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Kritik: Mr. Deeds



OT: Mr. Deeds, USA 2002
Genre: Komödie
Verleih: Columbia TriStar
Laufzeit: 115 Minuten
FSK: k/A

Regie: Steven Brill
Drehbuch: Tim Herlihy

Starttermin: 01.08.2002
gesehen am: 08.07.2002 (OV)

offizielle Homepage: http://www.mr-deeds.de



--- Story kurz angerissen ---

Als der mondäne und rüstige Medienmogul Preston Blake bei der
Besteigung des Mount Everest zu einem grotesken Eiszapfen gefriert,
steht New York Kopf. Blake hinterlässt ein in allen Branchen präsentes
Imperium, hat aber keine bekannten Erben. Blakes rechte Hände Chuck
Cedar (Peter Gallagher) und Cecil Anderson (Erick Avari) suchen nun
weltweit nach einem Nachkommen von Blake und fürchten, die Führung von
"Blake Media" zu verlieren. Longfellow Deeds (Adam Sandler) wird
schließlich als Neffe von Blake ausfindig gemacht und ist somit der
rechtmäßige Erbe. Er lebt im beschaulichen Städtchen Mandrake Falls wo
ihn alle nur unter dem Namen Deeds kennen, da ihm sein Vorname zu
peinlich ist. Er fliegt schließlich zusammen mit Cedar und Anderson
nach New York, wo er von Cedar eine enorme Abfindung bekommt; er muss
ihm lediglich die Aktienmehrheit an "Blake Media" verkaufen. 

Unterdessen ist die gesamte New Yorker Medienwelt scharf auf Fotos vom
unbekannten Multi-Millionär. Erfolgsreporterin Babe Bennet (Winona
Ryder) stürzt sich unter dem Namen Pam Dawson auf Deeds und dieser
verliebt sich sofort in sie. Bennets Boss Mac McGrath (Jared Harris)
wiederum schneidet das von Babe gelieferte Bildmaterial stets so
zusammen, dass er Deeds jeden Tag aufs Neue diffamiert. Als Babe dann
ihre Gefühle für Deeds entdeckt, ist es bereits zu spät: Er fliegt um
mehrere Millionen Dollar reicher nach Mandrake Falls zurück und Cedar
will für viel Geld "Blake Media" aufsplitten ...


--- Meine Meinung ---

Was haben Steve Buscemi und John McEnroe gemeinsam? Sie beide gehören
zu den Stars, die in Adam Sandlers neuestem Streifen 'Mr. Deeds'
Cameo-Auftritte bekamen. Hier zeigt sich bereits das, was so
symptomatisch für Sandler-Filme ist: Während Adam Sandler in den USA
als Superstar ein Garant für überquellende Kinokassen ist und sich
andere Superstars darum reißen, in seinen Filmen mitzuspielen, sind
den Klamauk-Streifen mit Holzhammerhumor hierzulande weitaus weniger
Kinogänger gewogen. Doch mit seinem letzten Film 'Little Nicky' schien
ein neues Zeitalter eingeläutet zu werden: Die Satanskomödie bot viele
intelligente Witze und holte lediglich hin und wieder zu Tiefschlägen
aus. Und tatsächlich: Mit 'Mr. Deeds' scheint Sandler
gesellschaftsfähig geworden zu sein. 

Grund hierfür könnte ein für Sandler selbst wenig rühmliches Detail
sein: Er war zum ersten Mal nicht am Schreiben des Drehbuchs
beteiligt. 'Mr. Deeds' ist allerdings auch ein Remake des 36er
Streifens 'Mr. Deeds Goes To Town' mit Gary Cooper in der Hauptrolle
und vielleicht wollte man sich so nah am Original orientieren, dass
kein Platz mehr für sandler'schen "Tiefgang" blieb. Am Ende bleibt
aber doch zu hoffen, dass Sandler mit seinem Humor in eine neue
Richtung geht, denn von Filmen wie 'Mr. Deeds' sieht man gerne mehr. 

Das liegt vor allem an der schönen Ausarbeitung der Charaktere, die
fast jeder Figur eine ureigene Eigenschaft verpasste, die die Basis
für viele Gags darstellen. So schreibt Deeds beispielsweise kleine
Verse für Grußkarten. Diese fallen zwar nicht immer jugendfrei aus,
bieten jedoch einen herrlichen Wortwitz (der schwer ins Deutsche zu
übertragen sein dürfte), und der Film greift des öfteren auf dieses
Hobby zurück, ohne es dabei zu übertreiben. Ein anderes wundervolles
Beispiel ist Deeds' Butler Emilio (John Turturro), der sich in
Windeseile und unbemerkt von einem Ort zum nächsten bewegt. Es gibt
noch einige andere dieser Details, deren bloße Aufzählung jedoch nur
den Spaß am Film nähme. Das bemerkenswerte - gerade für einen
Sandler-Film - ist die dosierte Platzierung dieser Running Gags.
Keiner wird öfter eingesetzt als es nötig wäre, über jeden kann man
immer wieder zumindest schmunzeln. Zudem geben diese Gimmicks den
Charakteren eine glaubhafte Tiefe, die gerade die letztjährigen
Teenie-Klamotten, die ihre Figuren zusammen mit dem Zuschauer wie
wiederkäuendes Vieh behandelten, vermissen ließen. Einen wesentlichen
Anteil am Funktionieren der Figuren haben natürlich auch die
Schauspieler, die allesamt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge
passen. Neben der bezaubernden Winona Ryder brilliert hier vor allem
Erick Avari, der als gemütlicher Abraham Lincoln-Verschnitt eine gute
Figur macht. 

Ein Meisterwerk ist aber auch 'Mr. Deeds' nicht und das liegt daran,
dass die Geschichte zu uninspiriert und konzeptionell zu
Sandler-typisch daherkommt. Das allerdings einerseits weil und
andererseits obwohl es sich um ein Remake handelt. Letztendlich ist
'Mr. Deeds' eine romantische Komödie und in diesem Genre sind die
Eckpfeiler der Handlung recht klar vorgegeben; niemand wird daran
zweifeln, dass Deeds und Babe am Ende doch zueinander finden.
Gleichzeitig ist die Geschichte aber eben auch typisch für einen
Sandler-Film ... die Hauptfigur gerät in ein Milieu, mit dem sie bis
jetzt nichts zu tun hatte und eckt zwangsweise überall an. Zum Glück
gehört 'Mr. Deeds' zu den Filmen Sandlers, in denen er den gutmütigen
und leicht naiven Part übernehmen darf. Diese Filme ('Wedding Singer',
'Happy Gilmore') gehören im Gegensatz zu den Machwerken, in denen er
unterbemittelte Charaktere spielte ('Water Boy' oder 'Billy Madison')
zur erträglichen Vergangenheit des Adam Sandler. Man darf nach 'Mr.
Deeds' also durchaus hoffen.


--- Fazit ---

Mit 'Mr. Deeds' kann man eigentlich nur hoffen. Hoffen, dass
Klamauk-König Adam Sandler seinen bisherigen Stil an den Nagel hängt
und es in Zukunft mehr solch wirklich sehenswerter Komödien gibt.


3 von 5 Sternen

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