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Kritik: Ali G. Indahouse
- Subject: Kritik: Ali G. Indahouse
- From: Andreas Edler <andreas@filmfacts.de>
- Date: 30 Aug 2002 06:57:39 GMT
- Approved: tln@zedat.fu-berlin.de (drfk-mod)
- Expires: Mon, 30 Sep 2002 00:00:00 GMT
- Followup-to: de.rec.film.misc
- Keywords: edler 148/2039 imdb0284837
- Newsgroups: de.rec.film.kritiken
- Organization: filmfacts
- Sender: tln@zedat.fu-berlin.de (Thorsten L Nicolai)
- User-agent: Hamster/1.3.23.185
- Xref: read.news.de.uu.net de.rec.film.kritiken:2085
Eine Doppelsneak "mitten" im Monat? Wahrscheinlich boten die immer noch
andauernden Sommerferien in NRW genug Potential um mal wieder eine
Doppelsneak anzusetzen. Und tatsächlich waren tatsächlich beide Säle gut
belegt, als Thomas und ich die Karten in Bückeburg lösten. Nach ein paar
Minuten im fürchterlich stickigen Foyer fielen wir im angenehm
temperierten Saal in unsere Sessel, hörten Geschichten über die "Signs"
Pressevorführung und mutmaßten über die gleich laufenden Filme.
> Zum Inhalt ...
Allister Grahem (Sacha Baron Cohen) lebt bei seiner Omi und tagträumt
sich durch sein Leben. Mit seiner Clique - die sich Westside Staines
Posse nennt - fährt er mit seinem aufgemotzten R5 durch die Gegend und
lehrt die Kids im Vorort unter seinem Pseudonym "Ali G." wie man sich
krass, korrekt verhält! Keep Clear! Alles wäre in Ordnung, wenn nicht
der machtgierige Vize-Premier Englands David Carlton (Charles Dance)
noch einen hippen Kandidaten für die bevorstehende Wahl bräuchte.
Ali G. macht ziemlich unfreiwillig mit einem massiv mißglückten
Hungerstreik für die Aufrechterhaltung seines Jugendzentrums den
suchenden Vize auf sich aufmerksam. Nach einem hanebüchenen
Kurzwahlkampf macht sich Ali G. daran, die verstaubte britische
Regierung aufzumischen und endlich mal korrekte Gesetze zu erlassen und
Steuern zu erheben. Bis die Neider auf den Plan kommen ...
> Hmm ...
Als Moderator der MTV Music Awards und mit vielen kleinen Clips machte
Sacha Baron Cohen alias "Ali G." von sich reden und avancierte zum
Kultstar, der unter anderem auch Madonna in Ihren Videos spazieren fuhr.
Sein Humor baut auf die unpassende Verkleidung als cooler schwarzer
Gangsta-Hip-Hopper in Verbindung mit der Verballhornung der Sprache und
der Tatsache, daß er ein ziemlich weißer Milchbubi ist. "Erkan & Stefan"
machen im Prinzip genau das Gleiche und kopierten dreisterweise in
"Headnut TV" einige von Ali G. Sketchen 1 zu 1.
Das klappte sogar erstaunlich gut ... wenn man das komplette Umfeld
quasi mit "synchronisiert". Erkan & Stefan befleissigen sich des
hiesigen Ghetto-Slangs, haben die Marotten der lokalen Kids und machen
Witze über unsere Gepflogenheiten. Ali G. bezieht sich bei all diesen
Punkten auf das englischsprachige Umfeld und dort wirkt es denn auch
richtig gut - auch wenn solcherart Humor immer eine Frage des
persönlichen Geschmacks ist.
"Indahouse" leidet nun in weiten Teilen daran, daß der Text stumpf
synchronisiert wird und das von Mola Adebisi in einwandfreier
Softporno-Manier - zu langweilig, daß man heiß wird und zu nervig um
einzuschlafen. Sollten die flachen Zoten ansatzweise Wortwitz enthalten
haben - bei dem Erfolg den der Film auf der Insel hat ist das anzunehmen
- so geht er bravourös flöten!
Allerdings sind diese flachen Zoten trotz der Synchro nach einiger Zeit
durchaus unterhaltssam. Irgendwann überhört man den Mola einfach und
nimmt die Slapstick so hin, wie sie ist. Weder anspruchsvoll noch
innovativ, aber mit einigen doch recht respektlosen Einfällen. Für die
heimlichen Voyeure unter den Kinobesuchern bieten die Traumsequenzen von
Ali den ein- oder anderen jugendfreien Blinzler und Fast-Lara-Croft
Rhona Mitra rückt ihren Astralkörper auch ansehnlich verhüllt ins Bild.
Letztendlich ist "Ali G. Indahouse" kein Totalausfall. In der
entsprechenden Stimmung und mit der passenden Begleitung hat man eine
kurzweilige Abendunterhaltung. Am besten wird das jedoch mit ein paar
Dosen Bier, 'ner Pizza vom Bringdienst und auf dem heimischen Sofa zu
genießen sein. Also wartet's ab!
Andreas
--
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There's always a bigger fish letztes Update: 29.08.2002