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Kritik: About a Boy
- Subject: Kritik: About a Boy
- From: Lukas Heinser <heinser@gmx.de>
- Date: 22 Jul 2002 06:44:33 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Thu, 22 Aug 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: heinser 47/2012 imdb0276751
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: None
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2058
About a Boy
Die Bücher von Nick Hornby haben sehr schnell Kultstatus erlangt, ihm
wird nachgesagt, der Begründer der Popliteratur zu sein (was bei aller
Liebe wohl eher den Herren Kerouac oder Ginsberg anzulasten ist), und so
ist es wenig verwunderlich, wenn sich Filmemacher um die Stoffe reißen.
Fever Pitch mit Colin Firth konnte 1997 noch nicht das ganz große
Publikum erreichen, aber bereits High Fidelity, 2000 mit John Cusack
verfilmt, konnte trotz oder gerade wegen der Verlegung der Geschichte
von London nach Chicago begeistern.
So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch About a Boy den Weg auf die
Leinwand fand. Da Hornby-Bücher und -Filme traditionell eher von Männern
konsumiert werden, wurde hier ein einfacher Besetzungscoup angewandt, um
auch die Frauen scharenweise ins Kino zu schleppen: Hugh Grant.
Dieser darf zur wunderbaren Musik von Badly Drawn Boy erst mal der
gelangweilte Snob Will sein, der sich so durchs Leben und die
Beziehungen windet. Geld hat er genug, ansonsten braucht er nur seine
Ruhe. Er schleicht sich mit seinem imaginären Sohn in eine
Selbsthilfegruppe für alleinerziehende Mütter ein, weil diese leicht
rumzukriegen und auch loszuwerden sind. Doch statt die perfekte Frau
kennen zu lernen, lernt er Marcus (Nicholas Hoult) kennen, einen etwa
elfjährigen Jungen mit einer psychisch gestörten Mutter und einem
ziemlich gestrigen Geschmack.
Überraschenderweise freunden sich Will und Marcus an, eine etwas
seltsame Vater-Sohn-Beziehung entsteht, bei der Beide voneinander
profitieren und am Ende eine Art Ersatzfamilie für den jeweils anderen
darstellen.
Ich weiß, diese Story klingt verdammt kitschig, aber Hornbys Humor
umschifft die Klippen der Kitschigkeit und die Gebrüder Chris & Paul
Weitz (American Pie) inszenieren den Film ohne unnötige
Sentimentalitäten, aber auch auf keinen Fall gefühllos.
Hugh Grant darf zunächst - wie zuvor schon in Bridget Jones' Diary - den
arroganten Schnösel geben und gefällt mir in dieser Rolle eigentlich
besser als in seiner klassischen Trottel-Rolle aus Vier Hochzeiten und
ein Todesfall und Notting Hill. Dafür wird er durch seine
"Menschwerdung" um so sypathischer. Auch der junge Nicholas Hoult und
Toni Collette (The sixth sense) als seine Mutter spielen sehr
überzeugend.
Fans der Romanvorlage werden allerdings wichtige Elemente vermissen:
statt zu Nirvana bringt Will Marcus plötzlich zu Mystikal, statt Joni
Mitchell hört Wills Mutter Roberta Flack und auch die Rolle von Ellie
(Nat Gastiain Tena) fällt kleiner aus als im Buch. Vor allem durch das
Fehlen von Nirvana und Kurt Cobains Selbstmord (das Buch spielt 1994),
fehlte mir persönlich manchmal der Bezug zum Roman.
Allerdings kann man das Ganze auch positiv sehen: wie schon bei High
Fidelity ist es den Filmemachern gelungen, einen eigenständigen Film zu
einem Nick Hornby-Roman zu erstellen, der eine einfache, für die heutige
Zeit aber nicht mehr selbstverständliche Botschaft hat: "Passt
aufeinander auf, Leute!"
Gut
About a Boy
OT: About a Boy
UK, USA, Frankreich 2002, 101 min.
Regie: Chris & Paul Weitz
Darsteller: Hugh Grant, Nicholas Hoult, Toni Collette, Rachel Weisz, Nat
Gastiain Tena, Sharon Small
Für Fans von: High Fidelity, Fever Pitch, Almost Famous, Billy Elliot,
Gottes Wek und Teufels Beitrag, Wo Dein Herz schlägt
Link: http://www.about-a-boy.com/
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"Viele Kinder können gar nicht mehr rückwärts laufen."
(Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes)
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