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Kritik: Ali G. Indahouse



OT: Ali G. Indahouse, UK 2002
Genre: Komödie
Verleih: United International Pictures
Laufzeit: 90 Minuten
FSK: ab 12

Regie: Mark Mylod
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Dan Mazer

Starttermin: 05.09.2002
gesehen am: 19.08.2002 (OV)

offizielle Homepage: http://movies.uip.de/ali_g/



--- Story kurz angerissen ---

Ali G. (Sacha Baron Cohen) wohnt in Staines und ist der Anführer
seiner Gang "West Staines Massive". Stets in Markenklamotten gepresst
und mit Ghetto-Sprüchen auf der losen Zunge ist er aber nicht nur in
seinem Prollo-Mobil unterwegs, sondern hat auch so etwas wie eine
soziale Ader. Die Kinder des John Nike-Freizeitcenter liegen ihm sehr
am Herzen und so ist es für ihn selbstverständlich, auf die Barrikaden
zu gehen, als er erfährt, dass die Regierung das Zentrum schließen
will.

Durch seine Protestaktionen wird Schatzkanzler David Carlton (Charles
Dance) auf den krassen Typen aufmerksam und spannt ihn in den
Wahlkampf ein, um den amtierenden Premierminister (Michael Gambon) bis
auf die Knochen zu blamieren und selbst die politische Macht zu
übernehmen. Doch mit einem hat er nicht gerechnet: Mit Ali G.'s
Fähigkeiten.


--- Meine Meinung ---

Als Sacha Baron Cohen die Figur Ali G. erfand, wird er von der
heutigen Popularität des Charakters allerhöchstens geträumt haben.
Neben diversen Auszeichnungen unter anderen bei den "British Academy
Awards" war es also nur eine Frage der Zeit, bis der englische Kollege
von Erkan und Stefan auf der großen Leinwand zu sehen sein würde. Nun
ist es also soweit und das Ergebnis fällt überraschenderweise weniger
verheerend aus, als man annehmen könnte.

Da sich nicht irgendwelche fremden Autoren dem Stoff annahmen, sondern
die Erfinder und Macher der Fernsehserie, bleibt die Authentizität des
Charakters gewahrt und das macht den Reiz des Filmes aus. 'Ali G.
Indahouse' demontiert die heutige Jugendkultur auf eine liebenswerte
Art und Weise. Ali G. hält sich für den englischen P. Diddy und sieht
sich selbst als "black man". Eine wenig subtile aber umso treffendere
Art und Weise, den Teil der Jugendlichen durch den Kakao zu ziehen,
der seine Hosen bevorzugt in den Kniekehlen trägt und lieber abstrakte
Bilder mit zu absurden Figuren verkrampften Fingern in die Luft malt,
anstatt sich die Hand zu geben. Komplettiert wird das genial
ausgeklügelte Gesamtbild dadurch, dass genau diese pubertierenden
Rentenlöcher für Ali G. den Fernseher einschalten oder ins Kino gehen.
Tragische Ironie oder gesellschaftlicher Galgenhumor?

Ob Sacha Baron Cohen an der Beantwortung dieser Frage wirklich etwas
liegt, vermag niemand zu sagen; als Tatsache steht hingegen fest, dass
sich 'Ali G. Indahouse' bei aller Eigenleistung gerne bei
Genre-Kollegen bedient und stellenweise gar an alte Produktionen von
Jerry Zucker erinnert. Der Verlauf der Geschichte ist dabei so
vorhersehbar wie belanglos: Trotz vieler Stolpersteine begeistert Ali
G. das englische Volk mit seinen unkonventionellen Ideen zu Bildungs-
oder Zuwanderungspolitik. Beeindruckend, mit wie viel Feingefühl das
Autorengespann dabei dieser Brachialkomödie immer wieder satirischen
Charakter gibt.

Doch nach einer halben Stunde dreht sich der Film immer schneller im
Kreis, greift Gags wieder auf und versieht so manchen potentiellen
Lacher mit einem derart langen Vorlauf, dass dem Zuschauer das Lachen
letztendlich doch im Halse stecken bleibt. Da sich in regelmäßigen
Abständen aber immer wieder brauchbare Witze im Drehbuch finden,
bleibt der Film seine gesamte Laufzeit über erträglich. Trotzdem ist
ein 90-minütiger Spielfilm ein anderes Kaliber als eine TV-Show und so
stellt die Ideenarmut auf der Kinoleinwand einen weitaus größeren
Kritikpunkt dar, als sie es eventuell auf der Mattscheibe getan hätte.
Eigentlich schade um die durchaus sehenswerte Figur des Ali G., aber
der Film muss sich trotz gelungener Szenen die existentielle Frage
gefallen lassen, ob die Welt ihn wirklich braucht.


--- Fazit ---

'Ali G. Indahouse' als die englische Rache für 'Erkan und Stefan' zu
bezeichnen, wird dem Film nicht gerecht; hier wird wesentlich
humorvoller geblödelt; dennoch scheint sich zu bewahrheiten, dass die
meisten TV-Formate im Kino nichts verloren haben. Wer dennoch im
Kinosessel platz nimmt, der wird mit einem guten Dutzend an
sehenswerten Szenen belohnt, bekommt aber trotz des Verzichts auf
pures Prollkino nur eine durchschnittliche Komödie zu sehen.


2 1/2 von 5 Sternen

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