konfuse Timing und
der geringe Spielraum, den Herzfeld den meisten Rollen gelassen hat.
Wenn man sich auf drei Hauptdarsteller konzentriert, von denen zwei
entweder nichts taugen oder sich keine Mühe geben, kann das einen Film
dieses Kalibers nur schwer tragen. Unnötige Zeitschinder sind auch
dabei - die "Selbstjustiz, dann aber doch nicht"-Szene im Lagerhaus
ist eine Zumutung für den Zuschauer und soll nur das jämmerliche Ende
vorbereiten. Da man das schon vier Kilometer gegen den Wind riecht,
kann ich wahrlich nicht nachvollziehen, wie man den Film spannend
finden kann. Wo, sagenwirmal "Shaft" ein schwaches Drehbuch noch durch
Coolness und hervorragende Deko ausgleichen konnte, verreckt "15
minutes" völlig. 

Außerdem will man witzig sein, das fordert ja die sattsam bekannte
"Zwei Bullen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten"-Situation
zwanghaft heraus. Das geht natürlich auch völlig in die Hose, DeNiro
hat hin und wieder eine recht gute Punchline, und die "Kann ich bei
Ihnen mitfahren"-Szene ist wirklich lustig. Das war aber auch alles,
und besonders das Ende aus der Kategorie "Berühmte letzte Worte" soll
den Film wohl nachträglich in eine Groteske verwandeln. Wie man *das*
richtig macht, hat David Fincher dann in "Fight Club" auch schon
Meilen besser gemacht. Zusammen mit der unausgegorenen und
aufgesetzten Medienkritik ergibt das ein vernichtendes Gesamtbild.
Keine Szene bleibt im Gedächtnis, nur der Wunsch, DeNiro möge doch
seine Karriere langsam würdevoll beenden, damit man ihn noch halbwegs
anständig im Gedächtnis behalten kann. Und dass Richard Ge...Edward
Burns vielleicht wieder unter den Stein kriechen sollte, unter dem er
hergekommen ist.

Die FSK-Freigabe ab 18 ist ein Witz, der den schlechten Gesamteindruck
noch abrundet. Vielleicht bin ich mittlerweile ein wenig abgestumpft,
aber die Gewaltszenen waren das wohl kaum wert. Bleiben also nur
inhaltliche Gründe, und das ist gerade bei der seichten und wahrlich
wenig gefährdenden Umsetzung ein Hohn.

Ein durchschnittlicher Film, sagt die Kritik. Ein beschissener Film,
sage ich.

Gruß
Tim
-- 
"Frag doch die Band, was sie meint. Sie sind sicher
freundlich."
(Tomte, "Yves, wie hälst du das aus")