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Kritik: America's Sweethearts



America's Sweethearts

Sie hatten so viele bezaubernde Rollen zusammen. Sie waren das
Traumpaar von Hollywood, jeder liebte sie und ihre eigentlich
grottenschlechten Filme. Doch bereits seit 18 Monaten ist das
Schauspielerehepaar Eddie Thomas (John Cusack) und Gwen Harrison
(Catherine Zeta-Jones) getrennt, nur weil der schleimige
Nebendarsteller Hector (Hank Azaria) in Gwen die Leidenschaft entfacht
hat. Die Folgen von dieser Affäre waren jedoch erheblich, so landete
Gwen auf der Liste der meistgehaßten Filmdiven Hollywoods und Eddie
nach einem angeblichen Mordanschlag in der Klapse und versucht sich
seitdem von einem Guru (Alan Arkin) den Frieden wiedergeben zu lassen.
Jetzt soll endlich ihr letzter gemeinsamer Film in die Kinos kommen,
die Sci-Fi-Romantik-Schmonzette "Time over Time", die jedoch der
preisgekrönte Regisseur Hal Weidmann (Christopher Walken) in Szene
gesetzt hat. Für Produktionschef Dave Kingman (Stanley Tucci) jedoch
ein Problem, so ist er selber doch das totale Ekel und Weidmann einer
der wenigen die es immer wieder wagen ihm die Stirn zu bieten. Und da
Weidmann nun mal auch ziemlich verschroben ist weigert er sich den
Film Klingman vorab zu zeigen. Erst bei der offiziellen
Pressevorführung sollen auch die Studioleute ihn sehen. Auftritt Lee
Phillips (Billy Crystal). Der PR-Manager hat sich eigentlich grade mit
seinem Boss Klingman überworfen und packt seine Sachen zusammen um
seinem naiven Gehilfen Danny Wax (Seth Green) den Stuhl frei zu
machen, da wird er von Klingman geradezu angebettelt die
Pressebetreuung zu übernehmen und alles zu tun um die Journalisten von
dem eigentlichen Film, den sich Klingman als Desaster vorstellt,
abzulenken. Einzige Möglichkeit dafür ist es jedoch Gwen und Eddie
wieder vereint zu zeigen, und so setzt Lee die Pressevorführung nicht
nur in einem von jeglicher Zivilisation entfernten Hotel an, sondern
macht sich auch daran seine zwei Stars davon zu überzeugen ebenfalls
zu erscheinen. Während er mit dem labilen Eddie noch leichtes Spiel
hat ist es mit Gwen schon schwerer. Doch er kann auf die Hilfe von
Gwens Managerin und Schwester Kiki (Julia Roberts) setzen, die jedoch
auch zur persönlichen Sklavin des Starlets geworden ist und sich
ständig herumkommandieren lassen muss. Das Chaos nimmt seinen Lauf,
besonders als alte Gefühle zwischen Kiki und Eddie wieder erwachen und
auch Lees Ideen nicht alle funktionieren...

In der ersten halben Stunde entwickelt sich der Film zu einem wahren
Gagfeuerwerk für Cineasten, normalsterbliche Kinobesucher verstehen
viele Anspielungen auf das Hollywood-Geschäft und die Allüren seiner
Stars natürlich nicht. Danach wird jedoch die Chance auf eine
grandiose Satire verschenkt. Im Mittelpunkt von "America's Sweetheart"
steht anfangs noch das Hollywood-Paar Gwen und Eddie und deren
Beziehung zum Filmgeschäft - und die Beziehung des Filmgeschäfts zu
ihnen. Doch mehr und mehr wird der sarkastische Teil von der Romanze
im Film verdrängt, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass Julia
Roberts hier immer noch die erste Geige spielt. Normalerweise tut ein
Star alles um im Mittelpunkt zu stehen. Hier versucht Miss Roberts
schon selber nicht aus dem Gross der Stars hervorzuleuchten, das
Drehbuch läßt ihr jedoch keine andere Wahl. Und so wird aus den
anfänglichen Hauptfiguren schnell Nebenfiguren, was den Erzählrythmus
des Films allerdings auch stört. In der zweiten Hälfte gehen
zusätzlich noch die Ideen langsam flöten. Manche Gags sind richtige
Kracher, andere wagen kaum zu zünden, pointiert sind sie jedoch mit
zunehmender Zeit gar nicht mehr.
Sympathisch bleibt der Film trotzdem durchgängig, was jedoch
hauptsächlich den Darstellern zu verdanken ist. Catherine Zeta-Jones
bleibt etwas blaß, auch Julia Roberts bekommt nicht gerade die Chancen
um ihr Talent zu beweisen, dafür dürfen jedoch beide mit Lächeln und
Ausstrahlung überzeugen. John Cusack, Hank Azaria und Billy Crystal
hingegen geht es da besser. Cusack kann sich als Nervenwrack
ausspielen, Azaria gibt den schwachmatigen Lover Gwens mit einer
wunderbaren Persiflage der Latin Lover-Klischees, Crystal hingegen
überzeugt als einfallsreicher PR-Betreuer, der auch die besten Dialoge
im ganzen Film hat, seine stärksten Szenen sind trotzdem dann wenn er
mit einem läufigen Hündchen zu kämpfen hat. Gegen Ende dann gibt
Christopher Walken noch als gefeierter Star-Regisseur, der anscheinend
in den 70ern Stecken geblieben ist, ein grandioses Stelldichein und
liefert noch einmal ein Highlight im Film ab, dass jedoch von dem
drögen Happy End überschattet wird. Etwas mehr Mut zur Überspitzung,
etwas mehr Dreck auf Hollywoodklischees zu werfen hätte dem Film mehr
als gut getan. So bleibt ein sehr amüsantes, gut gespieltes
Romantik-Komödchen, dass recht unentschlossen hin- und herpendelt.
Halt was für Zwischendurch.

Fazit: 7/10

Sebastian Schmidt

Mehr Infos zum Film:
http://www.more-magazin.de/showmovie.php?id=429