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Kritik: A.I.



Hallo!

Spoilerwarnung. In dieser Kritik fällt der eine oder andere Spoiler der zwar
den Filmspaß nicht trübt, aber doch ein wenig auf die Handlung eingeht.

228                    Apollo Wien                    11.09.01

A.I., USA 2001
Genre: Drama
Laufzeit: 145 Minuten
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Haley Joel Osment (David), Jude Law (Gigolo Joe), Frances
O'Connor (Monica Swinton), Sam Robards (Henry Swinton), Jake Thomas
(Martin), William Hurt (Professor Hobby)

Bewertung in der Internet-Movie-Database: 7,2

Ein begonnenes Werk von Stanley Kubrick, welches Steven Spielberg vollendet
hat sollte eigentlich für einen Film der Extraklasse bürgen. Doch leider
wusste Spielberg nicht wann es genug ist und lässt "A.I." zu einer endlos
langen Farce verkommen.

Worum geht's?

In einer hoffentlich noch weit entfernten Zukunft steht die Wissenschaft vor
einem Quantensprung bei der Konstruktion von künstlicher Intelligenz.
David - ein kleiner Junge - ist der Prototyp einer neuen Generation von
Roboter. Diese können nicht nur genau so agieren wie Menschen, sondern sie
können auch lieben. Nun geht es nur noch darum dieses Programm zu testen und
dafür wählt man die Familie Swinton aus, welche David als ihren Sohn
annehmen soll. Die Swintons haben nämlich ein besonderes Schicksal zu
beklagen, liegt deren Sohn Martin doch schon seit fünf Jahren im Koma. Mit
den Erscheinen von David erwacht auch wieder die bis dahin völlig
lethargische Monica und aktiviert bald nach seiner Ankunft den
"Gefühlschip". David sieht Monica nun als seine Mutter an welche er über
alles auf der Welt liebt. Alle sind zufrieden, doch dann geschieht das
Unvorstellbare. Sohn Martin erwacht aus dem Koma und kann schon bald darauf
wieder nach Hause entlassen werden. Dieser eifert mit David um die Gunst der
Mutter und schon bald kann Martin seinen Kontrahenten bei seinen Eltern
anschwärzen. Daraufhin soll David zurück an die Erzeugerfirma geschickt und
deaktiviert werden.

Monica allerdings ist nicht bereit David abschalten zu lassen und setzt ihn
deshalb gemeinsam mit seinem kleinen Freund Teddy - ein Supertoy welches
sowohl sprechen als auch laufen kann - im Wald aus. David ist verzweifelt,
hat ihn doch seine über alles geliebte Mutter einfach ausgesetzt. Er führt
es darauf zurück das sie lieber einen echten Jungen als bloß eine Kopie
davon hat. Deshalb beschließt er, sich auf die Suche nach der blauen Fee zu
machen. Diese nämlich - so hat es ihm Monica in einer der zahlreichen Gute
Nacht-Geschichten erzählt - hat auch schon Pinocchio in einen lebendigen
Jungen verwandelt. Gemeinsam mit Teddy trifft er auf Gigolo Joe, der David
nach anfänglichem Zweifel hilft die blaue Fee zu finden....

Ich meine:

Schon anfang der 80er Jahre wurde Stanley Kubrick durch die Kurzgeschichte
"Superspielzeug hält den ganzen Sommer" von Brian W. Aldiss (nachzulesen
übrigens in der aktuellen Ausgabe von "Ray") zu der Handlung von "A.I."
inspiriert. Leider hielt er es damals für unmöglich seine Visionen mit der
damaligen Technologie glaubwürdig zu realisieren, deshalb verschwand sein
Projekt wieder in der Schublade. Vergessen hat er es allerdings nicht, doch
leider war es ihm
nicht mehr vergönnt sein Baby selbst zu verfilmen. Steven Spielberg nahm
sich des Projekts seines Freundes an und schließlich gelang es doch noch das
von  Kubrick begonnene Werk in die Kinos zu bringen. Doch bei aller
Wertschätzung für Spielberg, dass er das Projekt seines verstorbenen
Regiesseurkollegen doch
noch finalisierte: "A.I." ist aufgrund der extrem hohen Erwartungshaltung
eine einzige, herbe Enttäuschung.

Noch selten zuvor konnte man in einem Film einen stärkeren Kontrast zwischen
den agierenden Schauspielern und der Handlung in welcher sie sich bewegen
erkennen. In der zwar vom ethnischen Standpunkt aus höchst interessanten,
aber leider recht dünnen und mit Fortlauf  immer hanebücheneren Story,
liefern sämtliche Haupt- und Nebendarsteller eine oscarreife Vorstellung ab.
Doch das rettet den Film leider nur bedingt, watet die Story doch viel zu
tief im Kitsch, wird zusehends zielloser und endet mit einem an den Haaren
herbeigezogenem, peinlichem Finale.

Die Handlung kann man in drei fließend ineinander überlaufende Kapitel
einteilen. Die erste Stunde lang hält man sich ziemlich genau an die Vorlage
von Aldiss und zeigt, wie Roboter David von der Familie aufgenommen und
langsam aber sicher vom Haushaltsgegenstand zum Familienmitglied "befördert"
wird. Dieser Teil ertrinkt zwar nahezu im Kitsch, ist aber dennoch äußerst
feinfühlig und sympathisch und dank der Leistungen von Osment und O'Connor
macht es wirklich Spaß dem Geschehen zu folgen. Doch zu dem Zeitpunkt, als
Monica David im Wald aussetzt um ihn vor der Deaktivierung zu bewahren, ist
der Film eigentlich schon zu Ende. Was danach folgt ist äußerst mühsam zu
ertragen und es ist noch ein sehr langer Weg hin zum Abspann.

David trifft auf Roboter Joe, dessen Aufgabe es ist einsame Frauenherzen zu
beglücken. Sowohl die einleitenden Dialoge zu Beginn des Films als auch Joe
stellen die Kernfragen: Wie weit darf man bei der Entwicklung von
künstlicher Intelligenz gehen? Wie schaut es mit der Verpflichtung der
Menschen gegenüber den Roboten aus, wenn man ihnen Gefühle verleiht? In
diesem Film ist die Wissenschaft zu weit gegangen, denn man entwickelte in
einer derartigen Geschwindigkeit Roboter nach menschlichem Ebenbild, sodass
man sich eines Tages eingestehen muss die Entwicklung nicht mehr unter
Kontrolle zu haben. Einige Gruppierungen veranstalten deshalb das
alljährliche Fleischfest, auf dem nicht registrierte Roboter im Rahmen einer
Show standesrechtlich auf grausame Art und Weise demoliert werden. Diese
ziemlich kranke Veranstaltung ist der Ausgangspunkt zum zweiten Teil der
Geschichte. David begibt sich gemeinsam mit Joe auf die Suche nach der
blauen Fee, die auch schon Pinocchio in einen richtigen Jungen vewandelt
hat. Ziellos wandert man umher, doch dann hat Joe die rettende Idee: Dr.
Know (eine Jahrmarktsattraktion) muss befragt werden, denn der weiß alles -
und prompt teilt er David mit, wo er die blaue Fee finden kann.

Als ob diese Suche nach der blauen Fee nicht schon eine ziemlich, ähem,
schwachsinnige Idee wäre, so geht Spielberg noch einen Schritt weiter: David
findet die blaue Fee - zwar nicht unbedingt so wie er sich das vorgestellt
hat, aber immerhin. Wäre der Film jetzt zu Ende gewesen, hätte man noch
einigermaßen wohlgesonnen den Kinosaal verlassen können, aber was Spielberg
in den letzten 25 Minuten fabriziert hat, stellt jeden Kitsch, der jemals
über die Leinand geflimmert ist, in den Schatten. Gegen diese letzten
Filmminuten ist Spielbergs "E.T." ein Hardcorestreifen. Völlig abstrus zieht
man diesen völlig unnötigen Teil in die Länge und obwohl man zwar feinfühlig
und mit wunderschöner Musikuntermalung auf die Tränendrüse drücken will,
muss man ob der peinlichen Dialoge eher schon lachen.. Wie kann einem nur so
ein Schwachsinn einfallen?

So sind es neben den Schauspielern die kleinen Dinge des Films, welche ihn
gerade noch ins Mittelmaß heben. Der Off-Kommentar von Ben Kingsley ist
ebenso einfühlsam wie der von Robin Williams gesprochene Dr. Know witzig,
die Special Effects stehen auf ziemlich hohem Niveau (allen voran die
perfekte Animation von Davids Teddy) und phasenweise ist die Musik echt zum
dahinschmelzen. Diese Kleinigkeiten lindern den Ärger über eine vergebene
Chance einen richtigen
Kinohit zu landen zwar nur ein wenig, aber wie an einem Strohhalm klammert
man sich halt an diesen kleinen Freuden.

"A.I." hätte eine wesentliche Reduktion der Spielzeit mehr als gut getan.
Sowieso schon lächerliche Szenen sind mitunter allzu sehr in die Länge
gezogen und den letzten Part hätte man sich auf jeden Fall sparen können.
Die ethnische Frage welche der Film aufwirft verdient natürlich seine
Beachtung und könnte nach dem Kinobesuch sehr wohl zu der einen oder anderen
Diskussion führen, doch wenn man einen Film mit dieser Thematik sehen will,
dann greift man lieber zu "Der 200-Jahre-Mann".

Fazit: "A.I." ist mit seinen zahlreichen im Kitsch ertrinkenden Szenen und
einem Finale jenseits von Gut und Böse eine riesengroße Enttäuschung - noch
dazu wenn man bedenkt, dass der Name Spielberg normalerweise für Qualität
bürgt.

Persönliche Bewertung des Films: 5/10.
Spannung: 2   Unterhaltung: 2  Spaß: 1  Anspruch: 4 (Wertung bis 5)

für Fans von: Der 200-Jahre-Mann
mehr von Steven Spielberg (Regie)? Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan,
E.T.
mehr von Haley Joel Osment? Sixth Sense, Das Glücksprinzip
mehr von Jude Law? eXistenZ, Enemy at the gates, Der talentierte Mr. Ripley
mehr von Frances O'Connor? Teuflisch, Alles über Adam, Mansfield Park

weitere Kritiken: www.imdb.com
                          www.filmkritik.at
offizielle Site: www.aimovie.com

Grüße,

Claus

(c) Claus Schlamadinger


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