[Subject Prev][Subject Next][Thread Prev][Thread Next][Subject Index][Thread Index]
Kritik: 8 Frauen (2002)
- Subject: Kritik: 8 Frauen (2002)
- From: Stephan Flory <stephan@moovienet.de>
- Date: 2 Aug 2002 09:49:18 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 02 Sep 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: flory 151/2024 imdb0283832
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: T-Online
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- User-agent: Mozilla/5.0 (Windows; U; Win 9x 4.90; de-DE; rv:0.9.4.1) Gecko/20020508 Netscape6/6.2.3
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2070
"8 Frauen"
INHALT
Ende der 50er Jahre: Auf dem Anwesen von Gaby (Catherine Deneuve) und
ihrem Mann Marcel versammelt sich die gesamte (weibliche)
Verwandtschaft. Als der Hausherr ermordet aufgefunden wird und die
illustre Gesellschaft inklusive der beiden Hausmädchen in dem Haus ohne
Kontakt zur Außenwelt eingeschneit ist, beginnen sich die Damen
gegenseitig des Mordes zu bezichtigen...
KRITIK
Regisseur François Ozon gehört in Frankreich zu den Angesehensten seines
Faches. In der Regel haben seine Filme einen sozialkritischen oder
psychologischen Hintergrund, doch "8 Frauen" ist ein Ausnahmeprojekt.
Die wahrscheinlich bekanntesten französischen Schauspielerinnen geben
sich hier ein Stelldichein - da braucht es keine Message mehr, wenn man
so ein Ensemble vorweisen kann! Parallelen lassen sich zu Ozons Film
"Sitcom" von 1998 ziehen: Auch dort spielt die Handlung ausschließlich
im Hause einer Familie, die zuerst den Eindruck einer heilen Welt
hinterläßt und deren Abgründe sich erst nach und nach offenbaren. Die
acht Frauen haben allesamt schon die ein oder andere "Leiche im Keller"
und offenbaren dies im Zuge ihre eigenen gegenseitigen Verhöre.
Unterbrochen wird der klassische Whodunnit-Plot von acht
Musical-Einlagen. Diese sind natürlich Geschmackssache, machen den Film
aber erst zu etwas besonderem. Auch macht es große Freude, einer Grande
Dame wie Catherine Deneuve zuzusehen, wie sie ein Liedchen anstimmt und
dazu tanzt.
Die volle Aufmerksamkeit gehört in diesem Film natürlich den acht
Hauptdarstellerinnen (siehe Bild, von links): Ludivine Sagnier, Virginie
Ledoyen, Catherine Deneuve, Danielle Darrieux, Isabelle Huppert, Firmine
Richard, Emmanuelle Béart und Fanny Ardant (nicht auf dem Bild). Sie
alle liefern ein grandioses Zusammenspiel, gepfefferte Rededuelle und
singen und tanzen auch gemeinsam. Der Film wurde nach einem Theaterstück
von Robert Thomas gedreht. An die Gegebenheiten des Kinos werden
praktisch keine Zugeständnisse gemacht. Die komplette Handlung
beschränkt sich auf einige Räume des Hauses, am Ende fehlt nur noch eine
Verbeugung, um das perfekte Theater-Feeling aufkommen zu lassen, wenn
sich die Darstellerinnen an den Händen fassen und der Vorhang fällt. Ein
in der Tat magischer Moment entsteht bereits früher, als sich in einer
Szene Gaby (Deneuve), Louise (Béart) und ein Foto von Romy Schneider
begegnen. Drei Generationen Kino stehen sich in dieser Konstellation
gegenüber, Ozons Ausdruck der Bewunderung für diese Frauen, die das Kino
ebenso prägen wie die männlichen Darsteller der jeweiligen Zeit.
Doch nicht alles ist an "8 Frauen" gelungen. Da das Ensemble im
Mittelpunkt steht, wurde nicht viel Wert auf Originalität gelegt. Die
Story entwickelt sich stets auf altgediehnten Bahnen, nur die
verschiedenen skandalösen Enthüllungen sorgen noch für Überraschungen.
In vielen Szenen entsteht zudem der Eindruck, daß es sie nur gibt, um
möglichst alle acht Frauen gemeinsam agieren zu lassen. Hinzu kommen an
einigen Stellen pathetische Dialoge, was jedoch auch ein Problem der
Synchronisation sein kann, die ohnehin nicht voll überzeugen kann. Zwar
konnten acht bekannte deutsche Schauspielerinnen gewonnen werden, die
ihren französischen Pendants in Sachen Talent und Ansehen kaum
nachstehen, doch wirkt ihre Synchronisation doch stellenweise etwas
hölzern. Dies kann man dem Film an sich natürlich nicht zur Last legen.
Letzendlich bleibt bei "8 Frauen" ein etwas zwiespältiger Eindruck. Zu
schnell wird klar, daß der Film seine Existenzberechtigung nur aus dem
fantastischen Ensemble bezieht. Die Geschichte hat nämlich nicht
übermäßig viel zu bieten, vor allem nicht die für Regisseur Ozon
üblichen kritischen Ansätze. Dennoch ein unterhaltsamer Spaß mit dem ein
oder anderen magischen Moment.
O-Titel : "8 femmes", F 2002
mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emanuelle Béart, Fanny Ardant,
Virgnie Ledoyen, Danielle Darrieux, Firmine Richard, Ludivine Sagnier
Regie : François Ozon
Buch : François Ozon (nach dem Stück von Robert Thomas)
Länge : 111 Minuten
FSK : ab 12 Jahren freigegeben
Start : 11. Juli 2002
Spaß Spannung Action Erotik Niveau Gesamt
++ + + ***
--
That's what the Internet is for, slandering others anonymously.
(Banky)
http://www.moovienet.de