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Kritik: 40 Tage & 40 Nächte
- Subject: Kritik: 40 Tage & 40 Nächte
- From: David Bergmann <david@the-x-perience.de>
- Date: 30 May 2002 06:32:22 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Sun, 30 Jun 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: bergmann 42/1986 imdb0243736
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Reply-to: david@the-x-perience.de
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2031
OT: 40 Days & 40 Nights
--- Story kurz angerissen ---
Als die Beziehung zwischen Matt Sullivan (Josh Hartnett) und seiner
Traumfrau Nicole (Vinessa Shaw) in die Brüche geht, ist Matt am Boden
zerstört und psychisch gebrandmarkt. Sobald er mit anderen Frauen Sex
hat oder haben sollte, geht nichts mehr. Physisch ist er zwar noch auf
der Höhe, doch den Kopf bekommt er einfach nicht mehr frei; ständig
hat er das Gefühl, in ein schwarzes Loch zu fallen. Für seinen
Mitbewohner und besten Freund Ryan (Paulo Costanzo) ist das nur schwer
zu verstehen, und hartnäckig schleppt er Matt von einem Date zum
nächsten ... ohne Erfolg.
Schließlich kommt unserem geplagten Casanova die zündende Idee:
Enthaltsamkeit. Für 40 Tage will Matt sexuelle Kontakte jeglicher Art
meiden. Kein Küssen, kein Petting, kein gar nichts. Während dieses
Vorhaben in der Theorie noch relativ praktikabel klingt, wird es in
der praktischen Ausführung durch Ryan verkompliziert, der den
Arbeitskollegen von Matt dessen Vorhaben unterbreitet. Da Matt in
einer Agentur arbeitet, die Internetseiten erstellt, findet sich also
binnen kürzester Zeit eine Homepage zu seiner Aktion im Netz, auf der
jeder eine Wette abgeben kann, bis zu welchem Tag er seine Folter wohl
aushält; fortan ist die gesamte Frauenwelt in Matt's näherer Umgebung
darauf bedacht, ihn aus der Reserve zu locken. Doch es kommt natürlich
noch schlimmer: Inmitten seiner Zeit der Abstinenz lernt er Erica
Sutton (Shannyn Sossamon) kennen und verliebt sich in sie. Er erzählt
ihr nicht von seiner Aktion, sie findet es selbst heraus und als dann
noch Nicole wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt ...
--- Meine Meinung ---
'40 Tage & 40 Nächte' klingt wie ein weiterer unsäglicher Abklatsch
von 'American Pie'. Ironischerweise krankt der Film daran, dass
offenbar genau dieser Status krampfhaft vermieden werden sollte. Man
gab sich Mühe, dieses platte Thema mit soviel Fingerspitzengefühl wie
möglich zu inszenieren und so finden sich zur Freude des Zuschauers
keine Szenen, in denen Teenager an die Decke ejakuliert oder bei einer
Vergewaltigung der mütterlichen Backwaren erwischt werden. '40 Tage &
40 Nächte' ist bedingt durch sein schlüpfriges Sujet nicht frei von
Späßen unter der Gürtellinie; über diese darf man jedoch ruhigen
Gewissens lachen und fühlt sich dabei nicht auf Schritt und Tritt vom
Herrn Knigge höchstpersönlich verfolgt. Außerdem schaffte es Newcomer
Rob Perez, in seinem Drehbuch auch viele wirklich intelligent witzige
Szenen unterzubringen, die der Slapstick-talentierte Josh Hartnett mit
einem wunderbaren Sinn für Timing vor die Kamera trägt.
Doch man wollte sich vom schnöden Einerlei der letztjährigen
Teenie-Klamotten noch weiter abheben und garnierte den Film mit einer
reinrassigen Liebesgeschichte, die man überall vermuten würde;
überall, nur nicht hier. Da erobert Matt in einem Umfeld, das sich
verstärkt über die testosteron-geplagte Männlichkeit lächerlich macht,
mit den einfachsten und ur-romantischsten Dingen das Herz seiner
Erica. Dieses Paradoxon klingt in der Theorie durchaus reizvoll, wird
jedoch gänzlich überreizt. Während Matt einer seiner Liebschaften nach
einem sexuellen Akt - der eher einem Rodeo denn irgendetwas
vergnüglichem ähnelte - noch beweisen muss, zeitgleich mit ihr zum
Höhepunkt gelangt zu sein und hier angesichts eines eindeutig nicht
gefüllten Kondoms vor eine kreative Herausforderung gestellt wird,
bringt er Erica in einer klassisch-romantisch gestalteten und
wunderschön gefilmten Szene allein mit weißen Blütenknospen zum
Orgasmus. Wenn er dann wenig später in einer Art Fiebertraum über eine
lediglich aus unterschiedlich großen Brüsten bestehende Landschaft
fliegt, kann von einem einheitlichen Konzept keine Rede mehr sein.
Zusammengehalten wird dieses abstruse Wechselspiel von ausgebreiteten
Auftritten der Nebencharaktere, denen man durch diese Szenen offenbar
eine Art Existenzberechtigung geben wollte; hier funkt leider die
simple Geschichte des Films dazwischen.
So muss sich der Zuschauer oftmals fragen, in welches Genre er '40
Tage & 40 Nächte' eigentlich einordnen soll und vielleicht wird sich
der ein oder andere gar so manche konsequente Plattheit aus 'American
Pie' herbeiwünschen.
--- Fazit ---
'40 Tage & 40 Nächte' beweist, dass eine Gratwanderung zwischen einer
klassischen Romanze und der in Massenproduktion gefertigten fäkalen
Plattheiten der letzten Jahre nicht möglich ist.
2 von 5 Sternen
--
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