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Kritik: American Pie 2 (2001)



American Pie 2

Januar 2000: ich saß im Kino und erwartete einen grauenhaft schlechten Film.
Es war American Pie und ich fand ihn eigentlich ziemlich gut. Besser sogar,
als meine damalige Rezension vermuten lässt. Ich hatte in der Tat eine
Teeniekomödie gesehen, die mich ziemlich gut unterhalten hat. Fein!

Oktober 2001: ich sitze im Kino und erwarte eine herrlich unterhaltsame
Fortsetzung. Der Trailer war brüllkomisch und die Kritiker überschwänglich.
Aber was soll ich sagen: American Pie 2 ist ein wenig enttäuschend. Der Film
hat zwar einige wirklich guten Szenen, aber der Kontext wirkt stümperhaft
zusammengeschustert: ging es in Teil 1 noch darum, dass alle Protagonisten
ihre Unschuld verlieren, so zielt Teil 2 darauf ab, noch einmal einen
gemeinsamen Sommer zu verbringen. Ein schöner Ansatz, aber von der Grundidee
schon wesentlich melancholischer. Und damit kommt das Problem auf, an dem
American Pie 2 weitestgehend scheitert: das Tempo ist schon zu Beginn zu
langsam, um daraus eine furiose Komödie zu bauen. Anstatt das Ganze dann
eben in dieser Dawson's Creek-Melancholie geschehen zu lassen, wird das
Tempo mit Hilfe der neuesten Skatepunk-Titel und einiger
Boulevardkomödienelemente (im Schrank verstecken) angezogen.

Die Slapstickelemente fallen ein bisschen weniger derb aus als im ersten
Teil, es geht um echte Gefühle und das alles stünde dem Film auch sehr gut.
Die einzelnen Episoden sind meist durchaus lustig, aber der Zusammenhang
fehlt zu oft. Das Ende ist viel zu vorhersehbar und die Musik meist einfach
nervig. Die Szenen, in denen Jim (Jason Biggs) von seinem Vater (Eugene
Levy) versichert bekommt, dass "das alles" gar nicht peinlich ist, sind
wieder großartig, treten aber leider inflationär auf.

Wenn ich hier vor meinem PC sitze und mich an den Film erinnere, dann sind
es sehr vergnügliche Dinge, die mir einfallen. Wenn ich mich aber daran
erinnere, wie es mir im Kino erging, dann war ich eher genervt. Das liegt
nicht an den Grundideen oder den Schauspielern, im Nachhinein fällt es mir
sogar schwer zu sagen, was mich wirklich aufgeregt hat, aber es war etwas,
das das Grundprinzip der Komödie zerstört hat, die Unterhaltung für den
Moment.

Der Spagat zwischen albern und ernst gelingt nicht so gut wie im ersten
Teil, was auch wieder am Tempo liegt: während Teil 1 immer schneller wurde
und zum Ende hin entspannt ausklang, wird Teil 2 mal schneller, mal
langsamer und eiert zwischen wirklich lustigen Episoden hin und her, die
scheinbar erst am Schneidetisch ihren Platz im Kontext gefunden haben.

Mit dem Abstand von zwei Stunden ist der Film längst nicht mehr so schlecht,
wie er mir zunächst erschien, aber begeistern konnte er mich auch nicht.
Wenn ich jetzt das Gesamturteil unter meinen Text schreibe, höre ich die
Zielgruppe schon glucksen, ich hoffe aber, dass ein dritter Teil ausbleiben
wird. Bye bye, Miss American Pie...

befriedigend

American Pie 2
OT: American Pie 2
USA 2001, 105 min.
Regie: James B. Rogers
Darsteller: Jason Biggs, Shannon Elizabeth, Alyson Hannigan, Sean William
Scott, Chris Klein, Mena Suvari
Für Fans von: American Pie, Road Trip, Schule, Dawson's Creek (TV)
Link: http://movies.uip.de/americanpie2
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"Good morning son, I am a bird, wearing a brown polyester shirt"
(Ben Folds - Still fighting it)

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