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Kritik: Angel Eyes (2001)



Angel Eyes
Originaltitel: Angel Eyes

USA 2001
Genre:  Drama/Mystery/Liebesfilm
Besetzung:  Jennifer Lopez (Sharon Pogue), Jim Caviezel (Catch), Terence
Howard (Robby), Sonia Braga (Josephine Pogue), Jeremy Sisto (Larry), Shirley
Knight (Elanora)
Regie:  Luis Mandoki
Drehbuch:  Gerald DiPego
Kamera:  Piotr Sobocinski
Produktion:  Mark Canton, Elie Samaha
Musik:  Marco Beltrami
Filmlänge:  104 Min.
Start (in D):  25.10.2001
FSK:  ab 12 J.
Verleih:  Warner Bros.
www.angeleyes-derfilm.de


Bewertung: 3 von 6 Punkten

Inhalt:   Polizistin Sharon Pogue ist oft allein und am liebsten auf
Nachtschicht unterwegs. Sie ist eine gute Polizistin, den täglichen
Anfeindungen der Straßenszene entgegnet sie stets mit toughen Sprüchen und
harter Hand. Doch der hohe Stressfaktor hinterlässt Spuren. Als es eines
Nachts zu einem Anschlag auf ein Stammlokal ihrer Kollegen kommt, entgeht
sie dem Kugelhagel nur knapp. Sie nimmt die Verfolgung eines Verdächtigen
auf, schätzt aber das Verhalten falsch ein und gerät in einen Hinterhalt.
Aus dem Dunkel taucht plötzlich ein geheimnisvoller Fremder auf, der den
Killer entwaffnen und Sharons Leben retten kann. Er nennt sich Catch, lebt
in einer fast leeren Wohnung und scheint kaum Kontakt zu anderen Menschen zu
haben. Doch Sharon und Catch sind sich schon einmal begegnet. Officer Pogue,
die sich mit Männern sehr schwer tut, verliebt sich in ihren geheimnisvollen
Retter. Bevor aber eine ernsthafte Beziehung entstehen kann, müssen sich
beide von der Last offener Wunden aus der Vergangenheit befreien.


Kritik:  Es ist oft nicht schwer die Handschrift eines bestimmten Regisseurs
zu erkennen. Man denke beispielsweise an die minutenlangen Einstellungen
eines Brian dePalma, die sich selten wechselnde Perspektive eines Woody
Allen oder die verrückten, düsteren Einfälle eines David Fincher. Der
geniale Regisseur und Schauspieler Orson Welles ("Citizen Kane") hat einmal
gesagt: "Ein Werk kann nur in dem Maße gut sein, wie es den Menschen zum
Ausdruck bringt, der es geschaffen hat". Die Handschrift Luis Mandokis
("When a man loves a woman" (1994), "Message in the bottle" (1999)) ist zwar
nicht leicht zu entziffern, doch seine Filme hinterlassen ganz bestimmte
Spuren. Mandoki ist ein Freund des Bluff-Kinos, das darauf aus ist, dem
Publikum zu schmeicheln. Wenn das Publikum aus solchen Filmen kommt, soll es
sich besser oder intelligenter fühlen. Mandoki versteht es sehr gut
Stimmungen zu erzeugen und traut sich dabei nur so weit an seine
Protagonisten heran, dass das jeweilige Verhalten zwar ersichtlich aber
dennoch unverständlich bleibt. Eine behutsame Schauspielerführung ist ihm
sehr wichtig. Das heißt aber noch lange nicht, dass es eine gute
Schauspielerführung ist. In diesem Falle geht es um eine selbstbewusste aber
innerlich zerrüttete Polizistin (wer passt hier besser als Jennifer Lopez in
ihrer dritten Polizistenrolle). Sie verliebt sich in einen Engel. Zumindest
kommt es ihr so vor. Jim Caviezel als Engel Catch muss also nicht mehr
unternehmen als unspektakulär unnahbar zu bleiben. Ihm fällt hier die wohl
leichteste Aufgabe zu. Mandokis Handschrift sorgt nun dafür, dass eine
vorsichtige, fast zärtliche Stimmung entsteht, die zwangsläufig in der
großen Liebe enden muss. Das Ende ist von der ersten Minute des
Zusammentreffens der beiden Hauptdarsteller klar. Wie fülle ich diese
Liebesgeschichte nun mit Leben? Mandoki kleistert das Gerüst mit einer
pseudo-neugierigen Fassade zu. "Was mag in der Vergangenheit wohl
vorgefallen sein, dass Person x nur so reagieren kann?" Ein beliebtes
Stilmittel, das auch hier angewendet wird, ist die Rückblende.
Bedeutungsschwangere Dialoge werden mit diesem beliebten Mittel aufgelockert
und dienen fortan dem Zweck, die Fassade anzufüllen - fertig ist die düstere
Romanze. Ist es wirklich so einfach? Ja und Nein! Die Gefahr ins allzu
Kitschige ("Message in the bottle") abzurutschen liegt in diesem Genre näher
als irgendwo anders. Doch Mandoki versteht sein Handwerk. Gemeinsam mit
seinem Script-Autor Gerald DiPego, mit dem er schon öfter zusammen
gearbeitet hat, verzichtet er auf lange Einstellungen einer trauten
Zweisamkeit und vor allem auf schwülstige Musik. Heraus kommt ein Film, der
handwerklich sauber erarbeitet aber dennoch innerlich seelenlos und leer
wirkt. Seine dünne Handschrift hat ihn verraten.

--
Christian Gertz


www.mehrfilm.de