[Subject Prev][Subject Next][Thread Prev][Thread Next][Subject Index][Thread Index]
Kritik: 15 Minuten Ruhm
- Subject: Kritik: 15 Minuten Ruhm
- From: "Claus Schlamadinger" <a9804531@unet.univie.ac.at>
- Date: 16 May 2001 09:59:59 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Sat, 16 Jun 2001 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: schlamadinger 144/1606 f000450
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Vienna University, Austria
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: businessnews.de.uu.net de.rec.film.kritiken:1514
Hallo!
170 Cineplexx Palace 20.04.01
15 Minuten Ruhm, USA 2001
Originaltitel: 15 Minutes
Genre: Action, Thriller
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: John Herzfeld
Darsteller: Robert de Niro (Eddie Fleming), Edward Burns (Jordy Warsaw),
Karel Roden (Emil Slovak), Oleg Taktarov (Oleg Razul), Kelsey Grammer
(Robert Hawkins), Avery Brooks (Leon Jackson)
Bewertung in der Internet-Movie-Database: 6,5
Robert de Niro liefert in letzter Zeit einen Flop nach dem anderen ab. Nach
"Makellos" und "Men of Honor" kann er bereits im dritten Film hintereinander
nicht einmal ansatzweise zeigen, das er ein wahrhaft großer Schauspieler
ist.
Worum geht's?
Die beiden Emigranten Emil und Oleg riechen das große Geld als sie in einer
Fernsehshow die Geschichte eines Mörders sehen, der aufgrund eines
psychologischen Attests für unzurechnungsfähig erklärt worden ist und
deshalb für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann. "Das können
wir auch" denken sich die beiden und es trifft sich dabei gar nicht einmal
so schlecht, dass Oleg ein Videojunkie ist, der jede freie Minute mit einer
Videokamera herumläuft. So filmt er zwei Morde die Emil begangen hat und man
versucht dieses begehrte Video an einen TV-Sender zu verkaufen. Gejagt
werden die beiden von den Cops Eddie Fleming und Jordy Warsaw. Fleming ist
der bekannteste Cop in der Stadt was er insofern fördert, als das er mit dem
Fernsehmoderator Robert Hawkins eng zusammen arbeitet. Dieser macht ihn
berühmt, dafür bekommt er auch jede Story exklusiv. Erschwert wird den
beiden Cops die Suche nach den Mördern, weil diese sich vorgenommen haben
einen Prominenten umzubringen, weil sich das in den Medien ja noch um ein
vielfaches besser verkauft....
Ich meine:
Bekannte Namen locken Leute ins Kino, deshalb wird "15 Minuten Ruhm" als der
neue Robert de Niro-Streifen angepriesen. Das dieser dann allerdings
tatsächlich nur ca. 25 Minuten auf der Leinwand zu sehen ist, dürfte da wohl
eher Nebensache sein. Dies ist nur eines von vielen Ärgernissen, welche sich
wie ein roter Faden durch diesen Film ziehen. Eine hanebüchene Story,
erschreckend schlechte schauspielerische Leistungen und ein Soundtrack zum
Gruseln sorgen dafür, dass man spätestens nach einer halben Stunde nervös am
Kinosessel hin und herwetzt und der Blick auf die Uhr im Minutentakt zur
Routine wird.
"15 Minuten Ruhm" versucht krampfhaft medien- und systemkritisch zu sein,
was an und für sich für einen Film ja ein löbliches Vorhaben ist. Das
einzige was dazu fehlt sind eine ausgeklügelte Handlung und Schauspieler,
welche diese intelligent vortragen können. Beides Bedingungen sind hier
nicht einmal ansatzweise vorhanden. Statt eines raffinierten Mörders wie
etwa aus "Zwielicht" und einer Konstellation à la "Doppelmord" (man kann nie
zweimal für das gleiche Verbrechen verurteilt werden), sieht man hier zwei
Volltrotteln an Gaunern, welche ihre Morde auf Video bannen, die
Exklusivrechte an einen TV-Sender verkaufen und sich dann für geistig
unzurechnungsfähig erklären lassen. Und da es in der Welt dieses Films keine
Psychologen gibt, welche diesen Schwindel aufdecken, gelingt das sogar
(nein, das war jetzt nicht das Ende des Films). Was lernen wir daraus? Fahre
nach Amerika, mach einen auf American Psycho und erkläre dem Richter dann,
dass du eine schlechte Kindheit hattest. Nicht nur, dass du dann mit
ziemlicher Sicherheit freigesprochen wirst, nein, du schwimmst dann auch nur
so im Geld, weil du deine Story zur Verfilmung freigegeben hast.
Kann man de Niro ob seines recht kurzen Auftritts nicht so recht beurteilen,
so wiegt der Dilettantismus der anderen Schauspieler dieses Machwerks um so
schwerwiegender. Edward Burns als Softie der zum Berzerker mutiert bleibt
über die gesammte Spielzeit zahnlos, Karel Roden hält mindestens bei 50 %
seiner Auftritte seinen Zeigefinger derart penetrant in die Kamera, sodass
man reinbeißen möchte und an Taktarov sind nur die wunderschönen blauen
Augen faszinierend. Einzig der Kurzauftritt von Avery Brooks - bekannt als
Captain Sisko aus "Deep Space Nine" kann zumindest Star Trek-Fans ein
freudiges Lächeln entlocken.
Ich habe keine Ahnung was sich Robert de Niro gedacht hat, seinen Namen für
dieses Machwerk herzugeben. Die Grundidee ist noch das beste am Film und
vielleicht hat er schließlich und endlich doch noch einen Nutzen für die
Kinowelt, Er ist ein herrlich abschreckendes Beispiel dafür, wie man nicht
an dieses Thema herangeht.
Fazit: "15 Minuten Ruhm" wären genug gewesen um den Zuschauer zu belästigen.
Persönliche Bewertung des Films: 3/10.
Spannung: Unterhaltung: Spaß: Anspruch: (Wertung bis 5)
2 2 2 1
für Fans von: Eine Frage der Ehre, Gegen jede Regel
mehr von John Herzfeld (Regie)?
mehr von Robert de Niro? Men of Honor, Ronin, Jackie Brown
mehr von Edward Burns? Saving Private Ryan, She's the one
weitere Kritiken: www.imdb.com
www.filmkritik.at
offizielle Site: http://www.15minutesmovie.com/
Grüße,
Claus
(c) Claus Schlamadinger
--
_____________________________________________
Wähle den Film des Monats April
Jetzt auf:
SCHLADIS FILMPAGE - Die HP für den versierten Kinobesucher
Filmkritiken & mehr unter: http://beam.to/filmkritik