[Subject Prev][Subject Next][Thread Prev][Thread Next][Subject Index][Thread Index]
Kritik: About a boy
- Subject: Kritik: About a boy
- From: Sven Joerges <sven.joerges@uni-dortmund.de>
- Date: 26 Aug 2002 06:00:46 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Thu, 26 Sep 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: joerges 13/2034 imdb0276751
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: Universitaet Dortmund
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2081
Kritik von www.movieflash.de:
Will (Hugh Grant) ist der Inbegriff des Müßiggängers: er lebt von den
Tantiemen eines Songs, den sein Vater vor Jahren geschrieben hat wie
Gott in Frankreich. Arbeiten gehen ist nicht sein Ding, also ist er
intesivst damit beschäftigt, sein Single-Dasein zu perfektionieren,
indem er den Tag in 30 Minuten-Einheiten einteilt und nie allzu lange
mit derselben Frau zusammen bleibt. Doch durch einen Zufall lernt er
den kleinen Marcus (Nicholas Hoult) kennen, ein uncooler Außenseiter
mit einer suizidgefährdeten Hippie-Mutter. Ohne etwas dagegen tun zu
können macht sich Marcus in Wills wohlportioniertem Leben breit, denn
Will hat seine Lektion noch zu lernen...
Nick Hornby hat eine Vorliebe für Mittdreißiger, die nicht erwachsen
werden wollen. Sie alle haben eine Leidenschaft, die ihr gesamtes
Leben einnimmt, so dass dort freilich nicht mehr genügend Platz für
andere Menschen ist. In "Fever Pitch" war es der Fußball, in "High
Fidelity" die Musik, und in "About a boy" ist es das
verantwortungsfreie Single-Leben par excellence. Hornbys Protagonisten
sind Eigenbrötler, Sturköpfe, die nie sagen, was sie denken und sich
in einem einfachen Mikrokosmos bestehend aus ihnen selbst verkapseln.
Sicherlich, Colin Firth und John Cusack haben ihre Sache seinerzeit
gut gemacht, aber niemand konnte den Hornbyschen Archetyp bisher
derart bravourös verkörpern wie Hugh Grant. Er ist es schließlich
auch, der dem nicht unbedingt neuen
"Kind-bringt-Erwachsenem-Vernunft-bei"-Plot (siehe "The Kid") die
richtige Würze gibt - in diesem Fall eindeutig Pfeffer:
geschmacksverstärkend, und manchmal ziemlich scharf. Die Gebrüder
Weitz ("American Pie") füllen den Film mit einem Haufen anarchischer
Gags, die von Hugh Grant derart überzeugend dargeboten werden, dass
man manchmal aus dem Schenkelklopfen gar nicht mehr herauskommt. Und
dennoch ist den Regisseuren eine Blutgrätsche gelungen, denn "About a
boy" verfügt über ebenso viel Tiefgang wie Humor. Schlüsselthemen wie
Verantwortung, Freundschaft und Liebe werden mit allem nötigen Ernst
dargeboten, um den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, verpackt in
einer erfrischend heiteren Story mit sympatischen Charakteren. Ein
Muss nicht nur für Hornby- oder Grant-Fans.
--
Sven Joerges
http://www.movieflash.de