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Kritik: Die geheimnisvolle Minusch



OT: Minoes, Holland 2001
Genre: Kinderfilm
Verleih: Warner
Laufzeit: 86 Minuten
FSK: k/A

Regie: Vincent Bal
Drehbuch: Vincent Bal, Burny Bos, Tamara Bos

Starttermin: 08.08.2002
gesehen am: 12.07.2002 (dF)

offizielle Homepage: http://www.minusch-derfilm.de



--- Story kurz angerissen ---

Die Chefredakteurin von Nachwuchsjournalist Tibbe (Theo Maassen) ist
alles andere als begeistert von seiner Arbeit; ständig liefert er nur
mäßig interessanten Klatsch und Tratsch, doch nie echte Stories. Hat
sie am nächsten Tag nicht einen wirklich guten Artikel von ihm auf dem
Schreibtisch, wird sie ihn feuern. Tibbe aber ist viel zu schüchtern,
als dass er sich an Interviews mit der städtischen Prominenz
heranwagen würde. Doch dann hat er Glück: Auf dem Heimweg begegnet er
Minusch (Carice van Houten), einer jungen Frau, die angesichts eines
Hundes auf einen Baum geflüchtet ist. Die gutgläubige Minusch erzählt
Tibbe, sie sei eine Katze, die auf irgendeine Art und Weise zum
Menschen geworden sei. Tibbe glaubt ihr kein Wort, wird aber
hellhörig, als sie ihm im Austausch gegen einen Schlafplatz und etwas
Essbares Informationen über Geschehnisse in der Stadt anbietet. Und
tatsächlich: Nacht für Nacht klettert Minusch über die Dächer von
Killendoorn und erfährt von den örtlichen Hauskatzen stets die
heißesten Neuigkeiten; Tibbe steigt zum Starreporter auf.

Heikel wird es, als die Katzen herausfinden, dass der Besitzer der
örtlichen Deodorantfabrik und Wohltäter der Stadt, Herr Ellemeet
(Pierre Bokma), nicht nur den Bürgermeister besticht, sondern mit
allen Mitteln sein Fabrikgelände erweitern will. Ohne Beweise kann
Tibbe darüber nicht berichten und weigert sich, auf Grund von Aussagen
der örtlichen Katzen einen Artikel zu schreiben. Minusch ist
enttäuscht und droht Tibbe, ihn zu verlassen; also setzt er alles in
Bewegung ...


--- Meine Meinung ---

Die im Alter von 84 Jahren verstorbene holländische Kinderbuchautorin
Annie M.G. Schmidt gilt in Holland als die nationale Astrid Lindgren
und landete mit ihren Büchern stets in den Bestsellerlisten. Durch die
enge Freundschaft zu Burny Bos kamen bereits einige Verfilmungen
zustande, die über die Grenzen Hollands hinaus jedoch nie bekannt
wurden. Mit 'Die geheimnisvolle Minusch' tritt jetzt dank Warner der
erste Film den Weg in die weite Welt an und nimmt es spielend mit der
Konkurrenz auf.

'Die geheimnisvolle Minusch' erzählt die Geschichte einer Katze, die
eines Abends aus einem seltsamen Fass trinkt und am nächsten Morgen
als Mensch aufwacht, ihre Katzengewohnheiten jedoch nicht abgelegt
hat; sie frisst gerne Mäuse, liebt Fisch und klettert beim Anblick
eines Hundes sofort auf den nächstbesten Baum. Eine Figur, die sich
mit einer neuen Umgebung konfrontiert sieht und Schwierigkeiten hat,
sich in dieser zurechtzufinden. Eine Figur, mit der sich Kinder
spielend identifizieren können. Ähnlich einfach aber doch genial sind
auch die anderen Charaktere des Films gestrickt, derer es nur ein
knappes halbes Dutzend bedarf. Sei es nun der stets gutgelaunte
Fischverkäufer, der sympathische aber erfolglose Tibbe, die zwei
Klatschtanten von nebenan oder der grundlegend unsympathische
Industrielle Ellemeet ... sie alle sind schnell einzuordnen und der
Film kann seine Geschichte erzählen.

Das tut er mit den wunderschönen Bildern einer ganz normalen
Kleinstadt und ihrem direkten Gegensatz: Einem hässlichen Betonklotz
von Deodorantfabrik. Hier wird an den klar umrissenen Kanten bereits
deutlich, dass sich der Film ohne Umschweife direkt an ein junges
Publikum wendet und die Klientel der Erwachsenen außen vor lässt. 'Die
geheimnisvolle Minusch' ist ein Film, bei dem Eltern gerne im Foyer
warten dürfen, denn Anspielungen oder spitze Seitenhiebe wie
beispielsweise in vielen Disney-Produktionen finden sich kaum und
gerade das macht den Film für Kinder umso sehenswerter.

Ebenso, wie das begrenzte Budget den Film vielleicht umso sehenswerter
werden ließ. Die klare Hauptrolle spielen nämlich nicht etwa die
Menschen, sondern die Katzen; untereinander sprechende Katzen. Jetzt
mag manch einer bereits die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil
er eine ganze Armee von computeranimierten Vierbeinern über die
Leinwand springen sieht, doch dem ist zum Glück nicht so. Anstatt in
der Manie von Retorten-Maus 'Stuart Little' die tierischen
Protagonisten aus Drahtgittermodellen zusammenzuflicken, handelt es
sich durchweg um echte Katzen, die mit viel Geduld in Szene gesetzt
wurden. Lediglich bei der Animation der Mundbewegungen fand der
Computer Verwendung, aber derart schlicht, dass die sprechenden
Fellknäuel wirklich "natürlich" wirken und man ein ums andere Mal
versucht ist, die sprechenden Katzen als real hinzunehmen. Das liegt
neben der technischen Seite nicht zuletzt an der gelungenen
Personifizierung der Katzen. Jede hat einen eigenen Charakter;
selbstverständlich mit menschlichen Eigenschaften gestaltet. Vom
Aufreißer bis zum Angsthasen ist alles dabei.

Zusammen mit diesen Charakterköpfen mischt nun die menschgewordene
Minusch das Stadtleben auf und will dem fiesen Industriellen das
Handwerk legen. Dabei ist es selbstverständlich, dass sie später die
Gelegenheit bekommt, wieder Katze zu werden und hier in einen Konflikt
gerät. Da wundert sich niemand, wenn Minusch und Tibbe zusammen ihre
Schüchternheit bekämpfen und sich stetig etwas näherkommen. Für Kinder
ist diese Form des Kitsches genau die richtige Basis für gute
Unterhaltung und mehr zählt bei einem Kinderfilm schließlich nicht.


--- Fazit ---

'Die geheimnisvolle Minusch' ist eine wunderschön erzählte Geschichte
über Freundschaft und das "anders" sein. Von Grund auf liebevoll
gestaltet und stringent erzählt, ein nahezu perfekter Kinderfilm mit
Witz, Spannung und ein bisschen Romantik. Eltern dürfen draußen
bleiben.


4 1/2 von 5 Sternen

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