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Kritik: American Pie II
- Subject: Kritik: American Pie II
- From: Sebastian Schmidt <schmidt@more-magazin.de>
- Date: 8 Dec 2001 15:01:35 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Tue, 08 Jan 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
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American Pie II
Am Ende der Highschool hatten sie sich geschworen, dass nun alles
anders wird. Und, was ist jetzt? Nach einem Jahr College sind Jim
(Jason Biggs), Oz (Chris Klein), Kevin (Thomas Ian Nichols) und Finch
(Eddie Kaye Thomas) immer noch nicht schlauer. Nach ihren ersten
sexuellen Schritten nach dem Abschlußball, der sie wenigstens zu
kleinen Männern machte, wollten sie endlich richtige Männer werden,
aber das College hat ihnen nicht wirklich was gebracht, die einen sind
traurig darum, die anderen nicht. Oz und seine große Liebe Heather
(Mena Suvari) sind nicht mehr zu trennen, Kevin schwelgt immer noch in
den Erinnerungen an seine Ex-Freundin Vicky (Tara Reid) und Finch will
immer noch nur Stifflers Mutter (Jennifer Coolidge) poppen, was
zwischen ihm und dem notorischen Schürzenjäger Steve Stifler (Seann
William Scott) endgültig Krieg ausgelöst hat. Und Jim? Der liegt am
letzten Collegetag mit einer schicken Blondinne im Bett die nur eines
will: Sex pur! Wie schade, dass Jim immer noch keine Ahnung hat wie
das geht und dass er eine eher negative Überraschung erlebt, als seine
Eltern ihn abholen wollen und beim Geschlechtsakt erleben dürfen.
Damit endet auch Jims neue große Stunde in einem Desaster.
Der Sommer soll nun alles entscheiden. Die vier Jungs beschließen ein
Haus am Strand zu mieten und alle willigen Summer-Girls aufzureißen,
eine große Party am Ende des Sommers soll der Höhepunkt werden. Doch
alle haben so ihre Probleme damit. Oz bleibt die treue Seele, auch
wenn es Heather nach Italien verschlägt und die beiden sich mit
Telefonsex begnügen müssen. Kevin hingegen muss nun dauernd wieder
Vicky sehen, die jedoch nur noch seine Freundschaft will. Und Finch
bereitet sich auf sein Treffen mit Stifflers Mom vor indem er sich dem
Tantra verschreibt. Jim hat hingegen ungeheure Angst, denn am Ende des
Sommers will Nadja (Shannon Elizabeth) ihn besuchen und endlich das zu
Ende bringen was ihr im letzten Schuljahr nicht gelang, sie will aus
Jim einen Mann machen. Nur Stifler, der auch notgedrungen mitkommen
durfte, scheint überglücklich zu sein, schließlich hat seine Masche
noch nie versagt, und so hat er es schließlich darauf abgesehen die
zwei heißblütigen Lesben von nebenan zu bekehren...
Was soll ein Film erbringen? Jeder Film muss sich Ziele setzen und
dann alles tun um diese zu erreichen. Im Fall von "American Pie II"
war dieses Ziel nur eines: die Zuschauer zum lachen zu bringen. Die
Story wird dabei doch ziemlich egal. Dass dem absoluten
Überraschungserfolg "American Pie", der jetzt schon zu den Klassikern
des Teen-Films gehört und eine ganze Welle politisch nicht immer
korrekter Filme dieses Genres auslöste, eine Fortsetzung folgen mußte,
war wohl seit der Brechung der 100 Millionen Dollar Marke klar. Angst
muss man nach dem noch größeren Erfolg der Fortsetzung in den Staaten
jedoch vor einem dritten Teil haben, denn der könnte ganz schön lausig
werden, auch wenn der zweite Teil doch ziemlich nahtlos an den Stil
des Originals anknüpft. Lachen bis der Arzt kommt ist auch hier
angesagt, doch im Endeffekt sind die Witze eher eine Kopie der des
ersten Teils. Durfte der gute Stifler hier noch Bier mit
Sperma-Beigabe trinken, so wird ihm hier auf den Kopf geschifft und es
dauert lange bis er merkt was vor sich geht. Und so hat man die
meisten Witze in "Pie II" schon in einer Variation im ersten Teil
gesehen. Doch das merkt man kaum, der Film ist so lustig, dass man
auch nicht merkt wie wenig Potential die Story doch hat, ein Manko,
dass dem Script des ersten Teils nicht nachgesagt werden konnte.
"American Pie" lebte hauptsächlich von seinen vielen verschiedenen
Figuren, die liebevoll in jedes Chaos stolpern durften. Im zweiten
Teil hat der größte Teil der Charaktere jedoch kaum noch eine Chance
und wird zur bloßen Staffage. Vor allem leidet darunter die Figur des
Oz, der im ersten Teil noch eine richtige Hauptrolle hatte. Da er aber
nicht mehr hinter Mädels herbaggern darf wie seine Kumpels wird er
jedoch sehr uninteressant, so finden Oz und seine Freundin Heather
ihre eigenen Szenen nur dank den Telefonsexspäßen, die jedoch recht
schwach sind. Auch Kevin, der im Vorgänger schon recht blaß war, darf
hier sich nicht weiter entwickeln, eigentlich heult er nur wegen Vicky
rum, ansonsten ist er unwichtig. Finch hingegen darf auf dem Level
stehen bleiben, den er bereits im ersten Teil hatte, er ist immer noch
der schräge Loser und sorgt für so manchen guten Gag. Stifler darf
sich aber freuen. Anscheinend zu Gunsten der mittlerweile sehr hoch
gestiegenen Popularität von Schauspieler Seann William Scott wird aus
einer Nebenfigur eine Hauptfigur, der auch der zweit größte Raum im
ganzen Film zugebilligt wird - und der die meisten Lacher einsacken
darf. Im absoluten Mittelpunkt steht jedoch, noch wesentlich stärker
als im ersten Teil, Jim, der trottlige Junge, der immer alles versaut
und keine Peinlichkeit auslassen kann. Er darf beim Masturbieren statt
Gleitmittel Kleber benutzen (die Folgen kann man schon erahnen), er
darf eine Posaune in den Hintern bekommen und später kleine Kinder mit
selbiger schlagen. Ausgebaut wird dann auch zu Gunsten der Love Story,
denn auch Jim soll mal Glück haben, die Rolle von seinem One Night
Stand Michelle (Alyson Hannigan), die ihm zeigen soll was Frauen
wirklich mögen. Alle anderen Frauenrollen von Vicky bis Nadja kann man
jedoch vergessen, keine ist insgesamt länger als zehn Minuten auf der
Leinwand zu sehen.
Trotz derber Späße bleibt "American Pie II" für jeden sympathisch, was
jedoch hauptsächlich daran liegt, dass die Gags einfach nicht genug
Biss haben um zu schocken und so trotzdem in ihren Konventionen
stecken bleiben. Nach Werken wie "Road Trip", "Tomcats" und den
Attacken der Farrelly-Brüder ist es schon relativ normal geworden wenn
jemandem auf den Kopf gepullert wird, früher noch ein Ekeleffekt,
heute dank Abhärtung nur noch Nonsens. So bleibt der Film eigentlich
nur interessant, weil man die Charaktere halt im ersten Teil lieb
gewonnen hat und sich mit ihnen identifizieren konnte. In Teil 2
hingegen fehlt die Identifikationsmöglichkeit, einfach weil hier keine
glaubwürdige Geschichte erzählt wird. Und was man auch merkt ist, dass
hier einige Handlungsstränge abgekürzt wurden, so gab es mehrere
Szenen in den der Schauspieler Christopher Penn als Stiflers Vater zu
sehen war, auch wurden einige Gags abgemildert. Schade, man kann nur
auf eine DVD-Edition mit vielen Deleted Scenes hoffen. So gibt es
jedoch zwischendurch auch Szenen, die eher einer Soap entsprungen sein
könnten, Szenen die keine Gags haben, lang sind, die Story nur minimal
vorantreiben und deshalb auch für entsprechende Längen im
Gesamtkonzept sorgen.
Auch wenn die Fortsetzung an den ersten Teil nicht heranreichen kann,
so ist er für Fans natürlich ein Muß, dass auch äußerst spaßig
ausfällt. Wer den ersten Teil jedoch nicht kennt muss sich das Sequel
auch nicht geben, zumal so mancher Gag dadurch unverstanden im Sande
versinken würde.
Fazit: 7/10
Sebastian Schmidt
Mehr Infos zum Film:
http://www.more-magazin.de/showmovie.php?id=363