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Kritik: 40 Days and 40 Nights
- Subject: Kritik: 40 Days and 40 Nights
- From: "Andreas C. Lazar" <lazar@z.zgs.de>
- Date: 11 Jun 2002 07:49:25 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Fri, 12 Jul 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: lazar 3/1995 imdb0243736
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: MSH Medien System Haus Stuttgart
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2041
Kritik von Andreas C. Lazar, http://www.moviebazaar.de/
40 Days and 40 Nights (USA 2002)
Regie: Michael Lehmann
Darsteller: Josh Hartnett, Shannyn Sossamon, Paulo Costanzo, Monet
Mazur, Vinessa Shaw, Griffin Dunne
Inhalt: Ein Frauenheld schwört für vierzig Tage allen Formen des
Geschlechtsverkehrs ab. Leider trifft er in dieser Zeit seine Traumfrau.
Kritik: Jeder, der in irgendeinem Gebiet, gleich welcher Art,
Fachkenntnis besitzt, müßte unweigerlich Tag und Nacht mit einer
kratertiefen Zornesfalte durch die Welt gehen: schon ein Bruchteil
dessen, was die Medien, im Besonderen die visuellen, Tag um Tag an
Falschheit und Fehlinformation produzieren, reicht aus, selbst
gestandenen Erwachsenen das Hirn so sehr zu verwirren, daß sie nicht
mehr Fisch von Fleisch noch Mikroben von Mammuts unterscheiden können.
Es muß gar nicht an so dramatische Fälle wie die Deklarierung obskurer
Screenshots als "Counter-Strike"-Bilder im Zuge der spezifisch deutschen
Verbotshysterie nach "Erfurt" gedacht werden: schon die Darstellung von
Berufsfeldern - namentlich der Computerbranche - in Filmen schafft genug
Anlaß, sich alle verbleibenden Haare einzeln auszureißen. Da werden
Viren per Knopfdruck erschaffen, grundsätzlich keine Mäuse benutzt, aber
dafür Disketten unendlicher Speicherkapazität, Modems mit
Breitbandfähigkeiten und Kommandozeilenterminals, die natürliche Sprache
verstehen. Die Bediener dieser Supercomputer stehen ihren futuristischen
Maschinen in nichts nach: statt dicklichen, langhaarigen oder pickeligen
Strebern begegnet man ausnahmslos braungebrannten und gutaussehenden
Rechnervirtuosen, die zwischen zwei "Hacks", in denen sie wie wild auf
die Tasten dreschen, schnell noch die üppige Quotenschöne vernaschen. Es
ist zum In-die-Tastatur-beißen!
Voller Zynismus also in Michael Lehmanns erotische Komödie 40 Days and
40 Nights, deren Held nicht nur in der IT-Branche, sondern zu allem
Überfluß auch noch in deren überflüssigstem und mißverstandenstem
Bereich, dem "Webdesign", arbeitet. Was die wirklichen Vertreter dieser
Gattung Untermensch dem Netz angetan haben, läßt sich nicht mal mehr in
21-Zoll-Bildschirmen, die man den "Designern" gerne über den Kopf ziehen
würde, ermessen; dem schluffig-ruhigen Josh Hartnett aber kann man beim
besten Willen selbst dann nicht böse sein, wenn er als einer der
Pixelschubser schreiend bunte Seiten entwirft, die auf keinem Monitor
der Welt gleich aussehen würden - zu sympathisch und genießbar ist sein
Spiel, obgleich er erkennbar nicht das größte komödiantische Talent
diesseits der Sonne ist. Ebenso die Hawaiianerin Shannyn Sossamon, die
mit diesem Film zum großen Karrieresprung ansetzt: Kate Winslet kommt
sie nicht an schauspielerischem Talent, humorvollem Timing oder
vermittelten Nuancen, aber fast an warmherziger Ausstrahlung gleich und
übertrifft sie sogar in der Anzahl Farben, die ihr stehen: nach Gelb in
Brian Helgelands unterirdischem A Knight's Tale schafft sie es hier
unbegreiflicherweise, in Grün so gut wie in Schwarz oder Blau zu wirken.
Zusammen sorgen Sossamon und Hartnett denn auch für die schönsten Teile
des Films, in denen die Figuren der beiden die positiven Seiten ihrer
knospenden Beziehung erforschen. Leider reihen sich an diese ordentlich,
aber etwas forciert blau in blau fotografierten und eher schlapp
vertonten Szenen im Bus, an der Küste oder mit einer Blume andere voller
mäßiger Witze, durchschnittlicher Schauspieler und überflüssiger
Subplots, deren einzige Höhepunkte die zahlreichen T&A-Aufnahmen der
attraktiven Komparsinnen sind. Die Untiefen eines Scary Movie, in dem
Schamhaare mit einer Heckenschere zurechtgestutzt werden, werden nicht
erreicht, aber über ein bis auf wenige positive Ausreißer unbefriedigend
niedriges Scherzniveau erhebt auch 40 Days and 40 Nights sich nicht.
Dazu kommen ein eher konservativer Grundton und ein kleines, reichlich
ausgelutschtes, aber dennoch weiterhin latent misogynes "Hell hath no
fury..."-Motiv mit der prallen Vinessa Shaw als Exfreundin Hartnetts,
und fertig ist eine weitere letztlich überflüssige Twenkomödie, der
einzig die liebenswerten Hauptdarsteller dabei helfen, nicht sofort,
sondern erst vierzig Sekunden nach Verlassen des Kinos vergessen zu
werden. Immerhin etwas.
2 1/2 von 5 Sternen.
--
+++ http://www.moviebazaar.de/ +++
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